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CoronavirusClubs weisen Kritik wegen Superspreader-Events zurück

Nur 13 Personen hätten sich in Zürcher Clubs infiziert, sagen die Betreiber. Die Ansteckungsgefahr sei andernorts höher.

Für die Kontrolle beim Eingang – hier beim Club Hive – benötigen die Zürcher Clubs mehr Personal.
Für die Kontrolle beim Eingang – hier beim Club Hive – benötigen die Zürcher Clubs mehr Personal.
Foto: Keystone

Nach mehreren Superspreader-Events steht die Zürcher Clubszene in der Kritik. Die Lokale wieder zu schliessen, kommt für die Bar- und Clubkommission aber nicht in Frage. Die meisten Corona-Infizierten hätten sich nicht in einem Club angesteckt sondern etwa bei Freunden oder bei der Arbeit.

«Nur ein Prozent der Veranstaltungen in Zürich war von positiven Corona-Fällen betroffen», stellte Alexander Bücheli, Geschäftsführer der Bar- und Clubkommission, am Freitag vor den Medien klar. «Nur 13 Personen wurden infiziert.»

Alexander Bücheli, Geschäftsführer der Bar- und Clubkommission, rechnet damit, dass viele Betriebe in Konkurs gehen werden.
Video: Keystone

Insgesamt hätten seit der Wiedereröffnung im Juni aber rund 120'000 Personen einen Zürcher Club oder eine Bar besucht. Es sei deshalb wichtig, jetzt die Relationen zu wahren. «Wir sehen keinen Grund, die Clubs wieder zu schliessen.»

Wo genau die meisten Ansteckungen im Kanton Zürich passieren, ist nicht abschliessend geklärt. Die meisten Fälle können nicht zurückverfolgt werden. «Die Clubs kommen aber sicher nach möglichen Ansteckungsorten wie Arbeit, Freunde, Rückreisende aus anderen Ländern und der Familie», sagte Bücheli weiter.

Von der Kritik überrascht

Dass die Clubs in die Kritik gerieten, überraschte Bücheli deshalb. Es sei richtig mit dem Finger auf sie gezeigt worden. «Wir wünschen uns weniger Polemik und mehr Verständnis für die Jugendlichen.» Auch sie hätten in den vergangenen Monaten auf Vieles verzichtet.

Ob eine Maskenpflicht im Club sinnvoll wäre, ist für Bücheli unklar. «Wir wissen nicht, ob die Gäste eine tragen würden.» Sicher sei nur, dass das Durchsetzen mit beträchtlichem Aufwand verbunden wäre.

Zusatzaufwand haben die Clubs bereits jetzt, weil die Besucherinnen und Besucher am Eingang ihre Daten angeben müssen. Oft steht eine zusätzliche Angestellte am Bar- oder Clubeingang, welche den Besucherinnen und Besuchern dabei hilft.

Bis Herbst keine Liquidität mehr

Ein erneuter Lockdown ist für die Branche und deren Angestellten auch eine Frage des Überlebens: Jeder vierte Betrieb hat bereits Angestellte entlassen. Von den Verbliebenen beziehen aktuell 75 Prozent Kurzarbeitsentschädigung.

Die Corona-Kurzarbeit läuft aber Ende August aus. Dann dürften noch mehr Angestellte ihre Stelle verlieren. Gemäss Bücheli wird zudem ein grosser Teil der Clubs bis Herbst keine Liquidität mehr haben und wohl für immer in den Lockdown gehen.

«Auch Clubs sind Kulturbetriebe»

Die Wiedereröffnung am 6. Juni kam auch für viele Clubs unverhofft. «Das Tempo hat selbst uns überrascht», sagte Bücheli. Bis heute machten aber nur 40 Prozent der Betriebe von der Möglichkeit Gebrauch. 60 Prozent haben gar nicht regulär geöffnet. 14 Prozent öffneten zwar, schlossen inzwischen aber bereits wieder.

Bücheli hofft auf Unterstützung des Staates, damit die Branche das Virus überlebt. Es werde bekanntlich länger bleiben, also brauche es einen Weg, um langfristig damit umzugehen.

SDA