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Crowdfunding in Winterthur erfolgreichBreite Unterstützung für Buchparadies

Das Buchparadies Ruoss rief um Hilfe – und wurde gehört. Über 10’000 Franken und ein eigens gegründeter Verein helfen dem Antiquariat über die Runden.

Das Buchparadies Ruoss gibt es bald nur noch an der Tösstalstrasse. Der Standort an der Obergasse macht diesen Sommer zu.
Das Buchparadies Ruoss gibt es bald nur noch an der Tösstalstrasse. Der Standort an der Obergasse macht diesen Sommer zu.
Foto: PD

Langweilig wird es Rahel-Medea Lang nicht in den nächsten Monaten. «Ich bin wie wahnsinnig daran, alle meine Bücher zu sichten», sagt die Besitzerin des Antiquariats Buchparadies Ruoss. 40000 Werke sind es, die sie bis zur Auflösung des Lokals an der Obergasse in die Hand nehmen muss, um bei jedem einzeln zu entscheiden: mitnehmen oder entsorgen?

Immerhin: Allein steht sie der Herausforderung, ihre zwei Verkaufslokale notgedrungen wieder auf eines – das ursprüngliche an der Tösstalstrasse – zu reduzieren, unterdessen nicht mehr gegenüber. Ein Crowdfunding, das sie Ende März gestartet hat, um die Fixkosten während der Umzugsphase abzudecken, hat inzwischen den nötigen Mindestbetrag von 10000 Franken überschritten. «Damit fällt schon mal ein grosser Druck von mir ab», sagt LangMiete und Personalkosten sind gesichert. Das Crowdfunding läuft noch bis Ende Monat. «Dann kann ich entscheiden, was beim Umzug alles möglich ist.»

Unterstützung durch Verein

Weitere Hilfe kommt vom neu gegründeten Verein Pro Buchparadies, der sich für den Erhalt des Antiquariats einsetzt. Zu verdanken hat Lang die Unterstützung der Initiative von Martin Spaar, dessen Sohn im Buchparadies ein Praktikum absolvieren konnte, um sich auf seine Buchhändlerlehre vorzubereiten. Dass der Kleinbetrieb Praktika anbietet, hatte Spaar begeistert: «Solche Stellen sind heute leider rar – dabei wären sie für den Berufseinstieg extrem wichtig.» Als Kunde kannte er Langs Laden auch selbst schon. «Eine so grosse Auswahl findet man sonst selten und diese Bücher würden ansonsten einfach verloren gehen.»

Etwa dreissig Mitglieder habe der Verein im letzten Monat bereits anwerben können. «Damit wir nachhaltig etwas bewirken können, brauchen wir wohl um die 250 Leute, die sich engagieren», sagt Spaar. Momentan liege der Fokus auf dem Buchparadies. «Dort ist halt gerade wirklich Not am MannIn Zukunft müsse die Arbeit des Vereins aber nicht auf Langs Geschäft beschränkt bleiben, sondern soll auch darüber hinaus neue Wege finden, für das gedruckte Wort zu begeistern. Ideen haben die Bücherfreunde um Vereinspräsident Spaar bereits einige – zum Beispiel eine Onlineplattform für Buchbegeisterte sowie Lesungen und sonstige Liveanlässe.

Ausverkauf im Paradies

Ab dem 12. Mai ist das Buchparadies nun wieder geöffnet, jeweils samstags findet an der Obergasse ein Ausverkauf statt. Je mehr rausgeht, desto weniger muss Lang schliesslich entsorgen. Alles mitnehmen kann sie nicht auch wenn ihr das Aussortieren schwerfällt. Behalten tut sie einerseits die teureren Werke: «Bei einem hundertfränkigen Buch geht es halt jeweils eine Weile, bevor der Kunde auftaucht, der genau das haben will.» Andererseits richtet sie sich danach, wie begehrt der Lesestoff ist: «Wenn ein Buch seit sieben Jahren nicht verkauft wurde, dann ist jetzt halt der Zeitpunkt gekommen, mich davon zu trennen.»