Erlenbach

Britische Gartenarbeiter zocken Hausfrau an Goldküste ab

Die Reinigung ihrer Terrasse ist eine Erlenbacherin teuer zu stehen gekommen. Sie blätterte 5000 Franken hin, nachdem die Arbeiter sie unter Druck gesetzt hatten. Die Fremden hatten die Frau vor der eigenen Haustüre abgepasst und sich als Angestellte einer britischen Gartenfirma ausgegeben.

Aufgepasst: dubiose Gärtner bieten an der Goldküste ihr überteuerten Dienste an.

Aufgepasst: dubiose Gärtner bieten an der Goldküste ihr überteuerten Dienste an. Bild: Symbolbild/Keystone

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Sie wollte gerade die Kinder zur Schule schicken, als der Lieferwagen mit drei Männern vor ihrem Haus in Erlenbach vorfuhr. Ob Sie einen Moment Zeit habe?, wollten die drei Fremden von der Hausfrau wissen und gaben sich als Mitarbeiter einer britischen Garten- und Reinigungsfirma aus. Auf Englisch erzählten die drei Männer, sie hätten eben in der Nähe einen Auftrag erledigt. Und sie hätten nach der Oberflächenreinigung eines Gartenvorplatzes noch Chemikalien übrig. Gerne würden sie deshalb auch ihre Terrasse reinigen.

«Ich war gestresst und mit meinen Kindern beschäftigt», sagt die Frau in den Vierzigern, die noch immer nicht glauben kann, was ihr widerfahren ist. Sie hat sich an die Zürichsee Zeitung (ZSZ) gewandt, um andere zu warnen. Noch bevor sie die Kinder verabschiedet hatte, standen die drei Männer bei ihr im Garten. «Sie haben einfach losgelegt», erzählt die Erlenbacherin. Sie schickte die Kinder sofort weg und stellte die Arbeiter, die sich bereits an den Granitplatten zu schaffen gemacht hatten, zur Rede. «Ich wollte sie irgendwie stoppen», erzählt die Frau. «Ich konnte die doch nicht arbeiten lassen, ohne zu wissen, was das kostet.»

Opfer unter Stress gesetzt

Als sie ihre Bedenken äusserte, wurde die Situation konfus. Die Erlenbacherin kann nicht mehr rekonstruieren, wie sie sich im Detail abgespielt hat. «Die drei Männer haben Druck aufgesetzt. Sie waren nicht böse, aber sehr bestimmt. Da ich allein zuhause war, fühlte ich mich unwohl.» Sie willigte schliesslich auf eine Entschädigung von 5000 Franken ein.

Die Quittung mit dem Logo einer Londoner Garten- und Reinigungsfirma, welche die Arbeiter der Frau später auf ihr Verlangen hin ausstellten, beläuft sich auf 4185 Euro. Sie hätten sie dazu gedrängt, den Betrag bar und in Euro zu bezahlen. Die Frau musste dafür zur Bank, weil sie keinen so hohen Betrag zu Hause hatte. «Die haben aber von Anfang an gemerkt, dass bei uns so viel zu holen ist», sagt das Opfer.

Aus Scham zuerst geschwiegen

Die Erlenbacherin ist überzeugt, dass die Trickser sie gezielt ausgesucht haben. Überhaupt hätten sie sehr eigenartige Fragen gestellt – beispielsweise, wie hoch die Miete für das Haus sei. «Ich gab Informationen preis, die ich sonst niemandem gebe – weil ich diese unangenehme Situation so schnell wie möglich hinter mich bringen wollte.» Irritiert habe sie zudem, dass die Männer ständig Fotos vor ihrem Haus gemacht hatten.

Erst nachdem die Unbekannten mit dem Geld verschwunden waren, wurde der Frau richtig klar, was vorgefallen war. Von Enkeltrickbetrügern, die älteren Menschen Tausende von Franken abknöpfen, habe sie schon gehört. «Mir war immer ein Rätsel, wie das möglich ist.»

Die Polizei habe sie erst drei Wochen später aufgesucht, weil sie sich geschämt habe. «Man sagte mir, dass nichts mehr zu machen sei», sagt sie. Den Lieferwagen mit britischem Kennzeichen haben ihr Mann und sie später noch einmal in Erlenbach gesehen – zusammen mit einem weiteren, ebenfalls etwas heruntergekommenen Wagen mit französischer Nummer. Einen Schriftzug der Firma trugen die beiden Autos nicht.

Mitarbeiter taucht ab

Die Männer arbeiten offenbar tatsächlich für die besagte Garten- und Reinigungsfirma, die ihren Sitz in London hat. Gemäss derer Website deckt sie zwar nur Aufträge im Einzugsgebiet der britischen Hauptstadt ab. Auf eine verdeckte schriftliche Anfrage der ZSZ, die der Firma per Mail einen Auftrag in der Region Zürich schmackhaft machte, reagierte das Unternehmen aber umgehend. Man solle bitte Adresse und Telefonnummer bekannt geben – man komme gerne vorbei, schrieb ein Mitarbeiter. Um welche Arbeiten es sich handelt, interessierte ihn nicht.

Als die ZSZ von ihm eine Offerte verlangte, ihn mit dem Vorfall in Erlenbach konfrontierte und sich nach den Geschäftspraktiken der Firma erkundigte, brach der Kontakt ab.

Auch in Hombrechtikon aktiv

Die Masche, mit der die Erlenbacherin übertölpelt wurde, ist keineswegs neu. Vor zwei Wochen berichtete die ZSZ über einen ähnlichen Fall in Hombrechtikon. Damals bot ein dubioser Handwerker Fassadenreinigungen an. Er tat dies unter dem Namen einer Firma in Embrach, dessen Inhaber den Handwerker aber nicht kennt.

Seriöse Handwerker leiden unter solchen betrügerischen Anbietern. «Wir raten davon ab, Arbeiten an der Haustüre zu vergeben», sagte Peter Doderer, Präsident des Verbands Zürcher Malerunternehmer, vor zwei Wochen in dieser Zeitung. Zudem sei es nicht üblich, dass man die Rechnung – wie es in Hombrechtikon und Erlenbach verlangt wurde – nur bar oder mit einem Scheck begleichen könne.

Erstellt: 05.07.2018, 16:51 Uhr

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