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Neuer Grusel-Podcast bei SRFBis es einen «tschuderet»

Mit gleich drei Folgen wurde zu Halloween die neue SRF-Hörspielreihe «Grauen» in Mundart lanciert. Wie garantiert ist beim Mundart-Horror die Gänsehaut?

Halloween – gibt es einen besseren Zeitpunkt für Gruselgeschichten?
Halloween – gibt es einen besseren Zeitpunkt für Gruselgeschichten?
Foto: Andrei Armiagow

Bierbüchsen zischen. Das Lagerfeuer knistert. Und im Hintergrund ist der Ruf einer Eule zu hören. So beginnt die erste Folge von «Grauen», dem neuen Hörspiel-Podcast von SRF. Und weil die damit einhergehenden Assoziationen zwingend zum Genre gehören, kann man diesen etwas klischeehaften Einstieg auch gar nicht gross bemängeln.

Im Zentrum stehen die vier Jugendfreunde Steffi, Phil, Besim und Zoey, die sich einmal im Monat im Wald treffen, um sich am Feuer sitzend gruselige Geschichten zu erzählen. Diese Woche wurden anlässlich von Halloween gleich drei Episoden veröffentlicht, produziert von Simone Karpf und Wolfram Höll.

Den wohl grössten (akustischen) Wiedererkennungseffekt hat Besim (Dashmir Ristemi). Weil er mit einem jugoslawischen Einschlag spricht, was dann etwa so daherkommt: «He Lüt, ich han mal ghört, dass wänn mer binere Füürstell lang is Füür ineluegt, dänn gsehsch, was zletscht drin verbrännt worde isch.» Stellt sich da, angesichts der verwendeten Mundart, schon metaphorisches Gruseln ein? Gar nicht, denn die in Schweizerdeutsch gehaltenen Dialoge wirken durchaus echt und aus dem Leben gegriffen.

Sie sind in «Grauen» zu hören: Aaron Hitz (als Phil), Marina Guerrini (sie wird erst in Folge 6 auftauchen), Dashmir Ristemi (Besim) und Lucy Wirth (Zoey, v.l.).
Sie sind in «Grauen» zu hören: Aaron Hitz (als Phil), Marina Guerrini (sie wird erst in Folge 6 auftauchen), Dashmir Ristemi (Besim) und Lucy Wirth (Zoey, v.l.).
Foto: PD

In der ersten Folge dreht sich die Hauptstory, in die wir nach einigen Minuten abtauchen, um eine entfernte Bekannte Phils. Sie hat in den letzten Tagen ein pulsierendes blaues Licht in einer alten Villa nebenan beobachtet. Deshalb ruft sie den kauzigen Onkel des abwesenden Hausbesitzers an. Zusammen schauen sie nach, woher das seltsame Schimmern kommen könnte. Und finden in der Küche einen riesigen leuchtenden Eisklotz, der über dem Boden hängt. Worauf der alte Mann Hammer und Pickel holt

Ja, es gibt in allen Folgen immer diesen Moment, wo sich einem tatsächlich die Nackenhaare aufstellen. Und das ist gerade in der zweiten Episode erstaunlich, dreht diese sich doch was erst fast lachhaft wirkt um ein Audiokassetten-«Gschichtli» für Kinder, in dem sprechende Papageientaucher die Hauptrolle spielen. Das Hörspiel im Hörspielein raffinierter Dreh. Geschickt werden so die Ängste aus der Kindheit thematisiert, die wir wohl alle kennen. Und die dritte «Grauen»-Folge spielt, nach der üblichen Einleitung am Lagerfeuer, in den USA, wo seltsame Telefonanrufe Zoey verängstigen. Es wird also wieder in der altbekannten Horrorkiste gewühlt, woran aber, wie angedeutet, nichts falsch ist.

Stellt sich bei diesem Setting wirklich das grosse Gruseln ein?

Dennoch könnte das neue Format an zwei Dingen scheitern: Wer bleibt bei einer Podcast-Reihe dran, die nur monatlich (jeweils zu Vollmond) gesendet wird? Bleibt da der episodenübergreifende Handlungsbogen verständlich, der sich nur sehr, sehr langsam entwickelt? Offenbar haben die vier Freunde, so erfährt man aus den Begleittexten, nämlich ein dunkles Geheimnis… Aber wird man bei Erscheinen von Folge 3 noch wissen, dass Zoey am Ende der ersten Folge einfach verschwand, wo sie doch dann in Folge 2 wieder in der Runde sass? Diffus.

Und die zweite Schwierigkeit: Heute hört man Podcasts nur selten allein vor dem Radio um Mitternachtsondern unterwegs im öffentlichen Verkehr, beim Jogging oder daheim beim Kochen. Stellt sich bei diesem Setting wirklich das grosse Gruseln ein?

Zu hören bei Apple Podcasts, Google Podcasts, Spotify, SRF Play oder unter www.srf.ch/grauen.

Immer bei Vollmond sollen die neuen Folgen von «Grauen» erscheinen.
Immer bei Vollmond sollen die neuen Folgen von «Grauen» erscheinen.
Foto: PD