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Bewunderte und verkannte Vögel

Rabenvögel sind ihrem Partner ein Leben lang treu, besitzen einen Spieltrieb und können sogar Werkzeuge herstellen und benützen. Diese Fakten und mehr erfuhren die Zuhörer an einem Vortrag in Bülach von Wildhüter This Schenkel, der diese Vogelart sehr gut kennt.

Die Schlauheit von Rabenvögeln ist legendär – bei vielen Landwirten aber auch gefürchtet.
Die Schlauheit von Rabenvögeln ist legendär – bei vielen Landwirten aber auch gefürchtet.
Archiv/Leo Wyden

Die Frage, mit welcher This Schenkel in seinen Vortrag einstieg, war provokativ: «Sind Rabenvögel schwarze Teufel oder wahrlich intelligente Flugkünstler?» Als Wildhüter ist Schenkel zuständig für Vögel auf dem ganzen Stadtgebiet von Zürich.

Im Rahmen dieser Tätigkeit hat er sich auf Rabenvögel spezialisiert und gewährte den rund 70 Zuhörern am Mittwochabend in der Kantonsschule Bülach mit einer Powerpoint-Präsentation und kurzen Videos Einblick in die Welt der schwarzgefiederten Gesellen. Erste Darstellungen von Rabenvögel entstanden ungefähr 17 000 v. Chr. und wurden in den Lascaux Höhlen in Frankreich entdeckt. Doch sind sie in den meisten Kulturen und Religionen von grosser Bedeutung. Bei den Indianern gelten dieVögel sogar als heilig.

Trotzdem haben Krähen nicht überall den besten Ruf. Im Mittelalter beispielweise kamem die auch aasfressenden Vögel zu Hinrichtungen. Das brachte ihnen die Bezeichnung Galgenvögel ein und haftet ihnen bis heute negativ an.

Weltweit gibt es 120 verschiedene Arten von Rabenvögeln. Ausser Süden Südamerikas sind sie praktisch über den ganzen Erdball verbreitet und können bis zu 20 Jahre alt werden. Aufgrund ihrer Rufe werden sie der Gruppe der Singvögel zugeordnet. Alleine der Kolkrabe verfügt über 20 Rufe und 60 gespottete. Gespottet heisst, den Ruf eines Vogels einer anderen Art nachahmend.

Monogam und reviertreu

Zu den in der Schweiz verbreitete Arten gehören unter anderem die Rabenkrähen, Nebelkrähen, Dohlen, Elstern, Kolkraben, Eichelhäher und Alpenkrähen. Die wohl bekannteste davon ist die Rabenkrähe. Sie misst vom Kopf bis zur Schwanzspitze rund 50 Zentimeter, ist schwarz und wiegt ein halbes Kilogramm. Zwar zählen die Vögel zu den Allesfressern, ernähren sich aber vorwiegend von Schnecken und Kleinsäugern. Kolkraben sind noch grösser und messen 67 Zentimeter, wiegen 1, 5 Kilogramm und ernähren sich auch von Jungwild.

Hat sich ein Brutpaar gefunden, bleibt es in Leben lang zusammen, ohne das Revier zu wechseln. Dieses wird mit allen Mitteln verteidigt. Auf dem Land kann die Reviergrösse zwischen 15 und 40 Hektaren umfassen, in der Stadt ist sie deutlich kleiner. Oftmals lebt ein zweites Männchen mit dem Brutpaar zusammen und hilft dessen Revier zu verteidigen. Sollte dem Männchen des Paares etwas zustossen, könnte es dessen Platz einnehmen.

Sobald ein Jungvogel flügge geworden ist, wird er von seinen Eltern verstossen. Er muss sich dann einen Partner und ein eigenes Revier suchen. Bleibt er jedoch alleine, tut er sich mit anderen «Singles» zusammen. Es bilden sich sogenannte Nichtbrüterschwärme mit bis zu 200 Rabenvögeln.

Erkennen sich im Spiegel

Gerne lassen sie dann aus lauter Langeweile ihrem Spieltrieb freien Lauf und können so grosse Schäden anrichten. Ein Beispiel hierfür ist das Ausrupfen von Mais auf den Feldern. Dann kann es notwendig werden, einige der Vögel zu schiessen. Das verursacht Stress im Schwarm und verhindert weitere grössere Schäden.

Rabenvögel besitzen ein grosses, gut entwickeltes Gehirn. Dasjenige des Kolkraben soll sogar das am höchsten entwickelte Hirn aller Vögel sein. So sind Rabenvögel Meister in der Herstellung von Werkzeug und dessen Gebrauch. Sie können Menschen und Autos erkennen und besitzen sogar die Fähigkeit, sich selbst im Spiegel wahrzunehmen – etwas, das keine andere Vogelart kann.

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