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Globi jagt Zürcher Goldräuber

Im neuen Globi-Band hilft der Vogelmensch der Polizei, einen Goldraub aufzuklären. Die Idee dazu hatte ein Polizist.

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Nennen wir Sie Michael Schoch, eigentlich heissen Sie anders. Sie sind Mitglied der Sondereinheit Skorpion der Stadtpolizei Zürich und hatten die Idee zum neusten Globi-Abenteuer. War­um möchten Sie anonym bleiben?
Michael Schoch:* Wir sind eine Einheit, die in besonders gefährlichen Si­tua­tio­nen zum Einsatz kommt. Zu unserem eigenen Schutz werden unsere Namen und Gesichter nicht in der Öffentlichkeit gezeigt.

Wie kamen Sie auf die Idee, einen Globi-Band über die Arbeit der Polizei anzuregen?
Ich habe zu Hause mit meinem Kind ein altes Globi-Buch angeschaut: «Globi bei der Feuerwehr». Das war früher mein Lieblingsbuch. Weil ich es schade fand, dass es kein ähnliches Buch über die Polizei gibt, hatte ich die Idee, dem Globi-Verlag ein solches vorzuschlagen. Es gibt zwar einen älteren Globi-Band über die Polizei, doch dort geht es um Verkehrsschulung, nicht um die allgemeine Polizeiarbeit. Ich schrieb dem Verlag und war überrascht, dass etwas zurückkam. Der Globi-Verlag war interessiert am Thema.

Wie ist die Goldraub-­Geschichte entstanden?
Der Verlag bat mich, eine Grundidee für die Geschichte zu entwickeln. Ich schlug vor, dass Globi beim Aufklären eines Goldraubs hilft. Gemeinsam haben wir überlegt, welche Aspekte in der Geschichte vorkommen könnten.

Wen meinen Sie mit «wir»?
Von der Polizei machten neben mir zwei Personen der Kommunikationsabteilung bei dem Projekt mit. Die Hauptarbeit erledigten aber der Zeichner Samuel Glättli, die Leiterin des Globi-Verlags Gisela Klinkenberg und der Verseschmied Jürg Lendenmann.

Wie waren Sie dann weiter an der Entstehung von «Globi und der Goldraub» beteiligt?
Der Goldraub wurde als Gerüst genommen. Wir von der Polizei haben den Leuten vom Verlag erklärt, wie der Prozess ablaufen würde, wenn so ein Goldraub tatsächlich stattfinden würde. Sie haben dann die Geschichte rund um diese Eckpunkte erfunden. Ich habe zudem Fragen vom Verlag an die entsprechenden Fachleute der Polizei weitergeleitet. Wenn der Zeichner zum Beispiel ein Detail von einem Polizeiboot gebraucht hat, bin ich zur Wasserschutzpolizei gegangen und habe das abgeklärt.

Haben Sie so eine Geschichte, wie sie Globi erlebt, auch schon erlebt?
Ich bin seit zwölf Jahren Polizist und seit zehn Jahren in der Interventionseinheit. Da hat man einiges erlebt. Nicht genau so, wie es im Buch vorkommt, aber die einzelnen Fragmente habe ich schon erlebt – ausser dass jemand Gold stahl und einen Tunnel grub. Räuber hatten wir, aber ohne Tunnel.

Die Geschichte ist also ­authentisch – ist nichts ­übertrieben oder so?
Alles, was in dem Buch vorkommt, würde in der Realität auch so oder ähnlich ablaufen. Die einzige Stelle, die nicht ganz stimmt, ist die, bei der die Medienmeute vor der Urania-Wache wartet. Normalerweise sind die Medienleute am Ort des Geschehens. Aber wegen der Geschichte musste es so sein.

Im Buch werden einmal ­unschuldige Jäger verdächtigt, die von den schwer bewaff­neten Polizisten der Inter­ventionseinheit Skorpion ­aufgeschreckt werden. Ist auch diese Szene realistisch?
Es kann vorkommen, dass Si­tua­tio­nen anders scheinen, als sie sind. Da kann es zu solchen Missverständnissen kommen.

Einmal entziffert eine Polizistin die Schrift auf einem nassen Zettel. Es wird aber nicht so ­genau beschrieben, wie sie das macht. Gibt es da einen Trick, den man nicht verrät, weil er geheim ist?
Es gibt natürlich viele Arbeitsweisen oder Tricks, aber die Forensik ist ein Gebiet, in dem ich mich auch nicht auskenne. Beim Entwickeln der Geschichte musste man dar­auf achten, dass ein Unterthema auf einer Seite mit sechs Bildern abgehandelt wird – da konnte man nicht zu stark ins Detail gehen.

Doch es war sicherlich eine Gratwanderung, zu erklären, was die Polizei macht, aber nicht zu viel zu verraten, wie sie arbeitet.
Alles, was in dem Buch vorkommt, stimmt, aber bestimmte Dinge hat man weggelassen.

