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Steuermillionen für islamisches HilfswerkBund wäscht umstrittene islamische Hilfsorganisation rein

Ein interner Bericht kommt zum Schluss, dass am Engagement der Schweizer Entwicklungshilfe bei der britischen Islamic Relief nichts auszusetzen sei. Nun kommen neue antisemitische Entgleisungen der Hilfsorganisation ans Licht.

Wegen antisemitischer Äusserungen aus dem Führungsgremium von Islamic Relief entfernt: Almoutaz Tayara (links) und Heshmat Khalifa.
Wegen antisemitischer Äusserungen aus dem Führungsgremium von Islamic Relief entfernt: Almoutaz Tayara (links) und Heshmat Khalifa.
Foto: Facebook, The Times

Das Schweizer Aussendepartement (EDA) hätte keinen schlechteren Zeitpunkt auswählen können, um die Resultate eines internen Untersuchungsberichts zu publizieren. Am Freitag nahm das EDA auf seiner Website ausführlich Stellung zum Vorwurf, Islamic Relief stehe radikalen islamischen Gruppierungen nahe. Die «SonntagsZeitung» hatte publik gemacht, dass das EDA mit rund 3 Millionen Franken ein Hilfswerk unterstützt hatte, das Islamisten nahesteht. Die Gelder flossen über die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) zu Islamic Relief, vor allem für Projekte im Gazastreifen. Auslöser, die Zahlungen der Deza unter die Lupe zu nehmen, waren antisemitische Äusserungen eines Kadermitglieds von Islamic Relief, die zwar schon rund fünf Jahre zurückliegen, aber erst jetzt zum Thema wurden.

«Ein glaubwürdiger und solider Umsetzungspartner»

Das Hilfswerk habe sich von rassistischen und antisemitischen Äusserungen öffentlich distanziert, bilanziert der Untersuchungsbericht. Die antisemitischen Äusserungen des ehemaligen Direktors von Islamic Relief, Heshmat Khalifa, seien inakzeptabel, aber die Reaktion des Hilfswerks zeige, «dass es sich bei den Äusserungen um Fehlleistungen eines Mitarbeiters» und nicht der Organisation handle. Das EDA halte Islamic Relief für einen «glaubwürdigen und soliden Umsetzungspartner».

Khalifa hatte die Juden in sozialen Medien unter anderem als «Grosskinder von Affen und Schweinen» bezeichnet. Vor einem Monat musste er deswegen zurücktreten. Ersetzt wurde er durch Almoutaz Tayara, einen der islamistischen Muslimbruderschaft nahestehenden deutschen Arzt.

Terroristen verherrlicht

Am Samstag, nur einen Tag nach der Mitteilung des EDA, berichtete die britische «Times», dass der angesehene italienische Islamismus- und Terrorismusforscher Lorenzo Vidino auch bei Tayara auf antisemitische Facebook-Posts gestossen sei. So habe Tayara 2014 zum Beispiel eine Karikatur verbreitet, auf welcher der ehemalige US-Präsident Obama eine Krawatte mit Davidsstern trug. Ausserdem verherrlichte Tayara die Muslimbrüder und die Qassam-Brigaden, den bewaffneten Arm der Hamas im Gazastreifen. In der EU gelten diese militärischen Einheiten als Terrororganisation. Tayara bezeichnete die Mitglieder der gegen Israel kämpfenden Qassam-Brigaden als Helden, welche die Schule der Muslimbruderschaft durchlaufen hätten.

Karikatur zur angeblichen jüdischen Weltverschwörung gegen die sunnitischen Araber: Barack Obama als von Israel gesteuerter ehemaliger US-Präsident.
Karikatur zur angeblichen jüdischen Weltverschwörung gegen die sunnitischen Araber: Barack Obama als von Israel gesteuerter ehemaliger US-Präsident.
Karikatur: Facebook

Als Reaktion auf die neuerlichen verbalen Entgleisungen eines Führungsmitglieds hat Islamic Relief Worldwide, dessen Sitz sich in Grossbritannien befindet, am Wochenende angekündigt, den gesamten Stiftungsrat auszuwechseln. Damit wird auch Almoutaz Tayara diskret aus dem obersten Führungsgremium entfernt. Es geht eben nicht bloss um Fehlleistungen eines einzelnen Mitarbeiters, wie das EDA behauptet. Die rund 3 Millionen Franken Deza-Gelder sind inzwischen ausgegeben. Derzeit laufen keine gemeinsamen Projekte mehr mit Islamic Relief.