Basteln

Sie teilt ihre Ideen mit der Welt

Natalie Kramer aus Zürich betreibt einen Blog, in dem sie Schritt-für-Schritt-Anleitungen für Bastelarbeiten anbietet, die Eltern mit ihren Kindern umsetzen können.

Natalie Kramer weiss, wie man das Seifenwasser für perfekte Riesenseifenblasen herstellt.

Natalie Kramer weiss, wie man das Seifenwasser für perfekte Riesenseifenblasen herstellt. Bild: Marc Dahinden

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Fünf bis sieben Stunden Arbeit investiert Natalie Kramer pro Woche in ihren Blog «Schäresteipapier». Sie entwirft Bastelanleitungen, die man mit Kindern zusammen umsetzen kann, fotografiert sie Schritt für Schritt, beschreibt sie, postet sie in ihrem Blog.

Ihr Lohn: Mütter und Lehrerinnen, die ihre Bastelideen umsetzen und ihr voller Begeisterung Fotos von den Produkten schicken. Und ein bisschen Geld, mit dem sie ihre Unkosten deckt. Den Blog unterhält Natalie Kramer neben ihrer 60-Prozent-Anstellung als Architektin und der Betreuung ihres Sohnes. Warum macht man so was?

Zu viele Ideen

Als Natalie Kramers Sohn etwa 3½ Jahre alt war, suchte sie im Internet nach Bastelideen für Buben. «Das war gar nicht so einfach, Bastelanleitungen richten sich eher an Mädchen», erzählt sie. Fündig wurde sie im englischsprachigen Raum. Seit ihrer Kindheit hatte die Architektin nicht mehr gebastelt, aber nun frass sie den Narren an der Arbeit mit Papier und Schere.

«Ich hatte ganz viele Ideen, kaufte viel Material und bastelte wie wild.» Zusammen mit dem Sohn bastelte sie zum Beispiel Geschenke. Doch eine Freundin fühlte sich überfordert von der schönen Bastelarbeit. «Da habe ich mir gesagt: Entweder ich schraube etwas zurück ­– oder ich gehe mit meinen Ideen in die Welt hinaus.»

Das Bastelfieber ausleben

Das war vor vier Jahren. Seither gibt es den Blog «Schäresteipapier». «Der Blog ist für mich eine Möglichkeit, mein Bastelfieber auszuleben und mit anderen zu teilen», erklärt Natalie Kramer. Obwohl sie inzwischen ein Bastelprofi geworden ist, sind ihre Anleitungen für Einsteiger gedacht. «Es ist mir ein grosses Anliegen, Eltern dazu zu bringen, mit ihren Kindern etwas Kreatives zu machen.»

Damit es Eltern gelingt, ihre Kinder von Fernseher, Computer und Handy wegzulocken, müssten sie ein gutes Angebot haben. Eltern von Bastelmuffeln – das sind oft Buben – empfiehlt die Bloggerin, TV-Figuren oder die Helden von Computergames, die das Kind mag, mit Knete, Bügelperlen oder auf Papier nachzubilden. «Findet man den richtigen Zugang, sind Kinder schnell begeistert vom Basteln», weiss sie aus Erfahrung.

Jahresbastelkalender nach angelsächsischer Tradition

Etwa zweimal pro Woche postet Natalie Kramer kleinere Beiträge, zum Beispiel einen Buchtipp, ein inspirierendes Bild oder den Fragebogen zu einem Thema, den befreundete Bloggerinnen oder Leserinnen ausgefüllt haben. Einmal im Monat schaltet die Bloggerin einen grösseren Basteltipp auf.

