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200 Neuinfektionen an einem TagCorona-Fallzahlen in der Waadt explodieren

Die Genferseeregion ist erneut der Corona-Hotspot der Schweiz. Die Waadtländer Regierung will ein neues Schutzkonzept präsentieren.

Corona sei eine simple Grippe, sagte der Waadtländer Staatsrat Philippe Leuba (FDP) zu Beginn der Pandemie. In keinem Kanton starben in der Folge mehr Personen als in der Waadt, und nun steigen die Fallzahlen erneut stark an.
Corona sei eine simple Grippe, sagte der Waadtländer Staatsrat Philippe Leuba (FDP) zu Beginn der Pandemie. In keinem Kanton starben in der Folge mehr Personen als in der Waadt, und nun steigen die Fallzahlen erneut stark an.
Foto: Laurent Gillieron (Keystone)

528 Neuinfektionen meldete das Bundesamt für Gesundheit am Freitag – so viele wie im April letztmals. Dabei sticht ein Kanton besonders hervor: 208 Neuinfektionen, also rund 40 Prozent aller neuen Fälle in der Schweiz, entfallen auf den Kanton Waadt.

Auch bei der Anzahl Corona-Infektionen pro hunderttausend Einwohner innerhalb der letzten vierzehn Tage hat die Waadt mit 169 Fällen die schlechteste Bilanz aller Kantone. Freiburg weist einen Wert von 125, Genf 118 und Zürich 62 auf. Zur Erinnerung: Die Schweiz schreibt die Quarantänepflicht vor für Reisende aus Ländern, die den Grenzwert von 60 übersteigen.

Hier gehts zur kompletten Liste und allen Zahlen zum Schweizer Covid-19-Ausbruch.

Clubs noch offen

Was ist los in der Genferseeregion? Wie die Waadt gehört auch Genf zu den Hotspots der Schweiz. Während der Kanton die Infektionskurve mit gezielten Massnahmen wie der Schliessung von Clubs und Diskotheken aber abflachen konnte, steigt sie in der Waadt unentwegt. Mit ein Grund dürfte sein: Die Waadt schränkte ihr Nachtleben nicht ein. Noch gibt es für die Waadt eine gute Nachricht: Aktuell liegen «lediglich» 19 Patientinnen und Patienten wegen einer Corona-Infektion in einem Spital. Drei von ihnen sind an einem Beatmungsgerät. Doch die Situation kann sich rasch ändern.

Wenig überraschend steigt in der Waadt auch die Positivitätsrate, also die Anzahl positiv getesteter Personen im Verhältnis zur Anzahl Getesteter. Aktuell fallen in der Waadt gemäss den BAG-Zahlen 7,3 Prozent aller Tests positiv aus. In Zürich sind es lediglich 2,8 Prozent.

Die Waadtländer Regierung will am Dienstag über die aktuelle Situation informieren und ein neues Corona-Dispositiv präsentieren. Ab Oktober soll sie wieder Grossveranstaltungen bewilligen. Doch gerade jetzt nimmt gemäss verfügbaren Statistiken die Infektionsrate bei Personen im fortgeschrittenen Alter wieder deutlich zu.

Gesundheitsdirektorin Rebecca Ruiz (SP) wollte die neusten Zahlen auf Anfrage nicht kommentieren. Man sei daran, ein kantonales System auszuarbeiten, und wolle damit maximale Klarheit und Kohärenz schaffen, so Ruiz. Niemand wolle eine zweite, unkontrollierte Welle.

Hier gehts zum Corona-Dashboard mit den neusten Zahlen zum Covid-19-Ausbruch in der Schweiz

Wir zeigen jeden Tag aktuell, wie sich die wichtigsten Kennzahlen dieser Epidemie in der Schweiz und auch auf der Welt entwickeln.

Die Antwort auf die Corona-Skeptiker: Vernissage des Buches «Lockdown» und Diskussion. Akteure und Betroffene erzählen, wie es wirklich war. Mit Marcel Salathé (Epidemiologe), Jana Siroka (Notfallärztin) Pascal Strupler (Direktor BAG) und Simone Rau (Journalistin Tamedia). Dienstag, 22. September, Türöffnung: 19.00 Uhr. Beginn 20.00 Uhr. Kaufleuten, Pelikanplatz, Zürich.

173 Kommentare
    Thomas Kirchhofer

    Gestern waren im Kanton 33 Personen hospitalisiert, mehr als dreimal mehr als noch am 14. August.

    «Unsere Spitäler sind voll», sagt Ruiz. «Wir könnten uns sehr bald mit einem Spital konfrontiert sehen, das keine Kapazität mehr hat.»

    Diese Aussage erstaunt doch sehr, wenn man berücksichtigt, dass im März im Kanton Waadt (gem. Carona-Dashboard) 420 Personen wegen Covid-19 hospitalisiert waren!