Fabelweg

Unterwegs mit dem schlauen Fuchs und der überheblichen Mücke

Ein neuer Themenweg führt hoch über dem Bodensee von Steckborn nach Ermatingen. Die Fabeln, über die man unterwegs einiges erfährt, machen die Strecke kurzweilig. Doch wer mit kleinen Kindern unterwegs ist, braucht Nerven – und Proviant.

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Wer den Fabelweg unter die Füsse nimmt, sollte nicht ohne Cervelat und Wasserflasche losmarschieren. Denn auf dem elf Kilometer langen Weg von Steckborn nach Ermatingen ist man abseits der Zivilisation. Während man sich geistig mit Fabeln auseinandersetzt, wird der Magen unterwegs nicht versorgt. Ausser vielleicht mit ein paar Brombeeren, die man mit Glück am Wegesrand entdeckt. Wer also mit Kindern unterwegs ist – und für diese ist der Thurgauer Fabelweg schliesslich gedacht –, muss vorsorgen.

Zum Glück gibt es direkt am Bahnhof Steckborn, dem Ausgangspunkt des Themenweges, einen Laden, in dem man sich mit den nötigen Lebensmitteln eindecken kann. Wer Grilladen einpackt, muss zwar mit einem halben Dutzend «Wie lang gaats no?»-Fragen rechnen, wird aber auf halber Strecke, also nach guten 1½ Stunden Wanderzeit, mit einem lauschigen Grillplatz belohnt.

Viel Schatten

Um die Wegführung muss man sich nicht kümmern, der Fabelweg ist ab Bahnhof Steckborn gut ausgeschildert. Steckborn und damit die Zivilisation lässt man rasch hinter sich und steigt langsam den Seerücken hinauf. Der Blick zurück auf die Kleinstadt und den Untersee ist atemberaubend. Wer bei sommerlichen Temperaturen während des Aufstiegs ins Schwitzen gekommen ist, wird sich über den Schatten freuen, der die Wanderer nun über weite Strecken vor der Sonne schützt.

Schon bald kommt die erste Schautafel – 18 sind es insgesamt. Es geht um Fabeln, also kurze ­Erzählungen, in denen Tiere mit menschlichen Eigenschaften vorkommen: der schlaue Fuchs, die überhebliche Mücke oder der stolze Hahn. Die Geschichten haben immer einen tieferen Sinn. So kann man die Fabel über den Bär und die Mücke (siehe Kasten) auch mit dem Sprichwort «Hochmut kommt vor dem Fall» zusammenfassen. An den Posten werden die Tiere, die in den Fabeln vorkommen, zuerst vorgestellt, dann folgt jeweils die Geschichte dazu. Für Familien, aber vor allem auch für Gruppen wie Schulklassen gibt es allerlei Anregungen für Spiele oder Denkanstösse, die den Weg bis zur nächsten Schautafel verkürzen können.

Keine Abkürzung möglich

Anders als auf anderen Themenwegen wie dem Hasliberger Zwergenweg oder dem Toggenburger Klangweg, wo an den Stationen Zwerge anzutreffen sind oder Klanginstallationen zum Mitmachen einladen, läuft man auf dem Fabelweg von Infotafel zu Info­tafel. Aufgrund seiner landschaftlichen Reize lohnt er sich aber auch für Wanderer, die sich wenig für Fabeln interessieren.

Der Weg ist nur für grössere, ausdauernde Kinder ab circa neun Jahren geeignet. Bis Oberfruthwilen gibt es nämlich keine Abkürzungsmöglichkeit. Kleinkinder können bis dort in einem geländetauglichen Kinderwagen mitgenommen werden.

Nachdem man drei Fabeln kennen gelernt und allerlei Wissenswertes über Mücken, Bären, Schildkröten, Hasen, Raben und Füchse erfahren hat, kommt man auf etwa halber Strecke kurz nacheinander an zwei Feuerstellen vorbei. Während die erste mit einem professionellen Unterstand lockt, besticht die zweite durch die lauschige Lage im Schatten spendenden Wäldchen.

