Zum Hauptinhalt springen

Neue Mac-ComputerDas ist Apples mutigste Neuerung seit Jahren

An seinem unspektakulärsten Event des Jahres hat der Computerkonzern eine revolutionäre Verbesserung vorgestellt. Die Highlights und Enttäuschungen im Überblick.

Apple-Manager John Ternus stellt die nur auf den ersten Blick altbekannten Computer vor.
Apple-Manager John Ternus stellt die nur auf den ersten Blick altbekannten Computer vor.
Foto: Keystone

Nicht einmal eine Stunde dauerte der dritte Apple-Event innert zweier Monate. Angekündigt wurden neue Varianten des Macbook Air, des Macbook Pro (13 Zoll) und des Mac Mini mit neuen Prozessoren. So könnte man die Präsentation in einem Satz zusammenfassen. Und das wäre nicht mal falsch.

Der erste überarbeitete Mac ist das Macbook Air. Apples beliebtester und erfolgreichster Laptop. Die neue Version kostet mindestens 1079 Franken.
Der erste überarbeitete Mac ist das Macbook Air. Apples beliebtester und erfolgreichster Laptop. Die neue Version kostet mindestens 1079 Franken.
Ebenfalls erneuert wird das Macbook Pro (13 Zoll). Der kleinere der beiden Pro-Laptops kostet mindestens 1399 Franken.
Ebenfalls erneuert wird das Macbook Pro (13 Zoll). Der kleinere der beiden Pro-Laptops kostet mindestens 1399 Franken.
Und schliesslich wird auch der Mac Mini auf den neusten Stand gebracht. Der Mini-Computer (ohne Bildschirm) kostet mindestens 779 Franken.
Und schliesslich wird auch der Mac Mini auf den neusten Stand gebracht. Der Mini-Computer (ohne Bildschirm) kostet mindestens 779 Franken.
1 / 3

Falls Sie sich nach der Durchsicht dieser Fotos fragen, was daran denn neu sein soll, haben Sie recht und nichts übersehen.

Tatsächlich sehen die neuen Apple-Computer aus wie ihre Vorgänger. Doch im Inneren stecken eben nicht die seit Jahren üblichen minimal besseren Intel-Prozessoren. Im Inneren der neuen Computer steckt ein rundum neuer Prozessor: Apples eigener M1.

Wie schon beim iPhone, iPad oder der Apple Watch steckt nun auch in den ersten Mac-Computern ein Prozessor (oder genauer ein SoC, dazu gleich mehr in der Box), den Apple selber entwickelt und nicht von einer Firma wie Intel einkaufen muss.

Apple verspricht, dass der neue M1-Prozessor nicht nur ausgesprochen energieeffizient sei, sondern auch ausgesprochen leistungsstark. Ob das alles stimmt, wird sich schon nächste Woche zeigen, wenn die ersten Geräte in den Handel kommen.

So weit die schnelle Zusammenfassung des Events. Doch wie immer sind die Zwischentöne und Sachen, die fehlen, mindestens so spannend wie das, was Apple herausgestrichen hat. Darum hier unsere Highlights und Enttäuschungen.

Fangen wir mit den Highlights an:

Der M1

Noch konnten wir den neuen Prozessor nicht ausprobieren. Doch was Apple verspricht, klingt ausgesprochen spannend. Mehr Leistung ist immer gut. Und mehr Ausdauer auch. Wenn die letzten Jahre etwas gelehrt haben, dann das, dass man Apples-Chip-Team nicht unterschätzen darf. Was sie beim iPhone, iPad und der Apple Watch hinbekommen haben, ist bemerkenswert.

Waren die ersten Generationen der eigenen Chips damals noch relativ unspektakulär, drehte Apple in den Folgejahren merklich auf. Egal, wie der M1 in den ersten Tests abschneidet, wirklich spannend wird es mit dem M4 und dem M5 in ein paar Jahren. Dann wird sich zeigen, ob Apple hier ein Paradigmenwechsel gelungen ist oder ob sich der Konzern in eine Sackgasse der Computergeschichte verrannt hat.

