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Agustín CarstensBIZ-Generaldirektor sieht keine Währungsmanipulation der Schweiz

Die Schweizerische Nationalbank verfolge kein Wechselkursziel, sagt der Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, Agustín Carstens.

Der Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), Agustín Carstens, sieht in der derzeitigen Schwächung des Frankens eine defensive Massnahme der Schweiz und keine Manipulation. (Archivbild)
Der Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), Agustín Carstens, sieht in der derzeitigen Schwächung des Frankens eine defensive Massnahme der Schweiz und keine Manipulation. (Archivbild)
Keystone/Eduardo Verdugo

Der Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich BIZ in Basel, Agustín Carstens, sieht die Schweiz nicht als einen Manipulator ihrer Währung an. Dies erklärte der Finanzexperte bezüglich solcher Vorwürfe gegenüber der «Neuen Zürcher Zeitung» vom Samstag.

Die Schweizerische Nationalbank SNB verfolge überhaupt kein Wechselkursziel, sagte Carstens. «Die Nachfrage nach Schweizerfranken ist ein Nebeneffekt der weltweit sehr lockeren Geldpolitik», hiess es weiter. Die Schweizer Wirtschaft habe aber nicht die Kapazität, alle diese Zuflüsse zu absorbieren. «Also stemmt sich die SNB dagegen. Bei den Devisenkäufen handelt es sich um eine defensive Massnahme», betonte der 62-Jährige.

Gleichzeitig lobte der BIZ-Generaldirektor die Politik der Schweizerischen Notenbank SNB noch in einem anderen Punkt. Es geht dabei um das Inflationsziel der Währungshüter. «Für die Schweiz kann man sagen, dass sie mit der Vorgabe einer Bandbreite von 0 bis 2 Prozent gut gefahren ist», sagte Carstens. Ein Inflations-Intervall und keine absolute Zahl – wie etwa zwei Prozent – sei gut. Entscheidend sei auch immer, dass eine Notenbank ihr Ziel einer niedrigen Teuerung durch eine Strategieänderung nicht verwässere.

Noch Spielräume für Notenbanker

Carstens sieht zudem keine Anzeichen dafür, dass die Notenbanken in der Coronavirus-Krise mit niedrigen oder negativen Zinsen bereits ihre Munition verschossen hätten. «Von den Zinsen her könnte man das meinen, doch gibt es noch genügend Spielraum», sagte er. «Die Notenbanken können ihre Bilanzen kreativ einsetzen», hiess es ausserdem. Darüber hinaus könnten die Zentralbanken mit ihrer Kommunikation die Erwartungen über den zukünftigen Pfad des Zinsniveaus beeinflussen, sagte Carstens.

Zwar hätten die Notenbanken mit ihrer jüngsten Geldpolitik rote Linien überschritten. «Aber man hat das in vollem Bewusstsein der Risiken getan», relativierte er gegenüber der «NZZ». «Wir sind da, weil die Umstände so schwierig sind», erklärte der BIZ-Generaldirektor.

SDA/chk

8 Kommentare
    Otto Guldenschuh

    Der "Sonderfall" Schweiz ist nun mal das einzige Land auf der Welt, welches folgende Attribute hat:

    a) keinerlei Rohstoffe

    b) mit gut 60% des BIP stark exportorientiert ist (Waren & DL-Exporte >400 Mrd)

    c) Neutral ist, weder in der EU noch NATO, einzig in der UNO

    d) Seit Jahrzehnten als seriöser und sicherer Fluchthafen in unsicheren Zeiten gilt

    e) eine halbdirekte Demokratie mit einem Kollegialprinzip hat und darum politisch als sehr stabil gilt

    f) Die Bevölkerung mit dem welthöchsten Privatnettovermögen pro Bürger hat und dies sowohl im Durchschnitt als auch im Medianwert

    g) Eine grosse Zahl internationaler Organisationen beherbergt von der BIZ, IKRK, WHO, über 45 Welt- & Europasportverbände etc etc & darum extrem vernetzt ist.

    h) Dazu wieder vermehrt der ultimative Konfliktmediator in internationalen Konflikten ist, dem auch die Supermächte wie USA, Russland, China und auch die einzelnen EU Länder vertrauen (auch wenn wir mit Brüssel noch was ausjassen müssen)

    i) Viersprachig sind und mit einem Migrationsanteil inkl. Nachfahren seit 1900 fast 50% Bevölkerung aus aller Welt in der Schweiz wohnhaft ist

    .

    Aber unsere Währung ist nun mal relativ klein und bei hoher Nachfrage steigt der Preis des CHF dann zu stark, was den wichtigen Exportsektor in starke Bedrängnis bringt.

    Wären wir ein Erdölexportland oder Exporte seltener Erden etc. dann könnte die SNB den € problemlos z.B. auf 0.70 CHF fallen lassen, dann wären wir einfach ein stinkreiches Land wie Brunei, die VAE etc.