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Maskenpflicht wird ignoriert«Wir haben rund 2000 Personen angesprochen»

Nachdem die Maskenpflicht am Freitagabend in der Steinenvorstadt weitgehend ignoriert wurde, erhöhte die Polizei ihre Präsenz am Samstag sichtlich.

Der Bereich vor der Soho-Bar in der Steinenvorstadt erweist sich als Nadelöhr – hier kann es zu Menschenansammlungen kommen.
Der Bereich vor der Soho-Bar in der Steinenvorstadt erweist sich als Nadelöhr – hier kann es zu Menschenansammlungen kommen.

Freitagabend, 21.30 Uhr: Vor dem bevorstehenden Teil-Lockdown geht Basel nochmals aus. Die Bar- und Restaurantterrassen in der Steinenvorstadt sind gut besetzt, in einigen Fällen bis auf den letzten Platz. Zwischen den am linken und rechten Strassenrand aufgestellten Tischchen und Stühlen ziehen Menschentrauben durch die Strasse: Grüppchen von drei, vier, manchmal auch fünf oder sechs zumeist jungen Leuten.

Man hört vor allem Schweizerdeutsch, aber auch auffällig oft Französisch – ein Hinweis darauf, dass Franzosen aus dem grenznahen Ausland hier ihren Spass suchen, da Gastrobetriebe in Frankreich Pandemie-bedingt schon länger geschlossen haben. Selbiges gilt für Besucher aus dem Südbadischen: Porsches, Audis und andere Boliden mit deutschen Kennzeichen kurven auf dem nahen Birsig-Parkplatz herum.

Das Plakat mit dem Hinweis auf das Maskenobligatorium wird in der Steinen wenig bis mässig beachtet.
Das Plakat mit dem Hinweis auf das Maskenobligatorium wird in der Steinen wenig bis mässig beachtet.
Foto: Simon Bordier

Das kühle, neblige Wetter scheint die Ausgehwilligen nicht abzuschrecken: Basel, der letzte Hort im Dreiländereck für Nachtschwärmer, wird als solcher genutzt. Wohl auch im Wissen darum, dass der Spass von nicht allzu langer Dauer ist. Zum einen gilt in Basel ab 23 Uhr ein Ausschankverbot. Zum anderen werden – nach Deutschland und Frankreich – auch im Stadtkanton ab kommendem Montag Bars und Restaurants für mindestens drei Wochen schliessen müssen, wie der Regierungsrat am Freitag erklärte.

Die Steinenvorstadt fällt nicht zum ersten Mal als Partyhotspot auf. Vergangenen Samstag, am 14. November, hatte mildes Herbstwetter noch mehr Leute in die Steinenvorstadt gelockt als diesen Freitag – so viele, dass die Abstandsregeln teilweise frappant missachtet wurden.

Zudem hielten sich die Passanten kaum an die Maskenpflicht, die gemäss Bundesverordnung in «belebten Fussgängerbereichen» gilt. Inzwischen haben die Basler Behörden Plakate aufgestellt mit dem klaren Hinweis: «Auch hier draussen gilt Maskenpflicht.» Basels Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger hat des Weiteren am Freitag bei der Verkündung des Teil-Lockdowns betont, dass es das Maskenobligatorium ernst zu nehmen gelte und dieses Wochenende mit verstärkten Polizeikontrollen zu rechnen sei.

Menschentrauben ziehen durch die Steinenvorstadt. Das Masketragen wäre angezeigt – doch systematische Polizeikontrollen gibt es zu dem Zeitpunkt keine.
Menschentrauben ziehen durch die Steinenvorstadt. Das Masketragen wäre angezeigt – doch systematische Polizeikontrollen gibt es zu dem Zeitpunkt keine.
Foto: Simon Bordier

Davon ist am Abend indes kaum etwas zu merken. Bei unserem gut einstündigen Besuch – wir sind zwischen 21.30 Uhr und 22.45 Uhr in der Steinen – trägt nur etwa jeder Vierte oder Dritte eine Gesichtsbedeckung. Dabei ist die die Strasse sichtlich belebt: Gedrängte Menschenmassen sind zwar keine auszumachen, aber doch Grüppchen, die auch mal stehen bleiben, schwatzen und dabei die Passanten vor und hinter sich zwischenzeitlich aufhalten. Insbesondere der Bereich vor der Soho-Bar, wo Menschen Schlange stehend auf Einlass warten, erweist sich als Nadelöhr.

