Kloten

Saudisches Armeeflugzeug hat Munition abgeholt

Am Mittwochmittag ist ein Transportflugzeug der saudi-arabischen Armee am Flughafen Zürich gelandet. Es hat Munition für Flugabwehrgeschütze abgeholt. Der Auftrag ist vom Bund bewilligt.

Von Mittwochmittag bis gestern Nachmittag stand die Lockheed C-130 Hercules der saudi-arabischen Armee beim Heliport.

Von Mittwochmittag bis gestern Nachmittag stand die Lockheed C-130 Hercules der saudi-arabischen Armee beim Heliport. Bild: Florian Schaer

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Waffenlieferung aus der Schweiz ins Ausland sind politisch höchst umstritten. Im Falle vieler arabischen Staaten wurden sie diesen Frühling vom Bundesrat gar komplett verboten. Weil im Jemen ein Stellvertreterkrieg tobt, an dem sich diverse arabische Nationen beteiligen. Unter anderem ist Saudi Arabien erstmals wieder in einem Krieg aktiv, nachdem sich die Herrscher über Generationen zurückgehalten haben. Deshalb unterstehen auch Waffenlieferungen nach Saudi Arabien dem Moratorium des Bundesrats.

Umso erstaunlicher ist es, dass am Mittwochmittag ein Transportflugzeug der saudi-arabischen Armee in Kloten gelandet ist – eine Maschine des Typs Lockheed C-130 Hercules. Bis gestern Nachmittag stand sie beim Heliport auf den Standplätzen Whiskey zwischen Privatjets.

Bereits vor einem Jahr machte das Transportflugzeug der saudi-arabischen Armee am Flughafen Zürich Halt. Video: Youtube/SchmidProductions

Ausfuhr war bereits bewilligt

Eine Nachfrage beim Bundesamt für Zivilluftfahrt klärt auf, was die saudische Maschine in Kloten machte: Sie lud Flab-Munition der Rheinmetall Air Defence AG ein. Das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco bestätigt den Transportauftrag und ergänzt: Es handelt sich konkret um Munition für Flugabwehrgeschütze.

Solche wären jetzt eigentlich verboten. Ja, sagt Fabian Maienfisch vom Seco dazu, erklärt aber: Seit dem Bundesratentscheid im März werden Gesuche für die Ausfuhr von Kriegsmaterial nach den in den Jemen-Konflikt verwickelten Staaten zurückgehalten. Dazu gehört auch Saudi-Arabien. Maienfisch ergänzt: Früher bewilligte Geschäfte, wie die in Frage stehende Ausfuhr von Munition zu Fliegerabwehrsystemen, sind davon aber nicht betroffen.

Die Zurückhaltung von Gesuchen erfolgte, um ohne zeitlichen Druck unter Berücksichtigung der Entwicklung der Lage handeln zu können. Seit dem Bundesratentscheid habe man nur einzelne Ausnahmen wie beispielsweise die Lieferung von Einzelwaffen an Privatpersonen bewilligt, erklärt Maienfisch. Er weist auch darauf hin, dass Fliegerabwehrsysteme defensiven Zwecken dienen. In der Offensive, in welche Saudi Arabien derzeit verwickelt ist, nützt die Munition also nichts. Zudem sei die Gefahr eines Missbrauchs relativ klein, wie Maienfisch weiss.

Antonov belieferte Pakistan

Schon vor dem Armeetransporter der Saudis hat am Flughafen Zürich anfangs Woche ein grosser Frachter für Aufsehen gesorgt. Eine Antonov 124 – die kleine Schwester der riesigen Antonov 225 – hat dabei ein Luftabwehrsystem der Rheinmetall nach Pakistan geflogen. Auch das vom Seco bewilligt. Es handelte sich dabei um eine Rücksendung nach einer Garantiereparatur, sagt Maienfisch dazu. Pakistan sei zudem vom Moratorium ohnehin nicht betroffen, weil es sich von einem Engagement im Jemen distanziert hat. Ausfuhren nach Pakisten seien deshalb nicht per se ausgeschlossen. Gesuche würden jeweils mit dem auswärtigen Amt besprochen und dann bewilligt oder abgelehnt.

Diese Antonov 124 holte in Kloten kürzlich ein Luftabwehrsystem ab, um es nach Pakistan zu liefern. Video: Youtube/SchmidProductions (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 20.11.2015, 17:09 Uhr

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