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Vorsicht, er ist verkabelt

Wie es der lange Name vermuten lässt, wurde allerlei in den Cooper S E Countryman All4 hineingepackt. Der erste Mini mit Plug-in-Hybrid ist ein vielseitiges Familienauto in verspielter Erscheinung, das Ökologie und Sportlichkeit recht unverblümt vermischt.

Wo man hinschaut, glänzt das Chrom, die Kulleraugen blicken freundlich. Und starrt man zu lange in die Rückleuchten mit ihrem LED-3-D-Effekt, grüsst Kaa, die Schlange mit den hypnotischen Augen aus dem «Dschungelbuch». Die Beschreibung macht es deutlich: Unser Testwagen, genannt Cooper S E Countryman All4, ist ein typischer Mini, mit viel Schnickschnack veredelt. Auffällig und stylish für die einen, überladen für die anderen.

Was nur Kenner auf den ersten Blick sehen: Dieser Mini ist auch ein Pionier. Gelbe Applikationen wie ein S im Frontkühler oder der Start-Kippschalter im Interieur deuten es an: Er ist verkabelt. Der Countryman S E ist der erste Plug-in-Hybrid der Markengeschichte. Und weil der Elektromotor, wenn er allein arbeitet, die Hinterachse antreibt, darf er gleichzeitig auch als erster Hecktriebler der Mini-Ära gelten.

Zu viel sollte man sich von dieser letzten Qualifizierung aber nicht versprechen. Der Elektromotor ist mit 88 PS zwar kein Couch-Potato, und der E-Modus lässt Tempi bis 125 km/h zu. Aber der rein elektrische Betrieb ist eher aufs Mitschwimmen im Verkehr ausgelegt. Die 42 Kilometer Normreichweite sind auch so kaum herauszufahren. In unserem Zweiwochentest schaffen wir jeweils zwischen 20 und 30 Kilometer, eine Distanz, die, das zeigen Studien, allerdings für die meisten Berufspendler ausreicht. Aufgeladen ist der Mini zügig, in zweieinviertel Stunden an der Wallbox, in dreieinviertel an einer Haushaltsteckdose.

Der E-Betrieb ist aber nur das eine Gesicht dieses Mini. Im kombinierten Betrieb, also im Hybridmodus, wirkt der Elektromotor nämlich nicht nur als spritsparende Anfahrtsüberbrückung, er beteiligt sich auch als Booster am Vortrieb, wie man es heute aus einigen Rennserien kennt. Der Countryman S E hat damit ein recht unwirsches Ansprechverhalten. Dass er nicht zum Pässeräuber wird, liegt einzig am Gewicht und den Abmessungen. Mit 4,3 mal 1,82 Metern ist der Countryman der mit Abstand grösste Mini im Stall.

Über den Verbrauch lässt sich letztlich wenig Aufschlussreiches sagen. Er hängt, wie immer bei Plug-in-Hybriden, von den Fahrstrecken ab. Und die Ökologie steht und fällt mit dem bezogenen Strom. Mini gibt den Durchschnittsverbrauch mit 2,5 Litern an. Wie gesagt, auf den ersten 20 Kilometern sind es bei voller Ladung 0 Liter. Ist der Batteriestand tief, nimmt sich der Mini im Hybridmodus dagegen über 6 Liter. Damit ist auf längeren Fahrten also zu rechnen.

Ebenfalls typisch für dieses boomende Antriebssegment sind die hohen Anschaffungspreise. Beim Countryman S E geht es bei 44'300 Franken los, und nach oben ist wie immer bei der BMW-Tochter Mini viel Luft. 60'000 Franken sind bald erreicht, wenn man sich für die Ledersitze, das Infotainmentpaket und dergleichen mehr entscheidet.

Das Resultat indes kann sich sehen lassen. Das Interieur ist hochwertig, freundlich und modern. Die Extravaganzen haben zuletzt abgenommen. Noch immer gibt es das grosse, tellerförmige Rundinstrument in der Mitte, aber das Display darin kommt im Breitbildformat, mit ansprechenden Grafiken. Mini-typisch sind die hübschen Kippschalterreihen. Aber auch der Tacho, der auf der Lenkradstange sitzt und sich mit ihr mitbewegt – vielleicht der letzte Anachronismus im Mini-Interieur.

Auch Platz ist reichlich vorhanden. Erwachsene sitzen selbst hinten bequem, 450 bis 1390 Liter fasst der Kofferraum, weder das Label Mini noch das Hybridkonzept schränken den Käufer des Countryman S E ein. Dass Mini als Erstes sein grösstes Modell elektrifiziert hat, mag so gesehen einleuchten. Es hat aber auch ökonomische Gründe. Der Countryman teilt sich die Plattform mit dem BMW 2er Active Tourer, den es ebenfalls als Plug-in-Hybrid gibt. Von beiden Autos ist der Mini ohne Frage die pfiffigere Wahl.

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