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Kolumne TribüneDas Jagdgesetz als Machtfrage

Der Gastkolumnist, früher selbst aktiver Jäger, wundert sich, mit welch grossen Kanonen die Gegner des Jagdgesetzes schiessen.

Inserate (hier in der NZZ), Plakate, Mailings: Die teure Abstimmungskampagne zum Jagdgesetz diene den Umweltverbänden zur Selbstprofilierung, findet der Gastautor.
Inserate (hier in der NZZ), Plakate, Mailings: Die teure Abstimmungskampagne zum Jagdgesetz diene den Umweltverbänden zur Selbstprofilierung, findet der Gastautor.
Foto: Michael Graf

Merkwürdig: Die politisch und wirtschaftlich unwichtigste der fünf eidgenössischen Vorlagen vom 27. September hat eine besonders teure und gehässige Antikampagne hervorgerufen. Mit textanschliessenden Inseraten – der teuersten Anzeigengattung, die man kaufen kann – schiessen die grossen Umweltorganisationen auf das neue Gesetz.

Wie viel die Kampagne kostet und wer sie finanziert, wird nicht bekannt gegeben. Das Nein-Komitee hat meine höfliche Anfrage diese Woche nur ausweichend beantwortet.

Natur- und Tierschutz ist nicht nur eine gute Sache, sondern auch ein grosses Geschäft. Die wichtigsten Marktteilnehmer sind darauf angewiesen, ihre Deutungsmacht und damit ihre wichtigsten Einnahmenquellen zu verteidigen: Mitgliederbeiträge und Spenden. Von Zeit zu Zeit müssen die Verbandsfunktionäre ihrer Kundschaft vorführen, wie aktiv sie sind.

Und es geht um viel Geld. Im Jahr 2019 haben an Spenden eingenommen:

• WWF Schweiz 35,885 Millionen Franken plus annähernd 5 Millionen aus Sponsoring- und Lizenzerträgen;

• Pro Natura Schweiz (ohne Sektionen) 27,033 Mio. plus 1,587 Mio. von der öffentlichen Hand;

• Greenpeace Schweiz 24,22 Millionen;

• Schweizer Tierschutz 6,763 Millionen (plus die Einkünfte der Sektionen).

• Birdlife Schweiz (der Vogelschutz) bewegt sich etwa in der gleichen Grössenordnung.

Das Spendenwesen ist ein knallharter Markt. Wenn man die Zuwendungen an die regionalen Sektionen einrechnet, sind pro Jahr etwa 200 Millionen Franken im Topf.

Dafür lohnt es sich, zu kämpfen.

Auf diesem Markt sind nicht nur nette Freiwillige mit Schaufel und Pickel unterwegs, sondern insgesamt auch mehrere Hundert bezahlte, vollamtliche Funktionäre, alle mit dem Auftrag: Marktanteile sichern!

Jede dieser Marken braucht ein Signet, um auf dem Markt sofort wieder erkannt zu werden. Der WWF hat den Pandabär. Vor Jahren war es vorübergehend der Luchs mit den neckischen Pinselohren. Jetzt gerade wird der Wolf zum Wappentier der Spendenindustrie erhoben.

Die Kampagne gegen das Jagdgesetz ist eine glänzende Gelegenheit, sich auf diesem Markt zu profilieren. Man werde nach der Abstimmung informieren, wie viel Spendengeld die Funktionäre in diese Selbsterhaltungskampagne gesteckt haben, schrieb mir die Kampagnenleiterin von «Pro Natura».

Nicht gefragt werden die gutmütigen Spender. Sie sollen ruhig weiter glauben, sie finanzierten Nistkästen und Biberburgen.