Münster

Münster, die attraktive Alternative

Auf der Suche nach unbekannteren Städtereisezielen könnte der Ausflug nach Westfalen führen.

Treffpunkt Münsteraner Innenstadt:?Hier am Lamberti-Kirchenplatz vor den Laubengängen.

Treffpunkt Münsteraner Innenstadt:?Hier am Lamberti-Kirchenplatz vor den Laubengängen. Bild: Melanie Frischmuth

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Wie war das noch mal mit dem Westfälischen Frieden? Der wurde in der Tat im Münsteraner Rathaus besiegelt – nach 30 Jahren Religionskrieg, der Katholiken und Protestanten gleichermassen so geschwächt hatte, dass sie 1648 einfach nur noch aufhören wollten. Damit kam der Achtzigjährige Unabhängigkeitskrieg der Niederlande zu einem Ende. Und die Eidgenossenschaft ging aus dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation hervor. Viel Geschichte für eine Stadt mit 300'000 Einwohnern; eine schon im Mittelalter reiche Stadt, die im Zweiten Weltkrieg durch sinn­lose Bombardements fast dem Erdboden gleichgemacht wurde (90 Prozent Zerstörung).

Doch die Münsteraner hielten am Gewohnten fest: Die Innenstadt wurde historisierend wieder aufgebaut, man rekonstruierte die Giebelfassaden der einstigen Kaufmannhäuser und die durchgehenden Arkaden. Schweizer Gäste fühlen sich deshalb sehr an Bern erinnert. Über weite Strecken kann man die Innenstadt unter Lauben durchqueren.

Die vielen kleinen Boutiquen und Feinschmeckerläden haben ihren Firmennamen in goldenen Lettern auf die Front gesetzt. Kein Schild, kein Logo übertrumpft das andere; die heimische Wirtschaft pflegt das Understatement. Auffällig ist nur die hohe Zahl eleganter Geschäfte, und damit sind nicht die internationalen Ketten gemeint, die man zusätzlich findet. Einen Gutteil seiner Zeit könnte man also mit Shopping verbringen, aber natürlich macht man sich nicht nur ­dafür auf die Reise in den Nordwesten Deutschlands, wo die Leute schon platt reden. In eine Region, die zu den regenreichsten des Landes zählt. Wo Altbier getrunken und sehr deftiges Essen dazu genossen wird. Aber ­dazu später mehr.

Die Revolte der Wiedertäufer

Eine Stadtführung ist eine gute Idee für eine Übersicht über die wichtigsten der 50 Kirchen in diesem dann doch katholisch geprägten Ort. Aus der Bezeichnung Monasterium, Kloster, geht der Ortsname hervor. Den abtrün­nigen Wiedertäufern war nur ein zweijähriges Intermezzo beschert, währenddessen sie Erwachsenen die bewusste Taufe zum reformierten Glauben abnahmen. Die konfessionelle Erneuerung begann und endete ­jedoch mit einem Gemetzel. Beim Bildersturm wurden die über­lebensgrossen Domstatuen zerschlagen. Sie stehen halbwegs ­geflickt im LWL-Landesmuseum für Kunst und Kultur und ­strahlen wieder in ihrer klassischen Schönheit. Eindrückliches Mahnmal sind aber auch die drei Eisenkörbe, die am Turm der Lamberti-Kirche hängen. Sie erinnern an die furchtbaren Fol­terungen und die Zurschaustellungen, denen die Täufer in der Gegenreformation ausgesetzt waren. Drei Irrlichter des Künstlers Lothar Baumgarten symbolisieren in den luftigen Käfigen die verlorenen Seelen der Unglücklichen.

1200 Jahre Stadtgeschichte

Das erwähnte LWL-Museum für Kunst und Kultur ist eine Schatztruhe der westfälischen Historie und darüber hinaus. In einem durchgehenden Rundgang werden 1200 Jahre Stadtgeschichte anhand künstlerischer Exponate präsentiert. Den Auftakt macht ein gewaltiges Triumphkreuz aus Eichenholz, das Ende des 12. Jahrhunderts in einer Dorfkirche hing. Maria und zehn Apostel, die spätgotische Figurengruppe aus dem Dom, gehört ebenfalls zu den Höhepunkten; sie wurden 1898 bei Strassenbauarbeiten wieder gefunden.

