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Coronavirus weltweit+++ Südafrika lockert Corona-Massnahmen +++ Oslo macht Restaurants und Geschäfte dicht

Mehrere hundert meist junge Menschen hätten sich getroffen und gegen die Pandemie-Vorschriften verstossen, teilte die Stuttgarter Polizei mit. Internationale News im Ticker.

Das Wichtigste in Kürze:

  • In mehreren Ländern sind mutierte Varianten des Coronavirus aufgetaucht. Sorge bereitet Medizinern, dass die Mutationen offenbar ansteckender sind.

  • Die USA bleiben das am stärksten betroffene Land; gefolgt von Indien, Brasilien, Grossbritannien und Russland.

  • Weltweit sind gigantische Impfprogramme angelaufen (Zum Vergleich).

LIVE TICKER

Südafrika lockert angesichts weniger neu gemeldeter Corona-Fälle seine Lockdown-Massnahmen. Das kündigte Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa am Sonntag an. Unter anderem werden die Ausgangssperre verkürzt und die Einschränkungen bei Treffen und dem Verkauf von Alkohol gelockert, sagte Ramaphosa in einer Fernsehansprache an die Bürger.

Von den Lockerungen erwarte man höhere Konsumausgaben und eine stetige Erholung des Arbeitsmarkts, sagte Ramaphosa. «Unsere ganze Anstrengung muss dem Wachstum der Wirtschaft gelten.» 33 der 53 Grenzübergänge ins Land bleiben geschlossen, zudem sind nur fünf Flughäfen für internationale Reisen geöffnet.

Südafrika gilt mit mehr als 1,5 Millionen registrierten Infektionen und fast 50'000 Toten als das zahlenmässig am stärksten von der Corona-Pandemie betroffene Land auf dem afrikanischen Kontinent. Auch die Wirtschaft ist schwer getroffen: Die Arbeitslosenquote lag Ende vergangenen Jahres bei 32,5 Prozent.

Oslo macht Restaurants und Geschäfte dicht

Nach einem erneuten Anstieg der lokalen Corona-Zahlen durch die Ausbreitung der britischen Virus-Variante schliesst die norwegische Hauptstadt Oslo alle Lokale und Geschäfte. Das gab der Vorsitzende der städtischen Regierung, Raymond Johansen, am Sonntagabend auf einer Pressekonferenz bekannt. Restaurants dürfen nur noch Essen zum Mitnehmen anbieten, Ausnahmen bei der vorübergehenden Geschäftsschliessung gelten unter anderem für Supermärkte und Apotheken. Von organisierten Freizeitaktivitäten für Erwachsene wird ebenso abgeraten wie von privaten Zusammenkünften und Besuchen.

Die Massnahmen gelten von Mitternacht in der Nacht zum Dienstag bis vorläufig zum 15. März. Der Beschluss wurde vor dem Hintergrund gefasst, dass die britische Variante nach Angaben der norwegischen Gesundheitsbehörde FHI mittlerweile die dominierende in Oslo ist.

Norwegen ist bislang im europäischen Vergleich gut durch die Corona-Krise gekommen. In der Hauptstadt Oslo sind die Fallzahlen jedoch deutlich höher als im Rest des Landes. In den vergangenen 14 Tagen kamen allein in Oslo 1785 Infektionsfälle hinzu, die Tendenz bei den täglichen Neuinfektionen zeigt nach oben.

Mehr als 20 Millionen Briten geimpft

Mehr als 20 Millionen Menschen haben in Grossbritannien eine erste Impfdosis gegen das Coronavirus erhalten. Das teilte der britische Gesundheitsminister Matt Hancock am Sonntag mit. Das entspricht etwa 30 Prozent der Gesamtbevölkerung. In Grossbritannien wird sowohl der Astrazeneca-Impfstoff als auch das Präparat von Biontech und Pfizer im Abstand von bis zu zwölf Wochen verabreicht, damit so viele Menschen wie möglich schnell eine Erstimpfung erhalten können. Die Zahl der für den vollen Impfschutz notwendigen Zweitimpfungen lag in dem Land zuletzt noch bei unter einer Million.