Gegen 21.30 Uhr entdecken wir in der Steinenvorstadt eine Polizeipatrouille, die zu Fuss in Richtung Barfüsserplatz zieht. Ansonsten halten sich die Beamten diskret im Hintergrund: Polizeifahrzeuge drehen rund um die Steinenvorstadt ihre Runden, ohne jedoch einzuschreiten. Systematische Kontrollen von Passanten ohne Masken beobachten wir keine. Auch die Absperrgitter, die wohl für den Fall, dass zu viele Personen in Basels Ausgehmeile strömen, vorsorglich am Strassenrand bereitgestellt wurden, bleiben an diesem Abend ungenutzt.

Gerappelt voll, aber mit Maske: Die Freie Strasse am Samstagnachmittag.
Gerappelt voll, aber mit Maske: Die Freie Strasse am Samstagnachmittag.
Bild: Nicole Pont

Samstagnachmittag, 15.00 Uhr: Die Leute bummeln wie gewohnt zahlreich durch die Freie Strasse. Im Gegensatz zum Vorabend jedoch ist die Maskendichte deutlich höher. Nur zwei Gruppen von Passanten halten sich auffällig oft nicht an die Regeln; Raucher und hungrige Passanten, die gerade Marroni oder einen Döner verspeisen. Weit kommen sie aber nicht, denn die Polizeipräsenz in der Freien Strasse ist an diesem Nachmittag immens.

Am Samstag war die Polizei deutlich präsenter als am Freitagabend.
Am Samstag war die Polizei deutlich präsenter als am Freitagabend.
Bild: Nicole Pont

Innerhalb von einer Stunde sehen wir drei verschiedene Polizeipatrouillen. Eine davon im Kastenwagen, zwei zu Fuss. Aufmerksam durchstreifen letztere die Freie Strasse in Richtung Bankverein und fangen jeden ab, der keine Maske trägt. Höflich, aber bestimmt fordern sie die Leute auf, sich an die Maskenpflicht zu halten. In den meisten Fällen reagieren die Leute erstaunt: «Ach, die gilt auch hier draussen?», fragt ein junger Mann mit Kaputzenpulli völlig perplex. Viele scheinen zwar zu wissen, dass die Pflicht in den Läden gilt, haben aber die Erweiterung auf belebte Fussgängerzonen nicht mitbekommen.

Polizeisprecher Toprak Yerguz bestätigt diesen Eindruck: Insgesamt habe die Polizei am Samstag «rund 2000 Passanten angesprochen. Der Hinweis wurde von den häufig ahnungslosen Passanten angenommen und die Maske angezogen.» Nur selten habe das Gespräch länger als einen kurzen Wortwechsel gedauert. «In einem Fall kam eine renitente Person in der Greifengasse weder der Maskentragepflicht nach, noch verliess sie nach Anweisung der Kantonspolizei die Örtlichkeit.» Diese Person werde nun verzeigt. Am Samstagabend habe man ausserdem eine private Party «wegen Nicheinhaltens der Massnahmen» auflösen und zwei Lokale nach 23.00 Uhr an die geltenden Öffnungszeiten erinnern müssen. Die Betreiber der beiden Lokale müssen ebenfalls mit Verzeigungen rechnen.

Auch in der Steinenvorstadt wurde am Samstagabend härter durchgegriffen. Die Polizei postierte sich gemäss Yerguz «ab ca. 19.30 bis 23 Uhr deutlich sichtbar bei den Zugängen zur Steinenvorstadt» und wies auch dort auf die Maskenpflicht hin.

68 Kommentare
    Walter P.

    Wenn die Grenzgänger den ganzen Tag hier arbeiten,womöglich im Rest. essen gehen,abends das Bierli nehmen oder gar einkaufen und dann zurück fahren ist es doch unmöglich eine Kontrolle zu haben. Haben die Grenzgänger den Virustest dabei? Wenn man hart gegen den Virus kämpfen will so muss man wieder die Grenzen schliessen (aber total...) und erst dann einen Lockdown einführen. Alles andere Getue bringt gar nichts. Entweder man reagiert brutal oder lässt es sein. Ich weiss es tönt sehr radikal, aber es wäre der einzige Weg den Virus einzudämmen. Aber Grenze, Geschäfte,Restaurants etc. zu schliessen kommt ja nicht in Frage....also weiter wursteln und auf den Impfstoff hoffen...(warten). Dass dann viele nicht mehr hier sein werden ist halt Schicksal....oder?