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US-Spähprogramme vorläufig ausgelaufen

Der US-Geheimdienst NSA muss vorerst auf die umstrittene Speicherung von Telefonmetadaten von US-Bürgern verzichten. Der US-Senat konnte sich in der Nacht zum Montag nicht auf eine Verlängerung der zeitlich befristeten Spähprogramme zur Terrorbekämpfung einigen.

Rechen- und Datenzentrum der National Security Agency (NSA) in Utah: Der US-Geheimdienst muss Teile seiner Ausspähprogramme herunterfahren, weil sich der US-Senat nicht auf eine neue Gesetzesgrundlage geeinigt hat (Archiv)
Rechen- und Datenzentrum der National Security Agency (NSA) in Utah: Der US-Geheimdienst muss Teile seiner Ausspähprogramme herunterfahren, weil sich der US-Senat nicht auf eine neue Gesetzesgrundlage geeinigt hat (Archiv)
Keystone

Der Senat hatte sich weder auf eine Verlängerung der bisherigen befristeten Massnahmen noch auf eine Reform der NSA-Arbeit einigen können. Die Programme liefen daher automatisch um Mitternacht (Ortszeit/0600 Uhr MESZ) aus. Allerdings steuert die kleinere Kongresskammer nun auf ein NSA-Reformgesetz zu, das sich an einen vorausgegangenen Beschluss des Abgeordnetenhauses anlehnt. Damit könnte die NSA - wenn auch stark begrenzt - schon bald wieder Zugriff auch Metadaten erhalten. Programme der Bundespolizei FBI, die ebenfalls mehrere spezielle Befugnisse bei Terrorismus-Ermittlungen verlor, würden uneingeschränkt wieder aufgenommen. Abstimmung am Dienstag Ein Votum des Senats wird frühestens für Dienstag erwartet. Weicht die dann von ihm beschlossene Vorlage von der des Abgeordnetenhauses - dem sogenannten USA Freedom Act - ab, müsste dann wiederum die grössere Kongresskammer über den veränderten Entwurf abstimmen. Die NSA hatte bereits am Sonntagnachmittag damit begonnen, ihr Metadaten-Programm herunterzufahren. Folgt der Senat der Vorlage des Abgeordnetenhauses, würden die Informationen künftig bei privaten Telefongesellschaften gespeichert. Die NSA könnte sie nur von Fall zu Fall abrufen und bräuchte dafür eine Genehmigung. Folge der Snowden-Enthüllungen Die bisherigen Massnahmen sind Kernpunkte des Patriot Act, der nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 beschlossen wurde. Das zeitlich befristete Gesetzesbündel war in der Vergangenheit wiederholt ohne Probleme verlängert worden. Nachdem Whistleblower Edward Snowden aber 2013 das enorme Ausmass der NSA-Vorratsdatenspeicherung enthüllt hatte, wurden Rufe nach einer Beschneidung der Befugnisse des Geheimdienstes laut. Auch US-Präsident Barack Obama macht sich dafür stark und hat den Senat wiederholt zum Handeln aufgerufen, um ein ersatzloses Auslaufen der Programme zu verhindern. In einer am Sonntagabend veröffentlichten Erklärung würdigte das Weisse Haus die jetzt begonnene Senatsdebatte über das Reformgesetz als wichtigen, wenn auch späten Schritt vorwärts. Uneinigkeit bei Republikanern Dass der Senat so lange zögerte, liegt an Differenzen im republikanischen Lager. Während sich Mehrheitsführer Mitch McConnell für eine unveränderte Verlängerung der bisherigen Massnahmen einsetzte, beharrte eine Gruppe um den libertär-konservativen Senator Rand Paul auf ein ersatzlosen Auslaufen. Sie sieht in den Programmen einen unzulässigen Eingriff in die Freiheitsrechte. Um sicherzustellen, dass zum Schutz vor Terroristen zumindest begrenzt weiter gespäht werden kann, sprach sich McConnell am Sonntagabend schliesslich widerwillig für den Reformentwurf des Abgeordnetenhauses aus - wenn auch mit einigen leichteren Abänderungen. Senator Paul, ein Präsidentschaftsbewerber für die Wahl 2016, verhinderte durch seinen Einspruch aber ein Votum noch am Sonntagabend.

SDA

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