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Festnahmen nach tödlichem Fährunglück auf Victoria-See

Im südlichen Teil des Sees in Tansania ist ein Schiff mit über 200 Menschen an Bord gekentert. Präsident John Magufuli hat die Festnahme der Verantwortlichen angeordnet.

Nach einem schweren Fährunglück auf dem Victoriasee in Tansania mit über 150 Toten und vielen Vermissten hat Präsident John Magufuli die Festnahme der Verantwortlichen angeordnet. Als erster wurde laut der Zeitung «The Citizen» der Kapitän in Gewahrsam genommen.

Der Schiffsführer hatte sich nach Angaben des Staatschefs zum Zeitpunkt des Kenterns nicht an Bord befunden. Er habe das Ruder jemandem überlassen, der für das Führen eines Schiffes keine Ausbildung habe. Als Hauptgrund für das Unglück nannte Magufuli Überladung der Fähre.

Zwei Tage nach dem Fährunglück auf dem Victoriasee in Tansania ist die Zahl der Toten weiter gestiegen. Die Suchmannschaften hätten bis Samstagmorgen 151 Leichen geborgen, berichtete der Fernsehsender TBC. Am Freitagabend war noch von 131 Toten die Rede gewesen, 40 Menschen überlebten das Unglück. Nach einer Unterbrechung in der Nacht wurden die Such- und Bergungsarbeiten am Morgen fortgesetzt.

Passagierzahl unklar

Der Gouverneur der Region Mwanza, John Mongella, gab die Zahl der Überlebenden mit 40 an. Verkehrsminister Isack Kamwele sagte im Staatsfernsehen, bisher seien 136 Todesopfer bei dem Unglück im südlichen Teil des Sees geborgen worden.

Es war zunächst unklar, wie viele Menschen sich an Bord der Fähre «Nyerere» befanden, als das Schiff nur rund 50 Meter vom Anleger in Ukara entfernt kenterte. Rumpf und Schiffsschrauben ragten noch aus dem Wasser. Augenzeugen sagten, die Passagiere hätten an Deck zu einer Seite gedrängt, als sich das Boot dem Anleger näherte.

Das Unglück ereignete sich am Donnerstag. Über Nacht wurden die Rettungsarbeiten, an denen Polizei- und Marinetaucher beteiligt waren, unterbrochen. Am Freitag stieg die Zahl der geborgenen Toten dann sehr schnell.

Viele Vermisste

Der Chef des Distrikts Ukerewe, George Nyamaha, sagte, an Bord seien mehr als hundert Menschen gewesen. Augenzeugen sprachen dagegen von mehr als 200 Menschen, die in Bugolora an Bord der Fähre gegangen seien – damit wäre das Fassungsvermögen des Schiffes um mehr als das Doppelte überschritten gewesen.

Die Betreiber, die Elektrik, Mechanik und Service Agentur, konnte keine genauen Angaben zur Zahl der Passagiere machen. Zudem hatte die «MV Nyerere» Säcke mit Mais, Bananen und Zement geladen.

«Ich habe weder von meinem Vater noch von meinen jüngeren Bruder etwas gehört, die auf der Fähre waren», sagte Domina Maua, die ihre Angehörigen vermisste. «Sie waren zum Markt in Bugolora gefahren, um eine Schuluniform und andere Sachen für das neue Schuljahr zu kaufen.»

Eine andere Frau hatte bereits eine Todesnachricht erhalten: «Mein Sohn ist unter den geborgenen Leichen. Er war mit seiner Frau unterwegs, aber sie ist bis jetzt nicht gefunden worden.»

Viertägige Staatstrauer

Tansanias Präsident John Magufuli äusserte sich «tief betroffen». Er rief seine Landsleute auf, «in diesen schwierigen Zeiten Ruhe zu bewahren», wie sein Sprecher Gerson Msigwa sagte. Die Opposition warf der Regierung «Nachlässigkeit» vor.

Bis Freitagabend konnten 136 Todesopfer geborgen werden, wie Magufuli im staatlichen Fernsehen sagte. «Aber es ist klar, dass im Rumpf des Schiffes weitere Leichen sind», sagte er. Nach ersten Schätzungen waren mehr als 300 Menschen an Bord, die exakte Zahl war aber zunächst nicht bekannt. Rund 100 Menschen wurden am Donnerstag gerettet. Um der Opfer zu gedenken, ordnete Magufuli eine viertägige Staatstrauer am Freitag an.

Papst spricht Beileid aus

Papst Franziskus äusserte sich zutiefst traurig über die Katastrophe auf dem Victoriasee. Er drücke seine aufrichtige Solidarität mit denjenigen aus, die um ihre Liebsten trauern und um die noch vermissten Menschen bangen, teilte der Vatikan mit. Uno-Generalsekretär António Guterres sprach den Angehörigen der Opfer, der Regierung und den Bürgern des Landes sein Beileid aus.

Auf dem Victoriasee ereigneten sich bereits mehrere schwere Schiffsunglücke. Überladung ist dabei immer wieder eine der Ursachen. Im Jahr 1996 etwa waren beim Untergang einer Fähre im tansanischen Teil des Sees schätzungsweise tausend Menschen ertrunken.

Mit einer Fläche von rund 68'800 Quadratkilometern ist der Victoria-See einer der grössten Seen der Erde. Er liegt zwischen Tansania, Kenia und Uganda.

sda/afp/nag/chk/sep

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