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Behandlung von Covid-19Bei schweren Verläufen hilft Remdesivir nicht

An mehr als 11'000 Patienten hat die WHO vier potenzielle Mittel gegen Covid-19 untersuchen lassen. Die Erkenntnisse sind ernüchternd.

Behandlung von Covid-19: Remdesivir kann die Gefahr zu sterben oder eine künstliche Beatmung zu benötigen, nicht oder nur minimal abwenden.
Behandlung von Covid-19: Remdesivir kann die Gefahr zu sterben oder eine künstliche Beatmung zu benötigen, nicht oder nur minimal abwenden.
Foto: Zsolt Czegledi (Keystone)

Während die Corona-Zahlen weltweit steigen, meldet die Weltgesundheitsorganisation WHO ernüchternde Zwischenergebnisse ihrer Medikamententests. Keines der vier untersuchten Medikamente – Remdesivir, Hydroxychloroquin, Lopinavir und Interferon beta – konnte Krankenhauspatienten mit Covid-19 im nennenswerten Mass helfen.

Die Wirkstoffe konnten die Gefahr zu sterben oder eine künstliche Beatmung zu benötigen, nicht oder nur minimal abwenden. Sie verkürzten auch den Klinikaufenthalt nicht. Getestet wurden die Mittel an mehr als 11'000 Krankenhauspatienten in 30 Ländern. Die Studie mit dem Namen Solidarity Therapeutics Trial ist noch nicht von unabhängigen Fachleuten begutachtet worden.

Wissen, was nicht hilft

Die enttäuschenden Ergebnisse zum Malariamittel Hydroxychloroquin und dem HIV-Medikament Lopinavir sind nicht überraschend; beide hatten sich bereits in anderen Studien als wirkungslos erwiesen.

Das ursprünglich gegen Ebola entwickelte Remdesivir hatte dagegen zuvor gezeigt, dass Covid-Patienten etwa 30 Prozent weniger Zeit benötigen, um zu genesen. Die Gesamtzeit bis zur Erholung wurde im aktuellen WHO-Versuch nicht untersucht; sie steht mithin nicht in Frage. Allerdings hatte es auf Basis vorheriger Studien Hinweise gegeben, dass Remdesivir auch das Risiko reduzieren könnte, an einer Covid-Erkrankung zu sterben. Dieser Nutzen konnte im aktuellen Test nicht bestätigt werden.

Auch auf Interferon beta, das gegen schwere virale Erkrankungen eingesetzt wird, hatten Fachleute Hoffnungen gesetzt. Kleinere Studien hatten darauf hin gedeutet, dass Behandelte sich schneller erholen und weniger häufig einen schweren Verlauf oder Tod erleiden. Diese Hoffnung konnte zumindest in der aktuellen Studie nicht erfüllt werden.

Bei all der Enttäuschung nennt Brian Oliver, Molekularbiologe der University of Technology Sydney, die Studie dennoch «unglaublich wichtig». Zu wissen welche Medikamente nicht helfen, sei essentiell, damit Ärzte auf wirkungsvolle wie Dexamethason zurückgreifen können. Das Steroid hatte in bisherigen Studien gezeigt, dass es Todesfälle bei einem signifikanten Teil der schwer erkrankten Covid-19-Patienten verhindern kann.

1 Kommentar
    Dani

    Das wissen wir seit längerem, dass Remdesivir nur am Anfang nützt. Denn es ist ein antivirales Mittel. Es reduziert die Anzahl Viren im Körper. Wenn die Viren bereits ihr Werk angerichtet haben und Zellen entzündet sind (z.B. die Lunge, das Herz, das Hirn) können Virostatika nichts mehr anrichten. Das ist auch die Krux jeden Antivirenmittels, wir erinnern uns an Tamiflu gegen Vogelgrippe: Wenn die Leute infiziert werden, weiss man nicht, ob sie einen schweren Verlauf nehmen werden. Und wir haben nicht genügend Remdesivir (und es wäre auch sehr teuer), wenn wir es jedem geben würde, auch Leuten, die jung und gesund sind und nur milde Symptome haben.