Das Air bleibt

Vor ein paar Jahren sah es ganz danach aus, als würde das Macbook Air aus dem Apple-Sortiment verschwinden. Es wurde lange nicht mehr erneuert und fristete ein lustloses Dasein im Produktportfolio. Trotzdem verkaufte es sich weiter hervorragend. Dann kam 2018 die Neuauflage, und nun bekommt es als einer der ersten Laptops den neuen Prozessor. Dass Apple auch gleich mit dem beliebtesten Laptop (wie sie das Air immer wieder nennen) startet, ist ein Vertrauensbeweis an die eignene Chip-Abteilung. Nicht auszudenken, wenn sich der M1 als Flop herausstellt. Nun, da das Tastatur-Desaster schon fast vergessen ist, will sich Apple sicher kein nächstes Desaster einhandeln.

Übrigens: Anders als das neue Macbook Pro und den neuen Mac Mini gibt es das neue Air künftig nur noch mit dem M1-Prozessor. Bei den beiden anderen Computern gibt es weiterhin auch Intel-Optionen. Nur kosten die etwas mehr als die Varianten mit dem M1.

Schon nächste Woche

Die Überraschung ist Apple gelungen. Die neuen Computer können bereits vorbestellt werden und kommen schon nächste Woche in den Handel. Im Corona-Jahr mit Verspätungen und Lieferengpässen überall eine beachtliche Leistung. Vorausgesetzt Apple hat die nötigen Stückzahlen parat.

Und nun die Enttäuschungen:

Das alte Design

Es wäre die Chance gewesen, nebst dem neuen Prozessor auch gleich das ganze Design anzupassen. Gerade die dicken Ränder um die Bildschirme lassen die Macbooks Jahr für Jahr älter aussehen. Was für eine Platzverschwendung. Auch sonst sind die Apple-Laptops längst nicht mehr so gewagt und zukunftsweisend wie einst. Kein Vergleich zu anderen Apple-Geräten, die die Konkurrenz alt aussehen lassen.

Vielleicht hatte Apple dabei aber auch einen schlauen Hintergedanken: Besser die Kundschaft erst mal nicht zu sehr erschrecken und den neuen Prozessor in einem gewohnten Gehäuse einführen. Diese Strategie funktioniert in der Innovationsgeschichte immer wieder. Auch die ersten Autos sahen aus wie Pferdekutschen. Die wirklich bahnbrechenden Designs kamen erst später.

Keine Touchscreens, kein 5G

Nicht nur beim Design lassen die neuen Macs den Mut und den Fortschrittsglauben anderer Apple-Produkte vermissen. Ob ein Laptop einen Touchscreen oder Entsperren per Gesichtserkennung braucht, kann man diskutieren. Dass die neuen Laptops aber nicht selbstständig ins Handynetz können, ist bedauerlich. Schliesslich kann das ein iPad schon seit Jahren, und auch die Apple Watch hat kein Problem damit. Jetzt mit noch mehr Ausdauer wäre ein LTE- oder 5G-Modem doch nicht zu viel verlangt? Immerhin unterstützen die neuen Macs jetzt das kommende USB 4 und Wi-Fi 6.

Und zum Schluss noch eine spannende Frage: Was bedeuten diese neuen Prozessoren für künftige iPads? Das iPad hat in den letzten Jahren (vor allem das iPad Pro) die Mac-Laptops in Tempotests immer wieder alt aussehen lassen. Nun dürften die Macbooks wieder überholen und können künftig auch noch dieselben Apps wie die iPads nutzen. Wer nur noch mit einem iPad arbeitet, dürfte zum ersten Mal seit Jahren versucht sein, wieder auf einen Mac zurückzuwechseln. Oder doch nicht?

Man darf gespannt sein, was die nächsten iPad-Pro-Modelle für Neuerungen mitbringen. Können sie in Sachen Leistung mit den Macbooks mithalten? Bekommen sie im Gegenzug Mac-Apps oder gar macOS statt iPadOS? Fragen über Fragen. Das nächste Apple-Jahr dürfte wieder spannend werden.

Was das neue macOS bringt, erklärt der Kollege Matthias Schüssler im Video.
Matthias Schüssler
48 Kommentare
    v. dünki

    Wer am Computer arbeiten will sitzt an einem PC, wer mit dem Computer arbeiten will an einem Mac. Einfach oder ?