Premierminister Boris Johnson bezeichnete den Meilenstein in einem Tweet als «riesige nationale Erungenschaft und Zeugnis für die unermüdliche Arbeit des NHS (Nationalen Gesundheitsdiensts), Freiwillige, das Militär und viele weitere.»

Nach Berechnungen der «Financial Times» wirkt sich der rapide Fortschritt des britischen Impfprogramms bereits auf Neuinfektionen, Krankenhauseinweisungen und Todesfällen aus. Demnach sinken die Zahlen bei den bereits zu grossen Teilen geimpften über 80-Jährigen deutlich schneller als bei jüngeren Altersgruppen.

Randale in Stuttgarter Innnenstadt

In der Stuttgarter Innenstadt ist es erneut zu Ausschreitungen gekommen. Mehrere hundert meist junge Menschen hätten sich am Samstagabend in der Gegend um den Schlossplatz getroffen und dabei gegen die Corona-Vorschriften verstossen, teilte die Polizei am Sonntag mit. Beamte forderten demnach die Anwesenden auf, sich zu zerstreuen.

«Etliche» der Passanten hätten sich daraufhin gegenüber den Beamten «zunehmend verbal aggressiv» verhalten, erklärte die Polizei. Es sei auch «zu mehreren Flaschen- und auch Steinwürfen in Richtung der eingesetzten Polizeibeamten» gekommen. Verletzte unter den Einsatzkräften gab es aber nicht.

Beim Verlassen des Areals rissen einige der Anwesenden laut Polizei Baustelleneinrichtung, Blumenkübel, Leihräder sowie Mülleimer um, die zum Teil beschädigt wurden. Schliesslich habe sich die Menge zerstreut.

Die Polizei stellte den Angaben zufolge von «etlichen Personen» die Identität fest. Diese müssten nun mit Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigungen, Beleidigungen sowie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte rechnen. Ausserdem werde der Tatbestand des Landfriedensbruchs geprüft.

Party mit 40 Gästen ruft Berliner Polizei auf den Plan

Eine Party mit fast 40 Gästen in einer Drei-Zimmer-Wohnung in Berlin hat am Wochenende die Polizei auf den Plan gerufen. Die Einsatzkräfte trafen in der Nacht zu Sonntag in der 70-Quadratmeter-Wohnung 15 Frauen und 21 Männer im Alter von 19 bis 55 Jahren an, wie die Polizei mitteilte. Die Beamten überprüften die Personalien aller Gäste und leiteten Ordnungswidrigkeitenanzeigen wegen des Verstosses gegen die Infektionsschutzmassnahmenverordnung ein.

Schliesslich mussten die Besucher die Wohnung im Stadtteil Charlottenburg verlassen. Während der polizeilichen Massnahmen reagierte ein 50-jähriger Gast den Angaben zufolge aggressiv und schubste einen Polizisten aus der Wohnung. Die Beamten nahmen den Mann fest und legten ihm Handfesseln an. Gegen ihn wurde ein Strafverfahren wegen tätlichen Angriffs auf einen Vollstreckungsbeamten eingeleitet.

Die Polizei war wegen Lärmbelästigung gerufen worden und bemerkte im Flur der Wohnung zunächst «etwa ein Dutzend leicht bekleidete Personen», wie es in der Mitteilung hiess. Mit Unterstützung zusätzlicher Einsatzkräfte leiteten die Beamten dann ihre Massnahmen ein.

Die Berliner Polizei musste wegen einer Party einschreiten.
Die Berliner Polizei musste wegen einer Party einschreiten.
Foto: Dorothee Barth (DPA/Keystone/Archiv)
Prinz William warnt vor Fake News im Internet

Der britische Prinz William hat vor Falschnachrichten im Internet über angebliche Gefahren von Corona-Impfungen gewarnt. «Die sozialen Medien quellen über von Gerüchten und Falschinformationen», sagte der Zweite in der britischen Thronfolge in einem am Samstag vom Kensington-Palast veröffentlichten Video. Darin sprechen William und seine Frau Kate per Videotelefonat mit zwei gesundheitlich beeinträchtigten Frauen, die bald beim Impfen an der Reihe sind.

