Zum Hauptinhalt springen

Acht Infizierte an BordBritische Behörden verschlafen Contact-Tracing nach Flug mit über 200 Passagieren

Acht Jugendliche haben sich nach einem Flug von Kreta nach London einem Corona-Test unterzogen. Die Tests waren positiv – die restlichen Passagiere blieben darüber jedoch lange im Dunkeln.

Die Behörden erkundigten sich offenbar nicht nach den Reisedaten der Infizierten: Reiserückkehrer am Flughafen London-Heathrow.
Die Behörden erkundigten sich offenbar nicht nach den Reisedaten der Infizierten: Reiserückkehrer am Flughafen London-Heathrow.
Foto: Andy Rain (EPA/Keystone) 

Der Sommer geht zu Ende, die letzten Urlauber kehren aus den Ferien zurück. Doch mit der Rückkehr insbesondere aus dem Ausland fragen sich viele auch: Habe ich mich vielleicht angesteckt? Viele lassen sich testen, entweder weil es die Behörden verlangen oder weil sie unsicher sind. So ist die Anzahl durchgeführter Corona-Tests in der Schweiz in den letzten Wochen stark angestiegen. Aber auch in Grossbritannien werden immer mehr Tests durchgeführt, nach Angaben der Regierung derzeit 186’500 Tests pro Tag. Zum Vergleich: Anfang Juli waren es im Sieben-Tage-Schnitt noch etwa 133’000.

Auch acht Jugendliche aus der Grafschaft Hampshire liessen sich vergangene Woche nach ihrer Rückkehr aus Kreta testen. Dies, weil Freunde aus Griechenland bereits positiv getestet worden waren. Das Resultat der acht Jugendlichen fiel ebenfalls positiv aus. Dies hätte vonseiten der Gesundheitsbehörden eine sofortige Benachrichtigung der Fluggesellschaft, mit welcher die Jugendlichen gereist waren, nach sich ziehen sollen. Diese wiederum hätte im Normalfall alle weiteren 204 Passagiere des Fluges informiert. Doch so weit kam es nicht.

Wie der «Guardian» am Mittwoch berichtete, erfuhr die Fluggesellschaft nämlich erst durch die Zeitung von den positiven Tests ihrer Passagiere. «Wizz Air wurde nicht darüber informiert, dass acht Passagiere an Bord des Fluges 8168 von Iraklio nach London-Luton am 25. August inzwischen positiv auf Covid-19 getestet worden waren», bestätigte die Airline. Man habe nun alle relevanten Gesundheitsbehörden in England informiert, welche für die Kontaktaufnahme und die Beratung der 204 weiteren Passagiere verantwortlich seien.

Doch was ist schiefgelaufen?

Wer in das Vereinigte Königreich einreist, muss vorher ein sogenanntes Passenger Locator Form (PLF) ausfüllen. In diesem Formular werden persönliche Angaben sowie Reisedaten wie Ankunftszeit und Aufenthaltsort abgefragt. Entwickelt ein Mitreisender Corona-Symptome, kann die Regierung mittels der Angaben Kontakt mit dem Betroffenen und den weiteren Passagieren aufnehmen. Es ist also ein wichtiges Instrument für das Contact-Tracing.

Wie ein Jugendlicher gegenüber der Zeitung jedoch erklärte, sei weder bei ihm noch seinen Kollegen dieses Formular kontrolliert worden. «In Griechenland überprüften sie die PLFs viel sorgfältiger, aber nicht in England. In London waren sie nicht sehr engagiert.» Zwar sei er nach dem positiven Testresultat wiederholt von Contact-Tracern angerufen worden. Keiner der Anrufer habe sich jedoch nach seinen Flugdaten erkundigt, so der 18-Jährige.

Formulare werden selten kontrolliert

Das Formular muss theoretisch online ausgefüllt und in ausgedruckter oder digitaler Form an der Grenze vorgewiesen werden. Macht man das nicht, droht eine Busse von bis zu 100 Pfund (etwa 120 Franken). Wie der «Guardian» kürzlich publik machte, nehmen es die Grenzbehörden jedoch nicht ganz so ernst mit den Formularen.

Laut dem Zeitungsbericht, welcher sich auf nicht näher genannte Quellen stützt, werden die Einreisenden nämlich nur stichprobenartig kontrolliert. Dabei würde bei weniger als einem Drittel aller Rückkehrer überprüft, ob sie das Formular ausgefüllt haben. Von den Behörden wird dies mit fehlenden finanziellen und zeitlichen Ressourcen begründet. Es sei logistisch niemals möglich, 100 Prozent aller Passagiere zu überprüfen, heisst es.

Griechenland befindet sich nicht auf der Risikoliste des Vereinigten Königreichs. Mit etwa 14 Corona-Fällen pro 100’000 Einwohnern innert sieben Tagen unterschreitet es den kritischen Wert von 20, den die britische Regierung gesetzt hat, noch klar. Damit besteht für britische Reiserückkehrer aus Griechenland keine Pflicht zur Selbstquarantäne.

sho

1 Kommentar
    Der rosarote Panther

    Es gab Ende August einen Flug von TUI von Griechenland nach Cardiff, UK. Nach der Ankunft wurden 16 Passagiere positiv getestet. Bei 7 Passagieren geht man inzwischen davon aus, dass sie sich während des Flugs angesteckt hatten.