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ProbefahrtBei Skoda durfte es «es bizzeli mee si»

Mit dem Kamiq baut Skoda einen SUV auf der Basis von VW T-Cross und Seat Arona – mit ein paar Extrazentimetern, die sich die Volkswagen-Tochter teuer bezahlen lässt.

Der kleine Skoda-SUV blickt mit seinen schmalen LED-Scheinwerfern selbstgefällig wie ein zurechtgeföhntes Schosshündchen in die Welt.
Der kleine Skoda-SUV blickt mit seinen schmalen LED-Scheinwerfern selbstgefällig wie ein zurechtgeföhntes Schosshündchen in die Welt.
Foto: PD
Firlefanzfreies Cockpit in Schwarz und Grau mit viel bunter Konzernelektronik.
Firlefanzfreies Cockpit in Schwarz und Grau mit viel bunter Konzernelektronik.
PD
Das Fahrwerk ist eher den Kurven als dem Komfort zugetan.
Das Fahrwerk ist eher den Kurven als dem Komfort zugetan.
PD
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Beim Studium der Preisliste des Seat Kamiq müssen wir zweimal hinschauen. Tatsächlich: Die günstigste Version in der Schweiz startet bei 27'550 Franken. Das ist eine Stange Geld für einen SUV in der Subkompaktklasse, den es nur mit Frontantrieb gibt. Und vor allem ist es mehr als die Konzernbrüder kosten. So gibt es den Seat Arona für 17'850 Franken und den T-Cross der Muttermarke VW für 21'900 Franken. Die VW-Hierarchie steht scheinbar Kopf.

Natürlich sind diese Preise nicht ausstattungsbereinigt. Dann dreht das Bild. Aber es ist doch auffällig, dass die tschechische VW-Tochter, die als letzte im Dreierbund einen kurzen SUV lancieren durfte, diesen im Markt klar höher positioniert hat.

Schosshündchen-Blick

Weil es bei Skoda immer etwas extra gibt, ja geben muss fürs Geld, kommt der Kamiq im Vergleich zum T-Cross allerdings mit fünfzehn Zentimetern mehr Länge und einem um zehn Zentimeter gestreckten Radstand, was sich vor allem auf die Beinfreiheit der Fondpassagiere positiv auswirkt. Auf die verstellbare Rückbank, wie es sie im T-Cross serienmässig gibt, hat Skoda im Gegenzug kurzerhand verzichtet.

Die tschechische VW-Tochter, die mit dem Octavia derzeit komfortabel die Schweizer Verkaufsrangliste anführt, agiert immer selbstbewusster. Das spiegelt sich auch im Markengesicht. Der Testwagen mit den schmalen LED-Scheinwerfern und dazu kombinierten Nebelleuchten blickt selbstgefällig wie ein zurechtgeföhntes Schosshündchen in die Welt. Ab der Fronthaube folgt optisch Hausmannskost. Eine typische SUV-Linie. Und innen ein firlefanzfreies Skoda-Cockpit in Schwarz und Grau mit viel bunter Konzernelektronik.

Die üblichen Helferchen – für das automatische Abstandhalten, die Totwinkelüberwachung, das Parkieren mit zwei linken Händen – kauft man zusammen mit Navi, digitalem Cockpit und LED-Scheinwerfern zu einem räsonablen Preis dazu. Beim Testwagen kostet das Paket 2310 Franken. Diese Ausgabe ist Pflicht. Wer sich diese Systeme sparen will, sollte von Anfang an zu einem günstigeren SUV greifen.

Nicht zu schnell, aber fast zu munter

Was die Antriebspalette angeht, ist der Kamiq ein ziemlicher Langweiler. Als meistverkaufte Variante in der Schweiz drängt sich der 1-Liter-Dreizylinder mit 116 PS auf. Daneben gibt es einen Diesel mit 90 PS und das von uns gefahrene Topmodell mit dem 1,5-Liter-Vierzylinder mit 150 PS, das in 8,4 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt.

Was im Alltag eher auffällt, ist, dass das Siebengang-DSG den Motor selbst im Eco-Modus partout nicht in den Tourenkeller rutschen lässt. So wirkt der Kamiq sehr präsent, ja für unseren Geschmack fast einen Tick zu hektisch. Ähnlich ist das Bild bei dem Fahrwerk, das eher den Kurven als dem Komfort zugetan scheint. Der Verbrauch liegt mit 6,3 Litern laut Datenblatt und 6,2 im Test im tolerablen Rahmen. Die Schaltwippen am Lenkrad wären nicht nötig, auch die integralen Sportsitze zeugen von übertriebenen Ambitionen, sind aber bequem.

Unter dem Strich ist der Kamiq ein weiterer SUV aus dem Volkswagen-Konzern. Zum Skoda machen ihn wie immer die Details. Der bereits für andere Modelle lancierte Türschutz zum Beispiel, einer Art Plastikschiene, die beim Türöffnen automatisch aus dem Türrahmen ausfährt. Aber auch ganz banale Dinge wie der Umstand, dass es im Kamiq über allen äusseren Sitzen einen Haltegriff hat.

Dass der Testwagen mit Panoramaglasdach und einigen weiteren Annehmlichkeiten wie einer elektronischen Hecklappe oder einer Induktionsladestation fürs Handy am Ende knapp über 40'000 Franken zu Buche schlagen, geht so durchaus in Ordnung. Es ist wie beim Metzger. Wenns «es bizzeli mee si» darf, kostet es eben auch «es bizzeli mee».

Dass der Testwagen mit einigen Extras knapp über 40'000 Franken zu Buche schlägt, geht durchaus in Ordnung.
Dass der Testwagen mit einigen Extras knapp über 40'000 Franken zu Buche schlägt, geht durchaus in Ordnung.
Foto: PD