In einem der Gespräche sagte die Diabetikerin Shivali, sie habe im Internet viel über die Corona-Impfungen gelesen, was sie «ein bisschen nervös» gemacht habe. William entgegnete, man müsse «aufpassen, wem wir glauben und wo wir unsere Informationen her bekommen». Es sei «so wichtig, dass diese Impfungen vorgenommen werden». Er versuchte, der Frau Mut zu machen: «Catherine und ich sind bestimmt keine Medizin-Experten, aber falls Ihnen das ein Trost ist – wir können die Impfungen von ganzem Herzen unterstützen.»

Kontakt mit dem Volk: Herzogin Kate und Prinz William warnen vor falschen Nachrichten im Internet.
Kontakt mit dem Volk: Herzogin Kate und Prinz William warnen vor falschen Nachrichten im Internet.
Foto: Kensington Palace via AP/Keystone/27. Februar 2021)

Erst am Donnerstag hatte Williams Grossmutter Königin Elizabeth II. Werbung für die Corona-Impfung gemacht. Ihre Impfung habe «überhaupt nicht wehgetan», sagte die 94-jährige Monarchin. Sie forderte diejenigen auf, die vor der Immunisierung zurückschrecken, «an andere Menschen zu denken». Die Queen wurde im Januar zusammen mit ihrem Ehemann Prinz Philip geimpft.

Festnahmen bei Protesten in Dänemark

Am Rande von Protesten gegen die Corona-Beschränkungen in Dänemark sind in Kopenhagen acht Menschen festgenommen worden. Die Demonstration am Samstagabend verlief nach Polizeiangaben weitgehend friedlich, die acht Festnahmen seien wegen des Einsatzes von Feuerwerk und gewalttätigen Verhaltens erfolgt. Die dänische Regierung hatte am Mittwoch angekündigt, einige Corona-Massnahmen ab Montag zu lockern, die meisten Beschränkungen wurden aber bis zum 5. April verlängert.

Zunächst nahmen rund 600 Menschen an einem Protestzug teil, am späten Abend wurden rund 1200 Menschen auf dem Platz vor dem Rathaus von Kopenhagen gezählt. «Freiheit für Dänemark, wir haben genug» war das Motto der Demonstration. Organisiert wurde sie von der radikalen Gruppe «Männer in Schwarz», die seit Dezember bereits zu mehreren Kundgebungen aufgerufen hatte.

Wie schon im Januar ist es auch am Samstag in Kopenhagen zu Protesten gegen Corona-Beschränkungen gekommen.
Wie schon im Januar ist es auch am Samstag in Kopenhagen zu Protesten gegen Corona-Beschränkungen gekommen.
Foto: Philip Davali Ritzau (AP/Keystone/9. Januar 2021)
Proteste nach «VIP-Impfungen» in Argentinien

Nach einem Skandal um vorgezogene Impfungen wichtiger Persönlichkeiten (VIP) sind in Argentinien tausende Menschen auf die Strasse gegangen. In der Hauptstadt Buenos Aires versammelten sich die Demonstranten vor dem Regierungssitz und forderten eine gerechte Verteilung des Corona-Impfstoffs.

Der Skandal war ans Tageslicht gekommen, nachdem ein Journalist im Radio berichtet worden, er sei dank seiner persönlichen Freundschaft mit Gesundheitsminister Ginés Gonzalez García bereits ausser der Reihe geimpft worden.

Der Minister musste daraufhin zurücktreten. Die Regierung veröffentlichte inzwischen eine Liste mit 70 Personen, die in einem Verstoss gegen die Impfreihenfolge bei der Immunisierung vorgezogen wurden, darunter der 38 Jahre alte Gesundheitsminister sowie Ex-Präsident Eduardo Duhalde, dessen Frau und Kinder.

