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Rücktritt nach Abgeltungs-SkandalenBernard Guillelmon tritt als BLS-Chef zurück

BLS-CEO Bernard Guillelmon gibt seinen Posten ab. Eine externe Untersuchung zeigt, dass die BLS-Führung bereits im Frühling 2017 von zu hohen Abgeltungen wusste – und dies verschwieg.

Bernard Guillelmon tritt zurück.
Bernard Guillelmon tritt zurück.
Foto: Keystone

Die BLS hat am frühen Freitagmorgen den Rücktritt ihres CEO Bernard Guillelmon bekannt gegeben. Guillelmon gibt den BLS-Chefposten bereits auf Ende Oktober ab. Ad interim wird dann Dirk Stahl, der stellvertretende CEO und Leiter von BLS Cargo, das bernische Bahnunternehmen leiten.

Auch BLS-Verwaltungsratspräsident Rudolf Stämpfli will abtreten. Er werde an der Generalversammlung 2021 nicht mehr zur Wiederwahl antreten, wie er gegenüber der «Berner Zeitung» sagte.

Der Rücktritt erfolgt nach einer Serie von überhöhten Subventionsbezügen der BLS. Den Ausschlag für den Abgang von BLS-Chef Guillelmon dürften Erkenntnisse aus einer externen Untersuchung gegeben haben, die der BLS-Verwaltungsrat in Auftrag gab.

Die beauftragte Beratungsfirma PWC kam zum Schluss, dass die BLS-Geschäftsleitung bereits im Frühling 2017 informiert wurde, dass Halbtaxerlöse aus dem Libero-Verbund nicht verbucht wurden – und dass sie dies bewusst verschwieg. «Die Geschäftsleitung hat dies als betriebswirtschaftliche Risikominimierung akzeptiert, da Bund und Kantone die Finanzierung einzelner abgeltungsberechtigter Posten ablehnten», steht dazu in der Medienmitteilung der BLS.

Guillelmon ist als CEO der Vorsitzende der BLS-Geschäftsleitung. Allerdings ist in ihr auch sein Stellvertreter Dirk Stahl vertreten, der das Bahnunternehmen ab November ad interim leiten soll. Das wirft die naheliegende Frage auf, ob Stahl ebenfalls Mitwisser der bewusst verschwiegenen Fehlbuchung war.

Der bernische Regierungsrat hat am Freitagmorgen zudem angekündigt, dass er das Verfahren, mit dem die öffentliche Hand bei der BLS die ÖV-Leistungen bestellt, extern untersuchen lässt. «Der Bericht soll die Prozesse der BLS und die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure im Bestell- und Planungsprozess durchleuchten und aufzeigen, wie Vereinfachungen realisiert werden», schreibt die Kantonsregierung.

Bernische Regierung will Geld zurück

Bereits zuvor hat Verkehrsdirektor Christoph Neuhaus (SVP) erklärt, dass der Kanton zu viel bezahlte Subventionen von der BLS zurückfordern wolle.

Am Donnerstagabend wurde bekannt, dass die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) in einem Prüfbericht zum Schluss gekommen war, dass fehlerhafte Spartenrechnungen der BLS «zu hohe Abgeltungszahlungen» des Bundes und des Kantons Bern für den regionalen ÖV verursacht haben.

Der neue Befund kommt zu den zwei bereits bekannten Fällen, in denen die BLS mit fehlerhaften Abrechnungen zu viel Staatsgelder kassiert hatte. So hatte sie mit überhöhten kalkulatorischen Zinsen 29 Millionen Franken und aufgrund einer lückenhaften Abrechnung der Einnahmen aus dem Libero-Verbund 44 Millionen zu viel kassiert, die sie der öffentlichen Hand zurückzahlen muss.

Die BLS hat für 10 Uhr zu einer Medienorientierung mit Bernard Guillelmon, Verwaltungsratspräsident Rudolf Stämpfli und Ueli Dietiker, Verwaltungsrat und Vorsitzender des Ausschusses Finanzen und Revision eingeladen.

14 Kommentare
    Ueli Murer

    Das Management hat mit Bereicherungsabsicht gehandelt. Die Verbesserung der Erfolgsrechnung mit illegalen Buchungstricks hatte zur Folge, dass der Bonus des CEO über Jahre höher ausgefallen ist.