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Homeoffice auf dem SpielplatzDampfnudeln aus dem Badezimmer

In der Corona-Quarantäne muss die Familienwohnung gleichzeitig Schule, Büro, Konferenzraum, Musikzimmer und Backstube sein. Das geht nicht ohne Konflikte.

«Bitte nicht stören»: In Corona-Zeiten ist Ruhe in der Familienwohnung ein begehrtes Gut.
«Bitte nicht stören»: In Corona-Zeiten ist Ruhe in der Familienwohnung ein begehrtes Gut.

Zwei Erwachsene im Homeoffice und drei Kinder im Homeschooling, das führt in einer Fünf-Zimmer-Wohnung oft zu absurden Situationen. Kürzlich wollte die älteste Tochter den Teig für die Dampfnudeln mit dem Mixer kneten, damit er noch schön aufgehen kann schon am Nachmittag. In der Küche war das unmöglich, denn dort sass an diesem Tag meine Frau mit dem Laptop im Büro. Sie hätte den kurzfristigen Lärm ja allenfalls noch ertragen, aber gleich nebenan in der Stube hielt die mittlere Tochter via Zoom eine Online-Cellostunde ab.

Also packte die Köchin Teigschüssel und Mixer und wollte – am auf dem Tablet-Bildschirm staunenden Cellolehrer vorbei – in ihrem eigenen Zimmer weiterkochen. Doch auch da war besetzt: Wegen der Musik in der Stube hatte ich meinen Laptop an dieses Pult gezügelt. Jetzt fand gerade die Videokonferenz der Tamedia-Redaktionen statt, und die Tochter wurde mit stummen Gesten aus dem eigenen Zimmer gescheucht.

«Vielleicht wirkte der Duft von Badeöl anregend auf die Hefe?»

So wurde der Dampfnudelteig schliesslich im Badezimmer gemixt, die Tür von dort zu den anderen Büro-, Musik- und Lernräumen ist wenigstens halbwegs schallisoliert. Das Gebäck gelang übrigens vorzüglich und ging so gut auf, dass wir uns fragten, ob der Duft von Seife, Hair-Repair-Shampoo und Lavendel-Badeöl anregend auf die Hefe wirkt. Vielleicht sollten wir häufiger auf dem Brünneli Teig kneten.

Während wir vor den Frühlingsferien über solche Geschichten noch lachen konnten, war die Stimmung in den drei heimischen Schul- und Schlafzimmern diesen Montag in der Früh – als das Homeschooling in Winterthur wieder losging – eher gedrückt. Der Reiz des Neuen und Unbekannten ist längst verflogen, die Kinder wollen wieder in die Schule (oder genauer: zu den Kolleginnen auf den Pausenplatz).

Die Kreativität der (meisten) Lehrerinnen und Lehrer ist zwar nach wie vor erstaunlich, aber irgendwann kommt das bei den Kindern auch nicht mehr an. Während die jüngeren Töchter mit dem Primarschulstart am 11. Mai Licht am Ende des Tunnels sehen, trifft es die älteste besonders hart: Im 2. Gymi geht es – wenn der Bundesrat kein Einsehen hat – erst am 8. Juni wieder los. Und: Diesem Jahrgang wurde wegen Corona auch schon die «Husi», das beliebte dreiwöchige Hauswirtschaftslager, gestrichen. Über diese Tiefschläge helfen die luftigsten Dampfnudeln nicht hinweg. Auch nicht mit viel Vanillesauce.