«Sie haben damit begonnen, die Freunde der Macht zu impfen», sagte die Demonstrantin Irene Marcet. «Damit stehlen sie das Leben von jemand anderem.» Am Zaun des Regierungssitzes Casa Rosada befestigten die Demonstranten Attrappen von Leichensäcke mit den Namen der Geimpften aus dem Umfeld der Regierung. Präsident Alberto Fernández verurteilte dies als barbarischen Akt.

US-Notfallzulassung für Impfstoff von Johnson & Johnson

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat dem Corona-Impfstoff des US-Konzerns Johnson & Johnson eine Notfallzulassung erteilt. Das teilte die FDA am Samstag mit. Damit ist – nach den Impfstoffen des Mainzer Pharma-Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer sowie des US-Pharma-Unternehmens Moderna – nun ein dritter Corona-Impfstoff in den USA bedingt zugelassen. Zudem handelt es sich um das erste Präparat, das nur einmal gespritzt werden muss.

Anfang Februar hatte Johnson & Johnson die Notfallzulassung für den von seiner Pharmasparte entwickelten Corona-Impfstoff bei der FDA beantragt. Mitte Februar folgte der Antrag bei der EU-Arzneimittelbehörde EMA. Die EMA erklärte, man werde das Vakzin der Johnson & Johnson-Tochter Janssen-Cilag International N.V. in einem beschleunigten Verfahren prüfen. Der zuständige Ausschuss könnte seine Bewertung Mitte März abgeben.

Ende Januar hatte Johnson & Johnson ein Zwischenergebnis seiner Phase-III-Studie mit rund 44 000 Probanden bekanntgegeben, demzufolge der Impfstoff vier Wochen nach Verabreichung einen 66-prozentigen Schutz vor mittleren oder schweren Covid-19- Krankheitsverläufen biete. Die Wirksamkeit gegen schwere Erkrankungen wurde mit 85 Prozent angegeben. Die Prozentzahlen bedeuten, dass es in der geimpften Probandengruppe entsprechend weniger Fälle gab als in der Placebo-Probandengruppe. Bei einigen Konkurrenzprodukten ist die Wirksamkeit nach Studienergebnissen allerdings höher.

In den USA, wo rund 330 Millionen Menschen leben, haben sich bislang mehr als 28 Millionen Menschen mit dem Erreger Sars-CoV-2 infiziert, mehr als 510 000 Menschen starben. In absoluten Zahlen gemessen sind das mehr als in jedem anderen Land der Welt. Mehr als 70 Millionen Impfstoff-Dosen sind bereits gespritzt worden.

Anti-Corona-Proteste in Dublin eskalieren

Am Samstag haben Hunderte Menschen in der irischen Hauptstadt Dublin gegen Lockdown-Massnahmen protestiert. Einige Demonstranten griffen die Polizei dabei mit Feuerwerkskörpern an, worauf die Situation eskalierte. Die Polizisten versuchten den Täter zu ergreifen, worauf es zu tumultartigen Szenen kam. Irlands Vize-Premier Leo Varadkar zeigte sich auf Twitter schockiert über die Bilder und schrieb, es gebe keine Entschuldigung für Gewalt gegen die Polizei oder irgendjemanden.

Corona-Proteste eskalieren
Hunderte haben am Samstag in der irischen Hauptstadt Dublin gegen Lockdown-Massnahmen protestiert. Einige Demonstranten griffen die Polizei mit Feuerwerkskörpern an.

In Irland soll bis mindestens zum 5. April die höchste Stufe der Corona-Massnahmen gelten. Die Schulen sollen allerdings schrittweise bereits vom kommenden Monat an wieder geöffnet werden. Die Infektionszahlen seien zwar rückläufig, sagte Premierminister Micheal Martin. Doch die britische Virus-Variante B.1.1.7 habe die Situation stark verändert. Inzwischen seien 90 Prozent aller Neuinfektionen in dem Land auf den sich schneller ausbreitenden Virus-Typ zurückzuführen. «Die Wahrheit ist, dass dies die Dynamik erheblich verändert hat, und wir müssen sehr vorsichtig sein, wenn wir die nächsten Schritte voran machen», sagte der irische Premier.