Sie geben anonym Auskunft, weil Diskretion für die Interventionseinheit Skorpion das A und O ist, bei Einsätzen sind Sie schwarz maskiert. In der Globi-Geschichte sind die ­Gesichter der Polizisten aber stets erkennbar.
Das Buch musste kindgerecht sein, deshalb hat man bewusst auf die Maskierung der Polizisten verzichtet. Wir wollen den Kindern keine Angst machen. Auch mit den Waffen war es eine Gratwanderung. Einen Polizisten ohne Waffe gibt es nicht, das ist auch den Kindern klar.

Die Waffen, die man auf den Bildern sieht, sind also nicht authentisch?
Wir Grenadiere von der Interventionseinheit Skorpion tragen unter anderem Waffen, die so ähnlich aussehen wie jene im Buch. Aber Samuel Glättli hat ­diese bewusst nicht detailliert ­gezeichnet.

Im Verlauf der Geschichte ­kommen alle Abteilungen der Stadtpolizei vor. War das ein erklärtes Ziel, dass man die Zürcher Stadtpolizei vorstellen wollte?
Wir wollten ein Gesamtbild der Polizei vermitteln und kein einseitiges Bild, wie es manchmal im Fernsehen gezeigt wird. Die Polizei ist nicht nur Action, vieles läuft im Hintergrund. Wenn man einen Fall lösen will, dann sind die Grenadiere, die an der Front arbeiten, nur eines von vielen Puzzleteilen.

Das Buch ist auch Werbung für die Polizei. Hat die Polizei Werbung nötig?
Es ist toll, dass wir mit diesem Globi-Band ein Bild von der heutigen modernen Polizei vermitteln können. Und ja, das ist Werbung für später, vielleicht entscheidet sich das eine oder andere Kind einmal dazu, den Beruf zu ergreifen. Der Beruf Polizist weckt übrigens immer Interesse – sei es positiv oder negativ. Das gilt nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene.

Mit dem neuen Globi-Band zeigt die Polizei, dass sie Humor hat.
Auch in diesem Beruf geht mit Humor vieles leichter.

Sind Sie zufrieden damit, wie das Buch herausgekommen ist?
Sehr. Meine Kinder sind auch zufrieden, ich muss ihnen das Buch jeden Abend vorlesen. Seit ich dem Globi-Verlag meine Idee präsentiert habe, sind drei Jahre vergangen. Das war ein sehr langer Prozess, währenddessen ich immer nur einzelne Teile des Buches gesehen habe. Es ist schön, das Buch jetzt in einem Stück anschauen zu können.

Wechseln Sie nun den Beruf und werden Kinderbuchautor?
Nein. Das war für mich ein sehr interessantes Projekt und ich finde toll, was dabei rausgekommen ist. Ich hatte zwar die Grundidee, aber ich habe das Buch ja nicht geschrieben. * Name der Redaktion bekannt ()

Erstellt: 26.02.2016, 13:56 Uhr

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Infobox

Interventionseinheit Skorpion

Der Polizist, der die Idee für das Buch «Globi und der Goldraub» hatte, ist Mitglied der Interventionseinheit (IE) Skorpion der Stadtpolizei Zürich. Diese Sondereinheit wird in heiklen Si­tua­tio­nen mit hohem Gewaltpo­ten­zial aufgeboten. Dies können Geiselnahmen sein, die Festnahme von ­Gewaltverbrechern oder der Schutz gefährdeter Personen des öffentlichen Lebens. Sind die Skorpion-Mitglieder nicht in einem speziellen Einsatz, fahren sie in der normalen ­Stapo-Uniform Streife. Im Ernstfall können sie sich aber blitzschnell in «Skorpione» ­verwandeln.

Einer von fünf Arbeitstagen ist für spezielle Trainings reserviert: Taktik, Schiessfertigkeiten, Sport, mentales Training. Die Polizisten, die in die Sondereinheit aufgenommen werden, müssen besonders hohe Anforderungen erfüllen. Die IE Skorpion umfasst zurzeit etwa 70 Männer, Frauen werden nur im Personenschutz eingesetzt. sat

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Das Buch

Globi sitzt im Sprüngli-Café und möchte in Ruhe eine Limonade trinken und einen Krimi lesen. Doch dann gibt es einen lauten Knall und kurze Zeit später fahren Polizeiautos mit Sirenen auf den Paradeplatz. Räuber haben fast das ganze Gold aus einer Bank gestohlen und sind durch einen Tunnel abgehauen! Globi hilft der Stadtpolizei beim Aufklären des Falls und lernt nach und nach alle Abteilungen kennen, die es dafür braucht. «Globi und der Goldraub» ist eine turbulente ­Geschichte mit viel Witz und unerwarteten Wendungen.

Globi und der Goldraub Jürg Lendenmann, Globi-Verlag, 2016,
100 Seiten, ab 3 Jahren.

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