Der Blog «Schäresteipapier» ist ein Jahresbastelkalender nach an­gelsächsischer Tradition. Zu Feierlichkeiten im Jahreslauf wie Valentinstag, Ostern, Muttertag, Halloween, Samichlaus oder Weihnachten postet Natalie Kramer immer einen Beitrag. Meistens drehen sich die Anleitungen ums Basteln, manchmal geht es im Blog aber auch ums Backen, Experimente in der Küche oder das Bepflanzen des Balkongartens. Da gute Bilder das A und O eines attraktiven Blogs sind, hat Natalie Kramer inzwischen ein Minifotostudio zu Hause, mit dem sie die Anleitungen Schritt für Schritt ablichtet.

Virtuelle Kontakte pflegen

Wer als Bloggerin erfolgreich sein will, kann sich nicht auf das Posten von Beiträgen beschränken. Erfolgreich sein heisst: möglichst viele Besucher auf die eigene Website locken. Und das gelingt nur, wenn man virtuelle Kontakte mit Gleichgesinnten pflegt, Gastbeiträge für andere Bloggerinnen und Blogger verfasst und auf weiteren Kanälen wie Facebook, Pinterest oder Instagram Werbung für sich selbst macht.

Die Bloggerinnen einer Sparte sind eine Gemeinschaft, die sich gegenseitig motiviert, teilweise aber auch konkurriert. «Ich stehe mit Gleichgesinnten auf der ganzen Welt in Kontakt, die ich ohne den Blog nie kennen gelernt hätte.» Den Blog von Natalie Kramer besuchen täglich etwa 1000 Personen. Das sind nicht so viele; Bastelblogs sind im deutschsprachigen Raum eine Nische.

Viele Besucher sind gut fürs Ego – aber unter Umständen auch fürs Portemonnaie. Je mehr Personen einen Blog lesen, desto interessanter wird dieser für Werber. Natalie Kramer verdient ein wenig Geld, wenn jemand auf ihrer Seite auf das Werbefenster klickt oder über ihre Seite ein Buch bestellt. Manchmal kann sie auch gegen Honorar einen Beitrag für einen grösseren Blog verfassen oder ein Produkt vorstellen.

Experimentierfeld ohne Ziel

Für Natalie Kramer ist das Bloggen ein interessantes Experimentierfeld, bei dem sie nicht genau weiss, was herauskommt. Inzwischen ist ihr Sohn zehn Jahre alt, die Anleitungen im Blog richten sich aber vor allem an Fünf- bis Achtjährige. «Ich bin immer noch mit Begeisterung dabei», sagt Natalie Kramer, «aber ich weiss nicht, wie lange ich den Blog noch mache.» (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 13.05.2016, 15:11 Uhr

Basteltipps

Natalie Kramer hat für diese Zeitung bereits vier Basteltipps entwickelt. Klicken Sie auf die Links, um die Tipps zu öffnen.

Bloggen für Anfänger

Ein Blog ist ein auf einer Website geführtes, meist öffentlich einsehbares Tagebuch oder Journal, in dem die Bloggerin oder der Blogger Berichte, Anleitungen oder Fotos postet. Viele Menschenrechtler, zum Beispiel in Ländern wie Iran oder China, benutzen Blogs, um unzensuriert über die aktuelle politische und soziale Lage zu berichten. Inzwischen gibt es aber Blogs über ganz unterschiedliche Themen.

Am finanziell erfolgreichsten sind Modebloggerinnen, die zum Teil Millionen von Anhängern haben. Sie bekommen von Firmen Geld dafür, dass sie deren Kleider in ihrem Blog vorstellen.

Bloggen kann jeder­ – und anfangen kann man jederzeit. Man braucht nur einen Computer und etwas Geduld, bis man sich ein Layout geschaffen hat, das einem gefällt und das funktioniert. Natalie Kramer empfiehlt Einsteigern die beiden Gratis-Webdienste für Blogs Blogger.com (von Google) und Wordpress. Wer das Bloggen nur ein bisschen ausprobieren will, kann auch mit Beiträgen auf Instagram beginnen. Instagram ist eigentlich eine Plattform für Bilder, doch viele betreiben dort eine Art Blog.

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