Irland hatte zu Beginn des Jahres einen massiven Anstieg der Infektionszahlen verzeichnet. Dieser wurde aber von Experten vor allem mit vorübergehenden Lockerungen an den Weihnachtstagen in Verbindung gebracht.

Ein Toter nach Brand auf Corona-Station

Durch die Explosion einer Sauerstoffleitung auf einer Corona-Station in der Ukraine sind ein Patient getötet und ein weiterer verletzt worden. Die Explosion ereignete sich am Samstag in der ersten Etage der fünfstöckigen Klinik in Tscherniwzi im Südwesten des Landes, wie die Rettungskräfte mitteilten. Bei dem dadurch ausgelösten Brand habe es ein Todesopfer und einen Verletzten gegeben.

20 Menschen konnten den Angaben zufolge noch rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Auf Bildern des Unglücksorts waren verkohlte Betten und Stühle zu sehen.

Der Bürgermeister von Tscherniwzi, Roman Klitschuk, erklärte, der bei dem Unglück Verletzte sei mit schweren Brandwunden auf die Intensivstation gebracht worden. Die Ärzte täten, «was sie können», um ihn zu retten.

Anfang Februar hatte sich ein ähnliches Unglück auf der Intensivstation eines Krankenhauses im südwestukrainischen Saporschschia ereignet. Bei dem Brand starben eine junge Ärztin und drei Patienten. Im Januar waren bei einem Brand in einem Altenheim ohne Betriebsgenehmigung in Charkiw 16 Menschen ums Leben gekommen. Wegen mangelhafter Sicherheitsvorkehrungen und veralteter Infrastruktur ereignen sich in der Ukraine häufig tödliche Brände.

Biden warnt vor Mutationen

US-Präsident Joe Biden hat angesichts neuer Coronavirus-Varianten vor der Gefahr erneut steigender Fallzahlen gewarnt. «Das Schlimmste, was wir jetzt tun können, ist, in unserer Wachsamkeit nachzulassen», sagte Biden am Freitagabend (Ortszeit) bei einem Besuch in Houston im Bundesstaat Texas.

Er rief die Amerikaner dazu auf, sich impfen zu lassen. «Die Impfungen sind sicher», sagte er. «Ich schwöre Ihnen, sie sind sicher und wirksam.» Biden appellierte ausserdem an seine Landsleute, Masken zu tragen. Er betonte erneut, es sei keine politische Aussage, ob man einen Mund-Nasen-Schutz trage oder nicht.

US-Forscher haben sich zuletzt besorgt über neue Coronavirus- Varianten in Kalifornien und New York gezeigt. Die täglichen Fallzahlen in den USA liegen weit unterhalb von denen zu Jahresbeginn. In den vergangenen Tagen stagnierten sie aber oberhalb der Marke von 70'000.

Erstes Ja zu Bidens Corona-Hilfspaket

Das Corona-Hilfspaket von US-Präsident Joe Biden hat eine erste Hürde genommen: Das Repräsentantenhaus in Washington billigte das 1,9 Billionen Dollar teure Massnahmenpaket in der Nacht. 219 Abgeordnete stimmten für das Konjunktur- und Hilfspaket, 212 Abgeordnete dagegen, darunter zwei Demokraten. Nun muss noch der Senat zustimmen.

«Der Text ist angenommen», erklärte die Mehrheitsführerin der Demokraten im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi. Die Zustimmung des Repräsentantenhauses galt als sicher, da Bidens Demokraten in der Kongresskammer die Mehrheit haben. Das Hilfspaket sieht Schecks über 1400 Dollar für Millionen Bürger vor. Ausserdem sind unter anderem 160 Milliarden Dollar für Corona-Impfungen, Tests und Gesundheitspersonal vorgesehen, 130 Milliarden Dollar für eine sichere Wiedereröffnung von Schulen sowie 350 Milliarden Dollar Hilfen für Städte und Bundesstaaten.

