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ZSG leidet in der PandemieCorona vertreibt mehr Passagiere als der Zweite Weltkrieg

Die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft verbucht einen traurigen Rekord. 2020 brachen die Fahrgastzahlen um mehr als die Hälfte ein. Auch 2021 verheisst nichts Gutes.

Leere Decks: Die Corona-Pandemie hat der Zürichsee-Schifffahrt mehr als die Hälfte der Passagiere genommen.
Leere Decks: Die Corona-Pandemie hat der Zürichsee-Schifffahrt mehr als die Hälfte der Passagiere genommen.
Archivfoto: Reto Oeschger

Sogar im Zweiten Weltkrieg kamen mehr Menschen an Bord. In den frühen 1940er-Jahren benutzten stets mehr als 900’000 Fahrgäste die Schiffe auf dem Zürichsee. Und jetzt hat die Corona-Krise die Decks beinahe leer gefegt. Die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) beförderte im vergangenen Jahr nur 755’000 Passagiere. Das sind rund eine Million weniger als 2019, was einem Rückgang von 57 Prozent entspricht, wie das Unternehmen mitteilt.

Dabei verzeichnete das in Zürich-Wollishofen ansässige Schifffahrtsunternehmen im letzten Jahr einen Traumstart. Dank des warmen und sonnigen Winterwetters kündigte sich sogar ein Rekordjahr an. Im März schlug aber der Corona-Hammer zu mit Lockdown und später Maskenpflicht. Zum Jahresende resultierte ein Negativrekord. Noch nie seit 1940 lagen die Fahrgastzahlen so tief wie im Pandemiejahr, wahrscheinlich ist es sogar ein Allzeittief in den letzten 100 Jahren. Zum Vergleich: Selbst im durch den unpopulären Schiffsfünfliber-Zuschlag verseuchten Jahr 2017 kamen über eine Million Menschen an Bord der 17 Schiffe der Weissen Flotte vom Zürichsee.

Auch Erlebnisschiffe im Tief

Starke Einbussen muss die ZSG auch bei den Sonderfahrten mit den Erlebnisschiffen und der Schiffsvermietung hinnehmen. Der Lockdown im Frühling, die verordnete Begrenzung von Gästen und die im Dezember folgende Schliessung der gesamten Gastronomie schränkten das Programm an Themenfahrten stark ein. Gemäss Mitteilung erwirtschaftete das Unternehmen nur rund 180’000 Franken. Das sind 724’000 Franken weniger als im Vorjahr – ein Rückgang um 80 Prozent. Bei der Vermietung sind die Zahlen ähnlich schlecht: 181’000 Franken Einnahmen, 650’000 Franken weniger als 2019 (minus 78 Prozent).

Generell hat die Bordgastronomie am stärksten unter der Krise gelitten. Bereits im Herbst mussten auf den meisten Schiffen die Restaurants mangels Rentabilität geschlossen und das Angebot auf Snacks und Getränke reduziert werden. Der unabhängig wirtschaftende Gastrounternehmer musste zwölf Stellen in seinem Betrieb abbauen. Bei der ZSG hingegen erfolgten wegen der Corona-Krise keine Kündigungen, die knapp über 100 Stellen blieben unangetastet.

Vorzeichen bleiben auf Sturm

Die anhaltende Pandemie und der vom Bundesrat verhängte Lockdown in der Gastronomie trüben auch die Aussichten für 2021. «Wir rechnen mit einem ähnlichen Passagiervolumen wie im vergangenen Jahr», sagt ZSG-Direktor Roman Knecht. Deshalb hat die ZSG ihren Sommerfahrplan jetzt schon angepasst. Wie schon im ersten Corona-Jahr gilt zwischen Mai und September ein durchgängiger Fahrplan, auf eine in der Hochsaison (Juli/August) übliche Fahrplanverdichtung wird verzichtet. Auch die tägliche Grosse Rundfahrt von Zürich nach Rapperswil und retour mit Abfahrt um 9.15 Uhr ab Bürkliplatz entfällt in diesem Jahr.

Die Erlebnisschiffe mit kulinarischen Schwerpunkten wie Fondueschiff und Sonntagsbrunch bleiben zwar im Angebot. Das Programm wird sogar neu mit Spezialitäten aus Portugal und Indien erweitert. Doch dafür muss das aktuelle generelle Öffnungsverbot für Restaurants erst wieder aufgehoben werden. Auf den Kursschiffen gibt es derzeit gar keine Getränke und Snacks, selbst der Kioskbetrieb ist wegen fehlenden Gastropersonals bis auf weiteres eingestellt.