The Take

Besser als erwartet

In «Justice League» verbünden sich die mächtigsten Superhelden gegen Eroberer von einem fremden Planeten. Das ist weniger trostlos als die Vorgängerfilme erwarten liessen.

Die Helden der Justice League (v.l.): Batman, Wonder Woman, Cyborg, the Flash, Aquaman.

Die Helden der Justice League (v.l.): Batman, Wonder Woman, Cyborg, the Flash, Aquaman. Bild: zvg Warner Bros.

Nun sind sie also alle in einem Film versammelt, die grossen amerikanischen Comic-Helden: Batman, Wonder Woman, The Flash, Aquaman und Cyborg. Auffallend ist natürlich, dass der wichtigste fehlt: Superman. Das ist auch die Ausgangslage für «Justice League», die neuste Fortsetzung aus dem Hause DC. Der «Man of Steel» starb im letzten Film «Batman v Superman: Dawn of Justice». Mit ihm starb auch alle Hoffnung in der Welt. Dies wird symbolisiert durch eine Frau mit Kopftuch, die von Skinheads bedrängt wird, oder Obdachlose, auf deren Schildern steht: «Ich habs versucht.» Es ist eine trostlose Situation.

In dieser Welt versucht Bruce Wayne alias Batman (Ben Affleck) ein Team von Superhelden - die titelgebende Justice League - zusammenzustellen, denn eine ausserirdische Bedrohung will die Erde unterwerfen, nun da sie ohne ihren Beschützer Superman da steht. Zu seinen ausgewählten Kollegen gehört natürlich Diana Prince alias Wonder Woman (Gal Gadot), die Zuschauern aus ihrem eigenen Film diesen Sommer bekannt sein dürfte. Die restlichen Charaktere werden jedoch in «Justice League» zum ersten Mal eingeführt. Nach anfänglichem Zögern schliesst sich die Truppe erwartungsgemäss zusammen.

Die neuen Figuren sind der Grund dafür, dass dieser Film um einiges besser ist als seine Vorgänger. Sowohl «Batman v Superman», wie auch «Man of Steel» waren sehr grimmige Filme, was ihnen auch immer wieder vorgeworfen wurde. Regisseur Zack Snyder hat die Kritik offenbar aufgenommen. Sowohl Aquaman (Jason Momoa) wie auch Flash (Ezra Miller) nehmen sich weniger ernst und machen öfters mal flapsige Sprüche. Bei Batman, denn man schon als todernsten Rächer kennt, funktioniert das weniger gut, und wirkt aufgesetzt.

Während die neuen Charaktere dem Film durchaus gut tun, zeigt sich aber hier auch ein fundamentales Problem beim Aufbau des DC Filmuniversums. Während Konkurrent Marvel Figuren wie Iron Man, Captain America oder Thor zuerst in eigenen Filmen vorstellte, bevor sie in «Avengers »zusammenkamen, geht DC von Anfang an aufs Ganze. Die Neuankömmlinge haben hier ihren ersten grossen Auftritt. Sie werden aber nur kurz vorgestellt, ihr Hintergrund nur kurz angetönt - für mehr ist keine Zeit. Hinzu kommen noch zahlreiche Nebenfiguren aus vorausgehenden Filmen, die nicht mehr vorgestellt werden, und sogar Figuren die noch gar nie aufgetaucht sind und die wohl nur Kenner einordnen können. Wer sich mit den Comics nicht auskennt, dürfte ein wenig ratlos zurückbleiben.

Es mangelt an Kreativität

Man muss «Justice League» zugestehen, dass er um einiges besser ist als sein direkter Vorgänger «Batman v Superman», da er immerhin kohärent ist. Zudem hat der Film mit 120 Minuten eine erträgliche Länge: Der Vorgänger war eine halbe Stunde länger. Doch mehr als eine knapp durchschnittliche Comicverfilmung ist auch dieser Film nicht. So bleibt der Antagonist Steppenwolf eine blasse Figur. Dies auch, weil er ganz computergeneriert ist und eben doch noch nicht ganz echt wirkt. Sein Ziel, die Welt zu unterjochen ist auch nicht besonders speziell. Allerdings muss die Bedrohung so umfassend sein, ansonsten gibt es für die Helden keinen Grund sich zusammenzuschliessen. Sie sind ja auch alleine schon ziemlich stark. Was auch der Grund dafür sein dürfte, dass Superman mit seinen göttergleichen Kräften scheinbar bis auf weiteres abwesend ist.

Und wie üblich ist die einzige Möglichkeit der Konfliktlösung offenbar das Draufschlagen. So läuft es auch in «Justice League» darauf hinaus, - und das ist kein Spoiler, denn das meiste davon ist schon im Trailer zu sehen - dass ein riesiges Gebiet verwüstet wird, und die Helden ihre Fähigkeiten zum Töten zeigen dürfen.

Natürlich ist es unfair, diese Kritik nur an diesem Film festzumachen. Andere Superheldenfilme folgen dem gleichen Muster. Allerdings ist bei denen der restliche Filme so unterhaltsam und sind die Charaktere so einprägsam, dass man darüber gerne mal hinweg sieht.

«Justice League ist zwar eine Kurskorrektur für DC, am Ziel angelangt sind sie aber noch nicht. Es bleibt also nur zu hoffen, dass künftige Filme diesen Weg weitergehen. Und mit «Wonder Woman» haben sie bereits ein gutes Vorbild im eigenen Haus.

Erstellt: 17.11.2017, 15:29 Uhr

ZSZ-Redaktorin Olivia Tjon-A-Meeuw liebt Kinosäle, steht zu ihrer Netflix-Sucht und hasst nichts so sehr wie Spoiler. An dieser Stelle bloggt sie über ihre Leinwand- und Streaming-Erlebnisse und bewertet Filme und Serien.

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