Demokraten und Republikaner streiten heftig über das neue Konjunktur- und Hilfspaket. Die Mehrheit der oppositionellen Republikaner im Kongress sieht das Hilfspaket kritisch. Sie halten die Hilfen für übertrieben und nicht ausreichend zielgerichtet.

US-Experten geben grünes Licht für Johnson & Johnson-Impfstoff

Ein Berater-Komitee der US-Arzneimittelbehörde FDA hat sich für eine Notfallzulassung des Corona-Impfstoffs des US-Konzerns Johnson & Johnson ausgesprochen. Bei der live übertragenen Video-Schalte des Treffens am Freitag stimmten die Fachleute des Gremiums einstimmig für die Zulassung. Eine endgültige Entscheidung über die Notfallzulassung obliegt nun der FDA, die aber meistens den Empfehlungen der Experten folgt.

Es wäre – nach den Impfstoffen vom Mainzer Pharma-Unternehmen Biontech und seinem US-Partner Pfizer und vom US-Pharma-Unternehmen Moderna – der dritte in den USA bedingt zugelassene Corona-Impfstoff – und der erste, der nur einmal gespritzt werden muss. Bereits Mitte der Woche hatte die FDA dem Impfstoff von Johnson & Johnson ein erstes gutes Zeugnis ausgestellt.

Mitte Februar hatte Johnson & Johnson auch einen Antrag auf Notfallzulassung bei der EU-Arzneimittelbehörde EMA gestellt. Die EMA erklärte, man werde das Vakzin der Johnson & Johnson-Tochter Janssen-Cilag International N.V. in einem beschleunigten Verfahren prüfen. Der zuständige Ausschuss könnte seine Bewertung Mitte März abgeben.

Steht in den USA vor der Notfallzulassung: der Corona-Impfstoff des US-Konzerns Johnson & Johnson.
Steht in den USA vor der Notfallzulassung: der Corona-Impfstoff des US-Konzerns Johnson & Johnson.
AFP
Tschechien schränkt Bewegungsfreiheit drastisch ein

Wegen dramatischer Corona-Infektionszahlen schränkt Tschechien die Bewegungsfreiheit der Menschen im ganzen Land drastisch ein. Sie dürfen ihren jeweiligen Bezirk von Montag an nur noch in Ausnahmefällen verlassen. Das gab Innenminister Jan Hamacek am Freitagabend bekannt. Die Bezirke entsprechen in ihrer Grösse etwa den Landkreisen in Deutschland.

Erlaubt bleiben Fahrten zur Arbeit, zum Arzt und zu Behörden, wenn entsprechende Nachweise erbracht werden. Spaziergänge und Sport in der Freizeit sind sogar nur in der eigenen Stadt oder Gemeinde möglich. Die Massnahmen gelten zunächst für drei Wochen. Die Einhaltung soll nicht nur von der Polizei, sondern auch von 5000 Soldaten kontrolliert werden.

Tschechien hat die höchste Infektionsrate in der ganzen EU. Das Gesundheitssystem ist nach Angaben der Regierung am Limit. Das Minderheitskabinett unter Ministerpräsident Andrej Babis rief erneut den Ausnahmezustand aus. Er gilt nun bis zum 28. März. Zuvor hatte das Parlament eine Verlängerung des bisherigen Notstands unter anderem aus juristischen Gründen abgelehnt.

Das Gesundheitsministerium in Prag meldete am Freitag 14 457 neue Corona-Fälle innerhalb von 24 Stunden. Seit Beginn der Pandemie gab es mehr als 1,2 Millionen bestätigte Infektionen und fast 20 000 Todesfälle. Der EU-Mitgliedstaat hat rund 10,7 Millionen Einwohner.

