Winterthur

Catering als Integrationshilfe

Arbeitsintegration Seit zehn Jahren ist das Jugendkafi Stadtmuur auch ein Cateringunternehmen. Am Jubiläumsfest am 1. Juli kann jeder von den beliebten Häppli kosten.

Ein Jugendlicher beim Catering-Service im Jugendkafi Stadtmuur

Ein Jugendlicher beim Catering-Service im Jugendkafi Stadtmuur Bild: Patrick Gutenberg

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Ganz vertieft ist der junge Mann in seine Arbeit. Er schneidet Blätterteig in Streifen, dreht ihn zu Spiralen und legt ihn auf ein Blech. In der Ecke stapeln sich Brote und warten darauf, zu Sandwiches verarbeitet zu werden. Alltag im Cateringbetrieb der Stadtmuur. Das Arbeitsinte­grationsprojekt ermöglicht seit 2001 jungen Erwachsenen den Einstieg ins Erwerbsleben. Zuerst gab es nur den bei Schülern beliebten Mittagstisch am Holderplatz 4. Vor zehn Jahren hatten Suzan Vis und Evi Sommerhalder dann die Idee, zusätzlich ein ­Catering aufzuziehen, damit sie mehr Plätze zur Arbeitsinte­gration anbieten können. Als die Wohnung oberhalb des Kafis frei wurde, war die Chance zum Ausbau da. Der Betrieb habe sich schnell etabliert. «Heute müssten wir gar keine Werbung mehr machen, es läuft quasi von selber», sagt Suzan Vis, die für das Catering verantwortlich ist.Die Gastronomie eigne sich besonders gut für Arbeitsintegration, sagt Stadtmuur-Leiterin Evi Sommerhalder: «Die Leute bekommen häufig ein direktes Feedback für ihre Leistung, das erleben sie sonst eher selten.» Wenn sie zum Beispiel bei einem Apéro die Platten herumreichen und dafür gelobt werden, mache ihnen die Arbeit Freude. «Sie können sich mit dem, was sie ­machen, identifizieren.»

Manchmal müssen alle ran

Die Jugendlichen oder jungen Erwachsenen kommen zur Ar­beit, weil sie sich an einen ge­regelten Tagesablauf und an Verpflichtungen gewöhnen sollen. Die Atmosphäre in der Stadt­muur sei zwar prinzipiell verständnisvoll, aber die Teilnehmenden an der Arbeitsintegration merken auch: «Es braucht mich, sonst kommen die anderen in den Seich.» Das sei das Erfolgsrezept, damit die Integration funktioniert, sagt Evi Sommerhalder. Jeder könne sich vorstellen, was passiert, wenn er nicht zur Arbeit erscheine und der Hochzeitsapéro deshalb nicht fertig würde.

Heute werden im als Verein ­organisierten Betrieb gesamthaft zwischen 14 und 18 Plätze an­geboten. Es gibt keine fixe Einteilung, wer im Kafi und wer im Catering arbeitet. Aber wenn man zwei Betriebe an einem Standort hat, kann man natürlich flexibel reagieren. «Wenn wir den Apéro riche für die ZHAW-Diplomfeier für 600 Personen machen, müssen alle im Catering helfen», sagt Suzan Vis.

Weil die Leute ja täglich beschäftigt werden müssen und man nicht nur von Apéros abhängig sein wollte, gab es von Anfang an eine Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek. Dorthin werden Sandwiches, Salate und Süssigkeiten geliefert. Die Belieferung der Pausenkioske in den Schulhäusern Wallrüti und Büelrain ist ein weiteres Standbein. «Wir versuchen, Aufgaben zu finden, die sich regelmässig wiederholen», sagt Evi Sommerhalder. Dazu kommen dann die regelmässigen Cateringaufträge. Viel laufe über Mundpropaganda: «Wenn einer begeistert von einem Apéro gewesen ist, bestellt er beim nächsten Mal auch bei uns.»

Verschiedene Anforderungen

«Die zwei Betriebe unterscheiden sich sehr», sagt Sommerhalder, im Kafi können die Leute ihre Ideen und ihre Kreativität einbringen, im Catering muss nach Vorschrift gearbeitet werden. «Schliesslich bestellen die Leute ein bestimmtes Produkt, und das wollen sie auch erhalten.»

Wichtig sei, dass sich alles gut vorproduzieren, lagern und transportieren lässt. «Alles muss noch gut aussehen, wenn es auch einen Moment auf dem Buffet steht», so Vis. Inzwischen hat das Team einiges an Erfahrung gesammelt. «Als wir das erste Catering für 250 Personen machten, waren wir sehr am Anschlag, heute erledigen wir so etwas fast mit links.» (Landbote)

Erstellt: 24.06.2016, 21:52 Uhr

Stadtmuur neu mit Schulangebot

Seit Januar bietet die Arbeitsintegration Stadtmuur für die Teilnehmenden unter Anleitung einer Lehrerin schulische Unterstützung an. Auf der anderen Seite des Holderplatzes konnten in der ersten Etage zwei kleine Räume dazugemietet werden. Einerseits wird hier in ganz kleinen Gruppen Deutsch als Zweitsprache unterrichtet, denn in der Gastronomie ist es wichtig, dass man die Sprache versteht. Ein anderer Schwerpunkt ist es, die jungen Leute, die eine Lehrstelle in Aussicht haben, auf die Berufsschule vorzubereiten und eventuelle Wissenslücken zu füllen. Auch wenn jemand noch so gut für eine Stelle geeignet sei, hätten die Lehrmeister oft Angst davor, Berufsschul­- ver­sager einzustellen, sagt Evi ­Sommerhalder. Mit Begeisterung und Engagement besuchten im letzten Halbjahr neun der Arbeitsintegrationsteil­nehmenden dieses Angebot.

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