Sonst droht ein Flächenbrand

Sabotageakte, Drohnenangriffe und Drohungen: Im Iran-USA-Konflikt ist die Stunde der Provokateure angebrochen. Das ist hochgefährlich.

Die USA haben mehr Kriegsgerät in die Konfliktregion verlegt: Übung auf einem Flugzeugträger der Navy.

Die USA haben mehr Kriegsgerät in die Konfliktregion verlegt: Übung auf einem Flugzeugträger der Navy. Bild: Reuters

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Es gibt Sabotageakte gegen Öltanker, für die bislang niemand die Verantwortung übernimmt, und es gibt Drohnenangriffe auf eine saudische Pipeline, hinter denen offenkundig die jemenitische Huthi-Miliz steckt.

Die USA haben klargemacht, dass sie Teheran auch Handlungen von nicht staatlichen Gruppen zurechnen, die mit dem Iran verbündet sind. Die Huthis stehen, anders als etwa die Hizbollah, nicht unter direkter Kontrolle der iranischen Revolutionsgarden. Bei einigen schiitischen Milizen im Irak oder in Syrien sieht das aber schon anders aus.

Auch bei der Bedrohung, die von solchen Gruppen für amerikanische Truppen und Interessen sowie für US-Verbündete in der Region ausgeht, gibt es offenkundig unterschiedliche Wahrnehmungen. Während die Amerikaner die Alarmstufe für ihre Militäreinheiten erhöhen und nicht zwingend erforderliches Botschaftspersonal abziehen, sagt der britische Kommandeur der von den USA geführten Allianz gegen die Terrormiliz Islamischer Staat öffentlich, es gebe keine erhöhte Bedrohung in Syrien oder im Irak.

Seit dem mit Lügen gerechtfertigten Einmarsch im Irak 2003 haben die USA ihren Status in der Region verloren.

Entweder gibt es erhebliche Kommunikationsprobleme zwischen den wichtigsten Mitgliedern der Allianz – oder fundamental unterschiedliche Bewertungen. Oder jemand versucht, Informationen zu politischen Zwecken zu instrumentalisieren.

Jedenfalls sieht all das nicht nach einer soliden Rechtfertigung für militärische Gewalt durch die USA aus. Das ist die Lehre aus dem Irak-Krieg 2003, der auf Lügen gebaut war und der die massgebliche Ursache ist für das Chaos im Nahen Osten und das Erstarken des Iran.

Die Drohung der Amerikaner, auf jeden Angriff mit Entschlossenheit auch militärisch zu reagieren, soll den Iran abschrecken. Zugleich liefern damit aber Leute wie der Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, John Bolton, anderen Staaten in der Region, die es gerne sähen, wenn die Amerikaner den Iran in die Schranken wiesen, ein Motiv, Zwischenfälle herbeizuführen. Bislang gibt es dafür keine belastbaren Hinweise. Ebenso wenig gibt es sie aber für eine direkte Verantwortung des iranischen Regimes für die jüngsten Zwischenfälle.

Allerdings legt es auch der Iran nicht darauf an, einen Konflikt zu vermeiden. In triumphalem Ton berichten Staatsmedien über die Huthi-Attacke. Tatsächlich muss sich auch Europa fragen, ob man bei aller Ablehnung des Krieges, den Saudiarabien im Jemen führt, nicht viel zu lange viel zu nachgiebig war. Als die Huthis ballistische Raketen auf das Passagierterminal des Flughafens von Riad feuerten oder auf andere zivile Ziele in Saudiarabien, hat das kaum mehr als Schulterzucken zur Folge gehabt.

Auch der Angriff auf die Tanker wird in Teheran doppeldeutig kommentiert. Offiziell verurteilt ihn die Regierung, zugleich sprechen Abgeordnete von einem Beleg, wie brüchig die Sicherheit am Golf sei. So redet niemand, der Krieg abwenden will.

Der Oberste Führer Ali Khamenei verkündet, es werde keinen Krieg geben, weil die Amerikaner wüssten, dass dies nicht in ihrem Interesse sei. Er wähnt den Iran in einer Position der Stärke und gibt einen Freibrief, die Amerikaner und ihre Verbündeten weiter herauszufordern.

Was ein neuer Krieg in der Region bedeuten würde: Ein Flächenbrand vom Golf bis ans Mittelmeer.

Selbst Beweise für die direkte Beteiligung des Iran an den Vorfällen der vergangenen Tage wären aber nicht ausreichend, um eine ausgewachsene Militäraktion zu begründen. Die Reaktion müsste verhältnismässig sein.

Da hat der US-Botschafter in Riad, John Abizaid, die richtige Linie skizziert: Es müsse vernünftige Antworten geben, die keine Kriegshandlungen sein sollten, sagte er. Abizaid war von 2003 bis 2007 Oberbefehlshaber der US-Truppen im Nahen Osten. Der Mann weiss, was ein neuer Krieg in der Region bedeuten würde: Zwar aller Wahrscheinlichkeit keine Invasion in den Iran wie 2003 im Irak, aber einen Flächenbrand vom Golf bis ans Mittelmeer.

Erstellt: 15.05.2019, 13:41 Uhr

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