Minister in Ecuador tritt nach Impf-Skandal zurück

Vor dem Hintergrund eines Impf-Skandals in Ecuador ist der Gesundheitsminister des südamerikanischen Landes zurückgetreten. Juan Carlos Zevallos zog am Freitag die Konsequenzen, nachdem er eingeräumt hatte, dass seine 87-jährige Mutter und «mehrere» weitere Menschen in seinem Umfeld Corona-Impfstoffdosen erhalten hatten, die eigentlich für Mitarbeiter im Gesundheitswesen reserviert waren.

Präsident Lenín Moreno dankte Zevallos im Online-Dienst Twitter für seine Arbeit während der Corona-Pandemie. Damit habe der Minister «hunderttausende Leben gerettet». Moreno betonte zudem, keiner seiner Angehörigen habe bisher eine Corona-Impfung erhalten.

Konsequenzen gezogen: Ecuadors Gesundheitsminister Juan Carlos Zevallos.
Konsequenzen gezogen: Ecuadors Gesundheitsminister Juan Carlos Zevallos.
Foto: Keystone (Archiv)
Britische Variante ist in Belgien dominant

In Belgien ist die hochansteckende Corona-Mutante aus Grossbritannien inzwischen der dominante Coronavirus-Stamm. In der vergangenen Woche seien 53 Prozent aller Corona-Infektionen auf die Virus-Variante B.1.1.7 zurückzuführen gewesen, sagte der Virologe Steven Van Gucht am Freitag vor Journalisten in Brüssel. Eine Woche zuvor habe der Anteil der Ansteckungen mit dieser Mutante noch bei 38 Prozent gelegen.

Ministerpräsident Alexander De Croo sprach auf einer anderen Pressekonferenz von einer «sehr heiklen» Situation. Er verwies dabei auch auf einen besorgniserregenden Anstieg bei den Krankenhausaufenthalten in der vergangenen Woche.

Angesichts der Lage bezeichnete De Croo es als «unverantwortlich», über eine Lockerung der vor knapp vier Monaten eingeführten Corona-Massnahmen nachzudenken. In Belgien gilt unter anderem eine nächtliche Ausgangssperre, zudem sind Bars, Restaurants und Cafés geschlossen. Im Freien dürfen sich maximal vier Menschen treffen. Seit Ende Januar dürfen die Belgier keine nicht-zwingenden Reisen mehr ins Ausland unternehmen.

Biontech-Chef Sahin macht Mut

In einem Interview mit dem deutschen Magazin Spiegel erklärt Biontech-Gründer Ugur Sahin, wie sich die Impfkampagne in den nächsten Monaten auf die Pandemie auswirken sollte. In Bezug auf Deutschland, das derzeit in einer ähnlichen Situation wie die Schweiz steckt, sagt er, dass erst Ende Mai oder Anfang Juni mit einem deutlichen impfstoffbedingten Rückgang der Fallzahlen zu rechnen sei. Wenn sich genügend Menschen impfen liessen, dann könne die Pandemie bis zum Spätsommer deutlich besser unter Kontrolle gebracht werden. Das bedeute nicht, dass es gar keine Infektionen mehr gebe, aber dass ein normales Leben möglich sein werde.

Derzeit weisen immer mehr Studien darauf hin, dass der Biontech-Impfstoff nicht nur vor schweren Krankheitsverläufen schützt, sondern auch die Ansteckung und somit eine weitere Übertragung verhindert. Das würde bedeuten, dass auch die Bildung neuer Mutationen unwahrscheinlicher wird, erklärt Sahin. Je weniger das Virus zirkuliere, desto weniger Chancen habe es, neue Varianten zu bilden.

Sahin vermutet nach bisherigen Erkenntnissen, dass Geimpfte über Jahre vor schweren Verläufen geschützt sein sollten. Um aber auch leichte Erkrankungen und damit eine erneute Ausbreitung zu verhindern, könnte alle zwei Jahre eine Auffrischungsimpfung nötig sein. Eine Variante, gegen die sein Impfstoff nicht mehr genügend wirkt, sieht Sahin derzeit nicht, auch vor der südafrikanischen Mutation hat er keine Angst.

