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Protestaktion gegen AbschiebungBäcker tritt für Lehrling in den Hungerstreik

Kurz vor seinem Lehrabschluss soll ein 18-Jähriger aus Frankreich abgeschoben werden. Sein Chef protestiert – und setzt dabei seine Gesundheit aufs Spiel.

Hungert für seinen Lehrling: Der französische Bäckermeister Stéphane Ravacley in seiner Bäckerei in Besançon.
Hungert für seinen Lehrling: Der französische Bäckermeister Stéphane Ravacley in seiner Bäckerei in Besançon.
Foto: Sebastien Bozon (AFP)

«Ich werde nicht aufhören, bis ich etwas erreicht habe», sagt der Bäcker Stéphane Ravacley der Nachrichtenagentur AFP. Der 50-Jährige, der im ostfranzösischen Besançon eine Bäckerei betreibt, will durch einen Hungerstreik die Abschiebung seines Lehrlings verhindern.

Seit 2019 befindet sich der nun 18-jährige Laye Fodé Traoré bei ihm in der Ausbildung. Der aus Guinea stammende Bäckerlehrling war als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Frankreich gekommen. Im Alter von 16 Jahren hatte er von Libyen aus das Mittelmeer mit einem Schlauchboot überquert. In Italien angelangt, nahm er wahllos einen Zug, der ihn schliesslich nach Frankreich brachte.

Da er inzwischen volljährig ist, muss er nach Angaben der Behörden in seine westafrikanische Heimat zurückkehren. Diese Entscheidung kann Ravacley nicht nachvollziehen – und greift zu drastischen Mitteln. Nach eigenen Angaben hat er seit Sonntag Mitternacht keine Nahrung mehr zu sich genommen. «Mein Arzt hat mir gesagt, dass ich in schlechter Verfassung bin», sagt der Bäckermeister, der nach eigenen Angaben in den vergangenen drei Jahren drei Lungenembolien erlitt. «Aber das ist mir egal.»

Wollen nicht aufgeben: Ravacley und sein Bäckerlehrling Traoré.
Wollen nicht aufgeben: Ravacley und sein Bäckerlehrling Traoré.
Foto: Change.org

Auch Bürgermeisterin setzt sich ein

Er sei ein «guter Junge», sagt Ravacley der Nachrichtenagentur AFP. Der Lehrling stehe um drei Uhr morgens auf, nehme an seinen Ausbildungskursen teil und habe Französisch gelernt. Im Juni würde er eigentlich seinen Abschluss machen.

Traoré hat beim Verwaltungsgericht Berufung eingelegt, um gegen seinen Abschiebebescheid vorzugehen und einen Aufenthaltstitel zu erlangen. Anne Vignot, Bürgermeisterin von Besançon, setzt sich ebenfalls für den Lehrling ein. In einem Brief an Innenminister Gérald Darmanin schreibt sie, eine Abschiebung «dieses künftigen Bäckers ist nicht nachvollziehbar».

Bäckermeister Ravacley hat mittlerweile auf der Website change.org eine Petition für seinen Lehrling gestartet. Diese wurde bereits von rund 140’000 Unterstützern unterschrieben.

AFP/lif

21 Kommentare
    Markus Bächtold

    Selbstverständlich wäre auch dieser illegale Migrant wieder in sein Heimatland abzuschieben in einem Rechtsstaat. Doch sollte man ihn den Lehrabschluss bis im Juni noch machen lassen. Und danach kann er, mit seinem Diplom und erworbenem Wissen, in seinem Heimatland Positives bewirken.

    Bloss zutreffend, logisch und dem (unzensierten) gesunden Menschenverstand entsprechend. Und das beinhaltend, was offenbar bereits niemand mehr offen auszusprechen wagt, bezw. hier durch die 'Wahrheitskommission' (lesen Sie dazu mal 'Orwell 1984' oder 'Animal Farm') offenbar fortgesetzt zensiert und über 'fake-dislikes' wird. Klar totalitäre Tendenzen manipulativ gesteuerter 'Meinungsbildung'.