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Unglücksbrücke unterlag besonderen Sicherheitsauflagen

Nach der Tragödie in Genua hat sich die EU-Kommission zu Wort gemeldet. Sie weist Vorwürfe von Italiens Innenminister zurück.

Das schwere Unglück: Die Autobahnbrücke bricht in der Stadt im Nordwesten Italiens ein. (Video: Tamedia)

Die eingestürzte Autobahnbrücke in Genua war Teil eines europäischen Fernstrassennetzes und unterlag deshalb besonderen Prüf- und Sicherheitsauflagen der EU. Dies stellte die EU-Kommission am Donnerstag klar. Verantwortlich für die Umsetzung seien die italienischen Behörden.

Die Brücke ist Teil des sogenannten TEN-T-Netzes, das schnelle Verbindungen innerhalb der ganzen EU sichern soll. Die besonderen Sicherheitsvorgaben sind in einem eigenen Regelwerk festgeschrieben. «Die Sicherheit muss entsprechend den Vorgaben der EU-Richtlinie über ein Sicherheitsmanagement für die Strassenverkehrsinfrastruktur sichergestellt, überprüft und wenn nötig verbessert werden», betonte ein Kommissionssprecher. Bei privatisierten Strassen sei der Betreiber zuständig.

Die Kommission wies abermals Aussagen des italienischen Innenministers Matteo Salvini zurück, wonach Brüsseler Sparvorgaben für die marode Infrastruktur des Landes mitverantwortlich sein könnten. EU-Staaten könnten politische Prioritäten im Rahmen der geltenden Haushaltsregeln selbst festlegen, wiederholte der Sprecher.

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Video: Fahrt über die Morandi-Brücke

Das Video zeigt eine Autofahrt über das Polcevera-Viadukt im Jahr 2012. Die eingestürzte Stelle ist bläulich eingefärbt. (Video: SDA/Tamedia)

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In Genua werden zwei Tage nach dem Brückeneinsturz mit mindestens 38 Toten noch etliche Menschen unter den Trümmern vermutet. «Es könnte noch 10 bis 20 vermisste Personen geben», sagte der leitende Staatsanwalt Francesco Cozzi laut Nachrichtenagentur Ansa am Donnerstag in der italienischen Hafenstadt.

Präfektur spricht von 38 Toten

Angesichts der verstrichenen Zeit sei es «wenig wahrscheinlich, Überlebende zu finden», zitierte Ansa den Regionalpräsidenten Giovanni Toti. Während eines Unwetters war am Dienstag ein Abschnitt des viel befahrenen Polcevera-Viadukts eingestürzt und hatte viele Fahrzeuge in die Tiefe gerissen. Die Angaben zur Länge des eingebrochenen Stücks variierten zwischen 100 und 250 Metern. Am Donnerstag verlautete aus verlässlicher Quelle, dass es sich um eine Länge von rund 180 Metern handelte.

Die Präfektur korrigierte laut Ansa am Donnerstag die Zahl der offiziell bestätigten Toten auf 38. Für sie soll es am Samstag ein Begräbnis geben und dann auch eine Staatstrauer gelten. Unter den Opfern sind mindestens drei Minderjährige im Alter von 8, 12 und 13 Jahren. 15 Menschen sind der Präfektur zufolge verletzt, 9 von ihnen befinden sich noch immer in einem kritischen Zustand.

Die Rettungskräfte setzten am Donnerstag die schwierige Suche nach Vermissten fort. Unterdessen verschärfte die Regierung ihre Vorwürfe gegen den Autobahnbetreiber Autostrade per l'Italia. Sie sieht die Verantwortung für die Katastrophe bei dem Unternehmen und will ihm die Lizenz für die Strasse entziehen.

SDA/fal

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