Und der Biontech-Chef sagt, dass es durchaus sinnvoll sein könnte, eine Impfung mit AstraZeneca, um die in Deutschland viele Menschen einen Bogen machen, später mit einem mRNA-Mittel zu ergänzen. Dazu werde es in den nächsten vier bis acht Wochen neue Studienresultate geben.

Studie: Biontech-Impfung reduziert asymptomatische Corona-Infektionen

Eine einzelne Dosis des Impfstoffs von Biontech/Pfizer kann einer britischen Untersuchung zufolge bereits nach zwölf Tagen die Zahl der asymptomatischen Coronavirus-Infektionen auf ein Viertel reduzieren.

Das gibt Anlass zur Hoffnung, dass die Impfung nicht nur symptomatische Krankheitsverläufe verhindert, sondern auch dabei helfen kann, die Ausbreitung des Virus zu bremsen.

Bei der noch nicht in einem Fachmagazin veröffentlichten Untersuchung, an der unter anderem Wissenschaftler der Universität Cambridge beteiligt waren, wurden mehrere Tausend symptomfreie Mitarbeiter im britischen Gesundheitssystem zwischen dem 18. und 31. Januar auf das Virus getestet. Bei der Untersuchung ging es speziell um die Schutzwirkung bei nur einer Dosis. Eigentlich sind bei dem Biontech/Pfizer-Impfstoff zwei Dosen im Abstand von einigen Wochen vorgesehen.

Im Untersuchungszeitraum erhielten 0,80 Prozent der nicht-geimpften Personen ein positives Testergebnis (26 von 3252). Unter Geimpften, deren erste Dosis mindestens 12 Tage zurücklag, waren es 0,20 Prozent (4 von 1989).

«Das sind grossartige Neuigkeiten, der Pfizer-Impfstoff gewährt nicht nur Schutz gegen eine Erkrankung von Sars-CoV-2, sondern hilft auch dabei, Infektionen zu verhindern und reduziert das Potenzial, dass das Virus an andere weitergegeben werden kann», sagte Mike Weekes, Spezialist vom Cambridge University Hospitals NHS Foundation Trust (CUH), einer Mitteilung zufolge.

In Österreich sind Corona-Varianten auf dem Vormarsch

In Österreich ist laut Gesundheitsministerium inzwischen etwas mehr als Hälfte aller Neuinfektionen auf eine der grassierenden Corona-Varianten zurückzuführen.

«Die Mutationen, da sie stärker sind, scheinen sich sehr schnell durchzusetzen», sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Freitag. Österreich sei das einzige Land in Europa, das alle positiven PCR-Testergebnisse auf etwaige Virusvarianten überprüfe. Als Erfolg wertete der Minister, dass die Impfungen in den Alten- und Pflegeheimen kurz vor dem Abschluss stünden. Dadurch seien weniger schwere Krankheitsverläufe zu befürchten.

Österreich sieht sich obendrein neben der Slowakei als das Land in Europa, das am meisten testet. Binnen 24 Stunden wurden laut Anschober zuletzt 223 000 Antigen-Schnelltests und PCR-Tests gemacht. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen war nach deutlichem Anstieg zuletzt auf 2093 gefallen. Die 7-Tage-Inzidenz liegt bei rund 145 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche.

Am Montag will die österreichische Regierung entscheiden, ob nach dem Handel und den körpernahen Dienstleistungen in den nächsten Wochen auch die Hotels und die Gastronomie wieder öffnen dürfen. In diesem Fall wären negative Corona-Tests eine Voraussetzung für den Lokalbesuch.

SDA/AFP/red

3975 Kommentare
    Carla

    Sollten wir in der Schweiz nicht sofort mehr impfen. Die Erfahrungen von England sind doch gut damit ?