Rapperswil-Jona

«Beim Rennen kriege ich einen riesigen Adrenalinkick»

Raphael Strähl fliegt beim Drone Prix Rapperswil als Mitglied der «Swiss Black Kites». Auf das Rennen bereitet er sich akribisch vor.

Flug in die Zukunft: Rennen mit Drohnen bieten ein ganz spezielles Zuschauerspektakel.

Flug in die Zukunft: Rennen mit Drohnen bieten ein ganz spezielles Zuschauerspektakel. Bild: pd

Er ist ein 29-jähriger Physiotherapie-Student – und gehört zu den besten Drohnenpiloten der Schweiz. Zu seiner Leidenschaft kam Raphael Strähl eher zufällig. Für den Drone Prix in Rapperswil vom Donnerstag, 11., bis Sonntag, 14. Oktober hat er sich hohe Ziele gesetzt.

Wie laufen die Drohnenrennen in Rapperswil-Jona genau ab?
Raphael Strähl: Am Mittwoch trifft mein Team in der Stadt ein. An diesem Tag stehen Pressetermine auf dem Programm – fast wie bei einem Formel-1-Rennen. Am Donnerstag folgt das Training und am Freitagmorgen starten die Qualifikationsläufe. Freitagnachmittag und Samstagnachmittag finden dann die Rennen statt.

Worin liegt die Herausforderung der Rennen in Rapperswil-Jona?
Die Rennstrecke führt über Wasser. Das macht das Fliegen anspruchsvoller, weil die Flughöhe schwierig einzuschätzen ist. Ich sehe die Tore und Pylonen auf dem Wasser, das sind meine Referenzpunkte. Ich versuche gar nicht, daran zu denken: Bei einem Crash wäre die Drohne nämlich verloren.

Wie bereiteten Sie sich auf das Rennen in Rapperswil-Jona vor?
Wir bekommen die Streckeninfos und fliegen die Strecke mit einem Simulationsprogramm. Das Simulatorfliegen ist hilfreich, aber die gleiche Strecke real zu fliegen, ist eine ganz andere Geschichte. Deshalb bauen wir die ganze Strecke in echt nach, dabei geht es auch darum, die Technik der Drohnen an die Strecke anzupassen.

Das klingt ziemlich professionell.
Ja, wir sind ziemlich professionell unterwegs. Dreimal in der Woche sind wir am Üben, das ist schon zeitaufwendig. Für ein Rennen geht sowieso das ganze Wochenende drauf.

Verdienen Sie mit Drohnenrennen genug, um davon zu leben?
Nein. Das können nur ganz wenige Drohnenpiloten weltweit. Dazu braucht es hoch dotierte Sponsorenverträge. Ich erhalte von meinen Sponsoren kein Geld, sondern Materialunterstützung.

Wie sind Sie zum Sport gekommen?
Das hat mit Youtube-Videos angefangen. Ich fand, das sieht recht interessant aus. Im Frühling 2016 bin ich über Facebook auf die Schweizer Community gestossen – und da hat es mich plötzlich voll mitgerissen! Als ich den bekannten Piloten Marc Heiniger traf, beschloss ich, eines Tages so gut wie er zu fliegen.

Wie ging es weiter?
An der Schweizer Meisterschaft gewann ich 2016, und ein Jahr später wurde ich Europameister. Seit 2018 fliege ich bei den «Swiss Black Kites».

Ihr Team belegt vor dem Rennen in Rapperswil den siebten, zweitletzten Platz. Damit sind Sie wohl nicht zufrieden?
Natürlich nicht. In Rapperswil wollen wir unbedingt nach vorne fliegen. Wir werden für das Rennen eine neue Strategie erarbeiten und entsprechend trainieren.

