Illnau-Effretikon

Kindergarten wird «gleich, nur anders»

Zehn Architektenbüros waren in der engen Auswahl für den Neubau des Kindergartens Rosswinkel. Gewonnen hat das Zürcher Team Bienert Kintat mit dem Projekt «Same same but different».

Der neue Kindergarten setzt auf viel Holz, Licht und Grünflächen. Visualisierung: bk-architekten

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Möglichst gleich also soll alles bleiben – gleich, nur anders. So viel verrät das Siegerprojekt des Zürcher Architekturbüros Bienert Kintat für den Neubau des Kindergartens Rosswinkel bereits in seinem Namen. «Same same but different» – der Spruch stammt aus Südostasien, wo er öfter dazu benutzt wird, dem interessierten Touristen klarzumachen, dass doch die gefälschte Rolex genauso gut die Zeit anzeige wie das Original. Einen billigen Abklatsch sah die Wettbewerbsjury allerdings nicht in dem Projekt, sondern fühlte sich ganz im Gegenteil angesprochen von der «einfachen, repetitiven Struktur», der «Anpassbarkeit für zukünftige Entwicklungen» und der «raffinierten Gartengestaltung».

Hohe Fenster, fast ausschliesslich Holz, und das alles auf nur einem Geschoss – diese Vision überzeugte die neunköpfige Jury aus Stadträten, Schulleitung, Schulpflege und Architekten. Die Freiräume ums Gebäude herum verschwinden wegen der platzintensiven einstöckigen Bauweise zwar teilweise. Dafür soll der verbleibende Rest aufgewertet werden durch die Umwandlung der aktuell dominierenden Betonflächen zu Grünraum und Spielarealen.

Mehr Schulraum nötig

Dass in Illnau-Effretikon der Kindergartenplatz knapp wird, ist schon seit einer Weile klar. Seit 2016 nehmen die Zahlen der schulpflichtigen Kinder stetig zu. «Wir brauchen mehr Schulraum – gerade wenn wir im Zentrum wachsen wollen», erklärt Hochbauvorstand Marco Nuzzi (FDP). Der 1966 erbaute Kindergarten Rosswinkel hatte sich dabei aufgrund der «kleinen und schlecht nutzbaren Räumen» für einen Ausbau angeboten. Nun soll also aus dem Kindergarten für drei Klassen einer für vier werden, und aus dem Bau der Vergangenheit einer der Zukunft. «Mit dem Neubau wird der Bedarf in diesem Stadtteil für die nächsten Jahre gedeckt sein», sagt Nuzzis Parteikollegin und Bildungsvorsteherin Erika Klossner.

Die Suche nach der besten Lösung liess man sich bei der Stadt Illnau-Effretikon etwas kosten. Aus insgesamt 88 Architekturbüros wurden zehn Projekte zum Wettbewerb zugelassen, je 6000 Franken erhielt jeder davon als Entschädigung. Insgesamt 70000 Franken wurden zusätzlich an die fünf Bestplatzierten als Preisgelder verteilt. Der Abriss des jetzigen Gebäudes und der Neubau sollten ursprünglich gut fünf Millionen kosten – eine Schätzung zur gewählten Variante liegt noch nicht vor. «Es war aber unter den zehn Bewerbern auf jeden Fall eines der günstigeren», so Klossner. Vom Wert des Auswahlverfahrens ist sie überzeugt: «Es kamen viele unterschiedliche und neue Ideen zustande. Besonders gefreut hat uns auch, dass der zweite und der dritte Platz von jungen Architekten belegt wurden.»

Übergangslösungen gesucht

Noch nicht ganz klar ist, wie die Zeit vom geplanten Baubeginn im Frühling 2022 bis zur angestrebten Fertigstellung im Sommer 2023 überbrückt wird. «Es wird wahrscheinlich schon ein Provisorium brauchen», sagt Klossner. «Wir wollen das aber möglichst gut ausgleichen, zum Beispiel mit einem ergänzenden Waldkindergarten.» 2017 hatte der Stadtrat zudem noch erklärt, ein zusätzlicher Kindergarten sei wegen des Platzmangels spätestens auf Sommer 2021 nötig. «Es kann sein, dass wir deshalb schon früher ein Provisorium brauchen werden», gesteht auch Klossner ein. Der Gemeinderat soll bis spätestens Ende nächstes Jahr über den Neubau abstimmen, vors Volk kommen wird er voraussichtlich im März 2021.

Architekt Volker Bienert freut sich bei der Präsentation seines Modells sichtlich über das ihm entgegengebrachte Vertrauen. Er weist auf die Nähe zum bestehenden Kindergarten hin: «Eben ähnlich, aber auch anders – und natürlich besser!», erklärt er lachend. Die bislang fehlenden Angaben zur Umweltfreundlichkeit seien kein Problem – das Gebäude erfülle die Vorgaben der Stadt auf jeden Fall. Für die einstöckige Variante habe man sich entschieden, weil es den Unterricht erleichtere und ein «gutes Miteinander» ermögliche. Die begrünten Aussenflächen, die von der Cukrowicz Landschaften GmbH aus Winterthur gestaltet werden, würden spürbar zur Qualität des Entwurfs beitragen. Alle zehn Projekte werden noch bis zum 20. September an der Bahnhofstrasse 29 in Effretikon ausgestellt.

Erstellt: 14.09.2019, 17:40 Uhr

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