Freienstein-Teufen

Afrikanische Zwergschafe als Rebbaugehilfen

Um den Arbeitsaufwand im Rebberg zu reduzieren lässt ein findiger Weinbauer aus Freienstein neuerdings Kamerunschafe in die Reben. Nach ersten Tests und gewissen Traubenverlusten zeigt sich, dass die Tiere schnell lernen.

Die Kamerunschafe ersparen Andreas und Prisca Schwarz viel Arbeit. Video: Sybille Meier, Hannah Scharnagl

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«Den Shiraz haben sie lieber», sagt Andreas Schwarz und lacht. Zusammen mit seiner Frau Prisca steht der Unterländer Weinbauer an diesem Morgen mitten in einer kleinen Schafherde. Die sehen untypisch aus für Schafe mit ihren kurzen Haaren und ebensolchen Beinen – besondere Tiere eben.

Aber genau sie benötigt Schwarz für seine neuste Idee, um auf seinem Land das stark spriessende Grün im Zaum zu halten. Und zwar nicht nur Wiesenbord und Strassenränder, sondern ganze Rebzeilen. Denn der Aufwand im Rebberg am Südhang des Irchels ist enorm und bedeutet viel Handarbeit. «Wir haben keine Festangestellten», sagt der 42-Jährige. Dafür sind die Kamerunschafe nun seine neusten Helfer.

Das Risiko hat sich gelohnt

Die Schafe sollen auf natürliche Weise das Mähen unter den Stöcken übernehmen. Dabei dürfen sie nebst den Gräsern und dem Unkraut auch die untersten Blätter an den Reben abfressen. Aber würden die gefrässigen Viecher die Trauben selbst in Ruhe lassen? Erste Tests verliefen ziemlich ernüchternd, erzählen die beiden. Sie haben ihre Versuche dokumentiert. Auf dem eigenen Internetblog zeigen sie in einem unterhaltsamen Video, was von den Rebzweigen übrig blieb: nämlich so gut wie nichts.

«Das erspart uns extrem viel Arbeit.»Prisca Schwarz, Winzerin

Ehefrau Prisca zeigte sich daher skeptisch, als es um die Frage ging, ob die braunen Mähdrescher in den Rebberg dürfen oder nicht. «Wer nicht wagt, der nicht gewinnt», gab sich ihr Mann jedoch mutig und wollte das Risiko auf sich nehmen. Denn der Winzer weiss: «Die noch grünen Beeren sind derart sauer, dass keine Kreatur sowas freiwillig mehr als einmal anbeisst.»

Die neuen vierbeinigen Helfer im Freiensteiner Rebberg sehen zwar aus wie Ziegen, sind aber tatsächlich Schafe. Bild: Sibylle Meier

Auf einem kleinen Rundgang Ende Juli zeigt sich nun: Der Plan scheint aufzugehen. «Das erspart uns extrem viel Arbeit», freut sich inzwischen auch Prisca, während ihr Mann zufrieden auf die Reben blickt und die Arbeit der Schafe begutachtet. «Hier sieht man gut, wie sie alles im unteren Bereich weggefressen haben. Und die Trauben sind immer noch dran.» Übrigens nicht nur die Beeren der Sorte Sauvignon Blanc, sondern auch nebenan beim Shiraz hängen sie noch.

«Und wenn sie mal eine anfressen, ist das auch nicht so schlimm», gibt er sich gelassen. Denn Ertrag gibts heuer ohnehin genug. Ohne die Schafe, hätte Andreas Schwarz alles selber von Hand entlauben müssen, was eine Heidenarbeit gibt. Da die bisherige Gruppe von elf Tieren nur etwa fünf Prozent seiner rund sechs Hektaren Rebfläche entlaubt, bleibt ihm diese Aufgabe dennoch nicht zu knapp erhalten. Erst wenn die Beeren allmählich die Farbe wechseln und süss werden, müssen die Schafe den Rebberg verlassen.

Solange die Trauben noch grün sind, fressen die Schafe nur die Blätter ab. Bild: Sybille Meier

Zucht aus dem Nachbardorf

«Wir hatten mal zwei typische weisse Schafe, aber die sind nicht hierfür geeignet. Die würden bis weit hinauf viel zu viel abfressen», sagt Prisca. Die Kamerunschafe hat die Familie Schwarz von einem befreundeten Weinbauer aus dem Nachbardorf. Dieser lasse die Vierbeiner bislang allerdings nicht an die Reben.

Dabei zeigt sich, dass gerade die kleinwüchsigen Tiere, die vom westafrikanischen Zwergschaf abstammen, gut als Rebbaugehilfen geeignet sind. Sie müssen nicht geschert werden, gelten als anspruchslos, sind robust und trotzen der Kälte wie auch der Hitze.

Erstellt: 02.08.2019, 13:47 Uhr

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