Das ist die Strecke, die in Rapperswil geflogen werden wird. Quelle: Sketchfab.com

Wieso sind andere Teams momentan viel stärker?
Wir hatten im ersten Jahr unseres Bestehens viele Wechsel, ich bin der einzige Pilot unseres Teams, der bei allen fünf Rennen des Jahres geflogen ist. Zudem hatten wir an jedem Rennen einen anderen Teammanager. Jetzt muss unser Team zunächst zusammenwachsen.

Wie viele Rennpiloten gibt es in der Schweiz?
Rund 100. Davon etwa 20 Piloten mit ernsthaften Ambitionen. In Ländern wie Amerika, China oder Japan gibt es eine viel grössere Szene.

Ihre Sportgeräte sind keine handelsüblichen Drohnen aus dem Elektromarkt?
Stimmt. In der Drone Champions League fliegen wir mit speziellen, 780 Gramm schweren Drohnen, die sind doppelt so schwer wie übliche Renndrohnen. Bei Full Speed erreichen wir Geschwindigkeiten bis maximal 170 km/h.

Welche Schwierigkeiten ergeben sich durch das hohe Gewicht?
Es ist wichtig, dass man intelligent fliegt und möglichst viel Energie aus den Kurven mitnimmt. Manche pflegen einen eher runden Flugstil, andere fliegen hektischer.

Braucht es zum Fliegen von Rennen auch körperliche Fitness?
Ja. Sicher braucht es gute Fitness. Michael Isler, mein Teamkollege, und ich trainieren regelmässig Tennis. An einem Renntag stehen wir rund zwölf Stunden an der Strecke. Beim Rennen kriege ich einen Riesen-Adrenalinschub, die Herzfrequenz steigt und ich muss mich konzentrieren: Dafür muss man körperlich bereit sein.

Der Drone Prix Rapperswil beginnt am Donnerstag, 11. Oktober, und dauert bis Sonntag, 13. Oktober. Geflogen wird vom Schlosshügel Rapperswil aus. Programm unter www.dcl.aero. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 10.10.2018, 15:50 Uhr

Durch die Brille mit spezieller Technologie erlebt Raphael Strähl den Flug seiner Renndrohne, als würde er in einem Flugzeugcockpit sitzen. (Bild: pd)

Zur Person

Raphael Strähl wurde 1989 in Solothurn geboren. Er besuchte die Kantonsschule – wobei er im zweiten Jahr als Austauschstudent nach Amerika ging. Nach seiner Matura im Jahr 2010 studierte er zunächst Biologie und Humanmedizin. Er legte ein Zwischenjahr als Barmanager ein und nahm ein neues Studium in Physiotherapie auf. Zu den Drohnenrennen kam Strähl durch Youtube-Videos. Bei den «Swiss Black Kites» fliegt er seit diesem Jahr. Raphael Strähl ist ledig und wohnt in Oftringen. (js)

Die Renndrohnen

Die Drohnenpiloten der «Drone Champions Legaue» (DCL) fliegen mit extrem leistungsfähigen sogenannten Quadrocoptern. Dies sind Drohnen mit vier Motoren und Propellern. Jedes einzelne Triebwerk entwickelt eine Schubkraft von eineinhalb Kilogramm; der Totalschub beträgt demnach sechs Kilogramm. Diese Leistungsfähigkeit hat ihren Preis: Eine Batterieladung reicht bei Rennen maximal für drei Minuten.

Eine Renndrohne wiegt mindestens 780 Gramm – wobei Mindestgewicht sowie Durchmesser der Flieger vorgegeben sind. Motoren und Steuerungselektronik sind hingegen freigestellt. Gesteuert werden die Drohnen mittels einer «First Person View»-Brille. Damit erhält der Pilot einen Blick aus der Perspektive der Drohne. Die Piloten stammen aus der ganzen Welt, Alter und Geschlecht spielen keine Rolle. Der Preis für eine Renndrohne variiert stark: Einstiegsgeräte sind ab 100 Franken erhältlich, im oberen Segment kosten Profigeräte schnell über 500 Franken. (js)

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