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Uefa überprüft militärische Geste türkischer Spieler

Nach dem Match gegen Albanien verkündete der türkische Fussballverband, den Sieg den «tapferen Soldaten und Märtyrern» zu widmen.

Türkische Spieler salutieren nach dem Tor gegen Albanien. Bild: Huseyin Aldemir/Reuters
Türkische Spieler salutieren nach dem Tor gegen Albanien. Bild: Huseyin Aldemir/Reuters

Der entscheidende Treffer fiel in den letzten Spielsekunden – und die Art und Weise wie das Tor fiel, passte zu diesem von vielen harten Zweikämpfen durchzogenen, emotional aufgeladenen EM-Qualifikationsspiel der Türkei gegen Albanien. Der etwas zu weite, hohe Ball des eingewechselten Irfan Kahveci verwickelte Albaniens Keeper Strakosha in einen Zweikampf mit seinem eigenen Mitspieler, den, nachdem sie sich gegenseitig abgeräumt hatten, beide verlieren sollten. Der türkische Stürmer Cenk Tosun köpfte freistehend zum Sieg ein.

Es folgte frenetischer Jubel auf den Istanbuler Rängen und auf dem Rasen, wo der Torschütze von seinen Mitspielern unter einer wachsenden Jubeltraube begraben wurde. Ein wichtiger Sieg. Die Türkei liegt in der Qualifikationsgruppe punktgleich mit Weltmeister Frankreich auf Platz eins. Am Montag treffen beide Mannschaften in Paris aufeinander.

Aus dem wilden Jubelknäuel entstand schnell eine streng geordnete Linie aus Spielern. In Reih und Glied standen sie auf einmal da, aufrechte Haltung, salutierend in Richtung Ehrentribüne. Offensichtlich war die Geste ein militärischer Gruss, der Solidarität mit dem türkischen Militär und dessen Offensive auf die kurdischen Gebiete in Nordsyrien symbolisieren soll.

Den Verdacht prüft nun auch die Europäische Fussball-Union Uefa. Das bestätigte ein Uefa-Sprecher der italienischen Nachrichtenagentur ANSA. «Ich habe die Geste, die zweifellos als Provokation gedeutet werden kann, nicht gesehen», sagte der Uefa-Pressechef Philip Townsend: «Politische Äusserungen sind in den Regularien aber verboten. Deshalb werden wir dem Verdacht definitiv nachgehen.»

Nach dem Sieg postete der türkische Verband zudem ein Bild auf Instagram und Twitter. Darauf sind die Spieler zu sehen, wie sie in der Kabine einen Militärgruss vollziehen «und den Sieg den tapferen Soldaten und Märtyrern widmen», wie unter dem Bild geschrieben steht.

Torschütze Cenk Tosun postete das Bild des Jubels ebenfalls auf Instagram. «Für unsere Nation, vor allem für diejenigen, die für unser Land ihr Leben riskieren», schrieb Tosun dazu.

Konsequenzen muss auch Cenk Sahin vom FC St. Pauli fürchten. Er postete über seinen privaten Instagram-Account ebenfalls eine an das türkische Militär gerichtete Solidaritätsbekundung: «Wir sind an der Seite unseres heldenhaften Militärs und der Armeen. Unsere Gebete sind mit euch!»

Unter den Sankt-Pauli-Anhängern fand dieser Post erwartungsgemäss wenig Anklang. «Wir fordern den Verein auf, Cenk Sahin am heutigen Freitag, den 11. Oktober, zu entlassen!», reagierten die St.-Pauli-Ultras auf Sahins Äusserungen. In einer Pressemitteilung distanzierte sich der Verein am Freitag von Sahins Post und erklärte, dass die Thematik intern aufgearbeitet werde und beendete die Mitteilung mit den Worten: «Nie wieder Krieg!»

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