Frisch gestärkt wandert man weiter durch die schöne Thur­gauer Kulturlandschaft. Doch erst nach einer längeren Durststrecke tut sich der Blick in Salenstein wieder Richtung Bodensee und die deutsche Halbinsel Reichenau auf.

Zum Schluss lauschiges Tobel

In Oberfruthwilen kommt man am Bauernhof der Familie Gremlich vorbei, wo man unbedingt «trochni Zwätschgä», die gar nicht trocken, sondern äusserst fruchtig sind, erstehen sollte – also Kleingeld bereithalten. Ist die Trinkflasche leer, findet sich hier auch der erste Brunnen. Müde Beine können in Oberfruthwilen den Bus nehmen.

Wer weiter geht, lernt zwischen Oberfruthwilen und Ermatingen noch ein anderes Gesicht des Wanderweges kennen: Nun schlängelt er sich durch ein lauschiges Tobel, wo man die Fabel vom schönen Pfau und der neidischen Krähe kennen lernt.

Glace oder Schwumm

Familien, die zügig laufen, sind nach etwa drei Stunden am Ziel – wer jedoch die eine oder andere Spielidee umsetzen und unterwegs grillieren will, sollte bedeutend mehr Zeit einplanen.

Am Ziel angekommen, hat man sich eine Glace am Bahnhof Ermatingen verdient – oder einen Sprung in den Bodensee. Folgen die Wanderer vom Bahnhof Ermatingen aus den Velowegweisern Richtung Steckborn, erreichen sie nach weiteren 10 bis 15 Minuten das Strandbad. (Landbote)

Erstellt: 16.05.2015, 10:15 Uhr

Der Bär und die Mücke

Eine Mücke forderte übermütig einen Bären zum Zweikampf heraus. «Ich fürchte dich nicht, du grosses Ungeheuer», rief sie ihm zu, «weil du gar keine Vorzüge vor mir hast. Wenn doch, dann nenne sie mir! Und komme mir nicht damit, dass du deine Beute mit Prankenhieben töten und mit Zähnen zermalmen kannst. Jedes andere feige Tier kratzt und beisst, wenn es kämpfen muss. Ich werde dich schon lehren, dass ich stärker bin als du!» Mit diesen Worten flog die Mücke dem Bären in ein Nasenloch und stach ihn so sehr, dass dieser vor Schmerz fast den Verstand verlor und sich geschlagen gab. Stolz auf diesen Sieg flog die Mücke davon, um es aller Welt zu verkünden. Dabei übersah sie das Gewebe einer Spinne und verfing sich darin. Gierig umarmte die Spinne das kleine Mückchen und sog ihr das Heldenblut aus.
In Anlehnung an Aesop, 600 v. Chr.

Gut zu wissen

Anreise: Ab Zürich entweder mit dem Zug über Schaffhausen oder über Winterthur und Stein am Rhein oder mit dem Bus ab Frauenfeld nach Steckborn. Heimreise: Von Ermatingen mit dem Zug über Kreuzlingen nach Zürich oder mit dem Bus nach Müllheim-Wigoltingen und mit dem Zug nach Winterthur.
Wanderzeit: Ca. 3 Stunden (mit nur kurzer Verweildauer an den Posten).
Verpflegung: Lebensmittelladen Trasse am Steckborner Bahnhof, jeden Tag geöffnet. www.trasse-steckborn.ch; diverse (Fisch-)Restaurants in Ermatingen. Kaffee und Kuchen im Seegarten (Untere Seestrasse 39, So & Mo Ruhetag).
Wegbeschaffenheit: Bis Oberfruthwilen breiter Weg, meist Kies, auch mit geländetauglichem Kinderwagen möglich. In Oberfruthwilen gibts einen Bushalt (Station Fruthwilen, Oberfruthwilen; Richtung Ermatingen oder Wigoltingen).

www.thurgauer-wanderwege.ch/de/thurgauer-fabelweg-46.html

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