Schweiz

Gipfelglück im Rheinwald

In der Umgebung von Splügen gibt es eine ganze Reihe von tollen Tourenbergen. Eine ­besonders lohnende Tour führt auf den Guggernüll.

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«In der Tamboalp ist das grösste und höchste Horn in dieser Gegend, das Tambohorn, welches sehr wild und rauh, und wie ein Dreyangel gestaltet ist. Auf demselben liegen drei grosse Gletscher.

Der erste zeigt sich gegen der Alp Tambo, die eine vortreffliche Aussicht bis an den Comersee giebt. Der zweyte liegt gegen der Berg Falliga, der ein bekannter Berg von den Splügerbergen ist, der dritte aber wendt sich gegen die Alp Fleyra. Alle drei sind aus mächtigen Eisschollen zusammengesetzt, und umgeben den ganzen Fuss dieses grossen Berges.» (Aus: Die Eisgebirge des Schweizerlandes, Gottlieb Siegmund Gruner, Abraham Wagner, Bern 1760)

Seit dies Gottlieb Gruner vor mehr als 250 Jahren geschrieben hat, ist einiges passiert, und die Gletscher um den Pizzo Tambo sind nur noch kleine Reste. Der Berg aber, der ist geblieben und noch heute der Fixpunkt in der Splügner Bergwelt. Dieser Tourenvorschlag entführt aber nicht auf diesen Pizzo Tambo – eine recht anspruchsvolle und alpine Tour –, sondern auf den Guggernüll.

Er liegt gleich nördlich des Pizzo Tambo, bildet eine schöne Pyramide und erreicht eine Höhe von fast 2900 Metern, lediglich etwa 300 Meter weniger als sein grosser Bruder. Er hat aber eine ganze Reihe von Vorzügen, die ihn zu einem wunderbaren Ziel für eine Ski- oder Schneeschuhtour machen.

Der Ausgangspunkt, bequem mit der Luftseilbahn zu erreichen, liegt auf über 2000 Metern und ist damit relativ schnee­sicher, der Aufstieg ist mit etwa drei Stunden nicht zu anstrengend, und das Gelände ist meistenorts noch nicht schwierig.

Start auf der Tanatzalp

Auf der Tanatzalp, die man von Splügen mit der Luftseilbahn des kleinen Skigebietes erreicht, startet die Tour. Gut zu wissen: Der offizielle Betriebsbeginn ist um 9 Uhr, Ski- oder Schneeschuhtouristen können aber in der Regel bereits etwa um 8.15 Uhr die Kabinen besteigen. Von der Tanatz­alp fährt oder steigt man kurz zur Tamboalp ab. Der Aufstieg auf den Guggernüll überwindet eine Höhe von 850 Metern, mit einer mittleren Kondition sollte man das in etwas weniger als drei Stunden gut schaffen.

Zur Routenwahl: Von der Tamboalp läuft man zuerst in südwestlicher Richtung über den Talboden und steigt dann etwa zum Punkt 2188 Meter auf. Je nach Schneesituation sucht man sich von hier die beste Aufstiegsroute – eine etwas flachere Terrasse führt auf einer Höhe von etwa 2300 Metern nach Nordosten und erlaubt eine grosse Linkskurve, auf der man eine kleine Hochebene bei Punkt 2302 erreicht. Alternativ steigt man beim Punkt 2302 Meter direkt nördlich hoch. Beide Varianten führen nach Gemschschluecht, den Passübergang südlich des Guggernüll. Von hier geht es schliesslich, stellenweise etwas alpin, auf den Gipfel.

Abstieg mit Schneeschuhen

Die Aussicht ist etwas vom Feinsten, das die Talschaft Rheinwald für den Skitouristen zu bieten hat. Natürlich – der Star ist der Pizzo Tambo im Süden. Zu seiner Linken und zu seiner Rechten aber reihen sich zahlreiche eindrückliche Berggestalten. Im Westen etwa steigt die markante Spitze des Einshorns in den Himmel, im Norden reihen sich zwischen Chilchalp- und Alperschällihorn zahllose Gipfel aneinander, und im Osten schliesslich liegt das zerfressene Massiv des Surettahorns.

Der Abstieg mit Schneeschuhen respektive Ski folgt der Aufstiegsspur. Wenn es die Verhältnisse erlauben, kann man die Ostflanke des Guggernüll hinab und auch nach dem Punkt 2466 Meter eine direktere als die Aufstiegsspur wählen. Von der Tamboalp steigt man mit den Ski wieder auf die Tanatzalp auf und schwingt die Piste runter oder nimmt die Waldstrasse unter den Belag und flitzt via Windigstafel hinunter nach Splügen. Gipfelstürmerinnen mit Schneeschuhen steigen von der Tambo- wieder zur Tan­atz­alp auf; von hier geht es mit der Bahn wieder runter. (Wer noch immer Saft in den Waden hat, stapft auf dem Winterwanderweg via Lattastafel und Bodmastafel nach Splügen.)

Wie auch immer, alle müden und durstigen und glücklichen und sonnengebräunten Bergsteigerinnen und Bergsteiger treffen sich dann noch in einem der ­Restaurants in Splügen, etwa gleich nach der Brücke im Su­retta oder oben am Dorfplatz im Bodenhaus. ()

Erstellt: 02.03.2016, 16:12 Uhr

Wissenswertes

Ausgangspunkt: Tanatzalp. Man erreicht sie von der Tal­station in Splügen (Postautohaltestelle «Splügen, Berg­bahnen») mit der Luftseilbahn.

Betriebsbeginn ist offiziell 9 Uhr, Alpinisten können oft schon ab etwa 8:15 Uhr mitfahren.

Kennzahlen Aufstieg:
Länge 4,7 Kilomenter, zuerst 120 Meter Abfahrt bzw. Abstieg, dann 870 Meter Aufstieg,
ca. 2 ¾ Stunden, für Schneeschuhläufer etwas mehr.

Einkehrmöglichkeiten:
Tanatzalp, Splügen

Karten: Landeskarte der Schweiz 1:25’000, Blätter 1254 (Hinterrhein) und 1255 (Splügenpass), 1:50’000, Blatt 267 /
S (San Bernardino).

Infos zur Region: www.viamala.ch

Wildschutzgebiete: auf www.respektiere-deine-grenzen.ch

Lawinenbulletin: www.slf.ch

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