Auch das Familienbild des Grafen Rietberg (1564) erzählt eine besondere Story: Kunsthändler hatten das grossformatige Gemälde auf Holz nach dem Verblassen der Dynastie in einzelne Personenporträts zersägt und unter fragwürdigen Titeln («Ein englischer Lord», «Andachtsbild einer trauernden Witwe») ins Ausland verkauft. In einem veritablen Kunstkrimi fand das Puzzle über die Jahrhunderte wieder zusammen und hängt nun – restauriert, ergänzt und traut vereint – im LWL. Darüber hinaus besitzt das Museum eine bedeutende August-Macke-Kollektion und sammelt durch den Kunstverein weiter bis ins Zeitgenössische.

Interessant kann auch ein Rundgang durchs private Picasso-Museum sein, das jeweils in drei Räumen einen Teil seiner 8000 Lithografien ausstellt und in sechs Räumen eine hochkarätige Schau eines anderen Künstlers zeigt. Aber wo gute Kunst hängt, ist meist auch Kulinarik nicht weit. In Münster sind die Lokale eher von der rustikalen Sorte und somit sehr authentisch.

Kleiner Kiepenkerl

Es empfiehlt sich der Kleine Kiepenkerl, angelehnt an das Wahrzeichen der Stadt, einen mobilen Krämer, der seine Waren und­die Neuigkeiten von Ort zu Ort brachte. Auf der Speisekarte ­stehen Westfälische Krüstchen (Schweineschnitzel mit Spiegelei auf Toast), Sauerbraten rheinische Art (mit Apfelkompott und Kartoffelklössen), westfälischer Tafelspitz mit Zwiebelsosse und zum Dessert Herrencreme (Vanille mit Rum und Schokoladenstückchen) oder Münsterländer Stippmilch (Quarkspeise garniert mit Früchten). Allein diese Auswahl zeigt schon, dass man sich in Münster tagelang durchessen kann, vor allem, wenn man Fleisch mag.

Und ein Augenschmaus ist auch das Alte Gasthaus Leve von 1607, das mit holländischen Kacheln, Öfen und Tonkrügen ausgestattet ist. Wer dort den Friedensreiter-Spruch von 1648 liest, begreift, was das Haus schon alles miterlebt hat: «Ich komm von Münster her gleich sporenstreichs geritten, der Friede ist gemacht, gewendet alles leid. Jo, gantz Münster, Osnabrugg und alle Welt ist froh …»

Die Reise wurde unterstützt von Mövenpick. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 21.06.2016, 11:24 Uhr

Zimmer zum Fahrradthema. (Bild: pd)

Mövenpick Münster

Münster ist eine Fahrradstadt. Dieses Motto hat sich auch das Mövenpick-Hotel Münster gesetzt, das nicht nur die neuen Zimmer mit entsprechenden Bildern dekoriert hat, sondern auch Velos für seine Gäste bereitstellt. Damit fährt es sich bequem in die zehn Minuten entfernte ­Innenstadt oder durch die weitläufigen Parkanlagen am Aasee. Spaziergänger kehren gerne zur «Tea Time» im Mövenpick ein.

Etwas Besonderes sind für die Münsterianer aber auch die beiden Schweizer Restaurants. Das ausgiebige Frühstück bis 11 Uhr ist berühmt, und am Freitagabend gibt es ein Schweizer ­Buffet. Für Feinschmecker steht das etwas ruhigere Restaurant Chesa Rössli zur Verfügung. Hier wird auch so manche gute ­Flasche Wein kredenzt. Der ­Höhepunkt im Hotel ist jedoch der Sauna- und Fitnessbereich über den Dächern Münsters: Der Ruheraum blickt zur Altstadt und die Dachterrasse ins Grüne. (gsp)

Anreise

Wer Münster nicht in eine Deutschland-Reise einbauen kann, fliegt nach Düsseldorf (120 km) und nimmt dort den Zug oder Mietwagen.

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