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Das «Luxusweibchen» entgeht dem Gefängnis

Eine Coiffeuse hat den Behörden verheimlicht, dass sie Luxusgegenstände besitzt, als sie betrieben wurde. Das Bezirksgericht Meilen hat die 47-Jährige dafür zu 18 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Die Oberrichter bewahren die Frau nun vor dem Gefängnis.

Unter anderem verfügte die Angeklagte zum Zeitpunkt ihrer Vermögens-Pfändung über drei Luxusautos und ein Motorboot. Den Behörden verschwieg sie das aber.
Unter anderem verfügte die Angeklagte zum Zeitpunkt ihrer Vermögens-Pfändung über drei Luxusautos und ein Motorboot. Den Behörden verschwieg sie das aber.
Keystone

Leger gekleidet erschien die Coiffeuse am Obergericht. Umso glamouröser war der Mann an ihrer Seite: Für die zweitinstanzliche Verhandlung hat die gebürtige Österreicherin den Star-Verteidiger Valentin Landmann engagiert. Und der hat ihr zu einer völlig neuen Strategie geraten. Statt zu schweigen, will sie sich zu den Fragen der Richter äussern. Neu anerkennt sie alle Schuldsprüche. Ja, sie habe den Behörden verschwiegen, dass sie über einen teuren Dioden-Laser zur Haarentfernung, ein Motorboot, drei Luxus-Autos und teure Kleider verfüge, als die Pfändung vollzogen wurde. Weiter habe sie sich nach einem Unfall fehlerhaft verhalten. Ein vollständiges Eingestehen der Schuld also. Warum dann der Weiterzug?

Frau will sich geändert haben

Einzig gegen das Strafmass wollte die Österreicherin noch vorgehen. 18 Monate Gefängnis hatten die Meilemer Richter der Beschuldigten aufgebrummt. Acht Monate davon sollte sie absitzen. Ihr Verteidiger akzeptierte zwar die Höhe der Strafe, forderte aber den vollständigen bedingten Vollzug. Seine Mandantin habe sich seither komplett geändert. Sie schilderte, wie es überhaupt zu dem ganzen «Desaster» gekommen war. Sie liess sich auf ein Verhältnis mit ihrem Vermieter ein, «dem Anwalt», wie sie ihn nur nannte. Dieser baute eine «Sänfte» für sie, hielt sie als sein «Luxusweibchen» aus, wie es Valentin Landmann formulierte.

Unter anderem erliess der Liebhaber ihr die Miete für den Coiffeursalon und schenkte ihr grosse Geldbeträge. Das schöne Leben dauerte bis 2012, als sie mit einem Anderen anbandelte. Dessen Mutter verpfiff sie beim Anwalt, dieser warf die Beschuldigte raus und stellte ihr mehrere Monatsmieten in Rechnung. Sie sei vor dem Nichts gestanden, habe teilweise im Auto übernachten müssen, sagte die Beschuldigte.

«Das erklärt aber Ihr Verhalten gegenüber den Behörden nicht», hakte die Gerichtsvorsitzende nach. Der Frage, wieso sie die Vermögenswerte verschwiegen hatte, als sie Betreibungen von 76 000 Franken am Hals hatte, wich die 47-Jährige aus. Einen Porsche habe sie vermieten wollen, das habe aber nicht geklappt.

Kaum Einsicht gezeigt

Im Schlusswort rechnete die Frau nochmals aus, dass es 18 Monatsmieten waren, die sie plötzlich zahlen sollte. «Was wollen Sie damit sagen?» fragte die Vorsitzende. Ihr sei eben mit einem Schlag die ganze Existenz verloren gegangen, lautete die Antwort.

Der Verteidiger bat um Nachsicht. Seine Mandantin habe sich geändert und sei beim ersten Prozess falsch beraten worden. Eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten mit einer Probezeit von vier Jahren sei ein schwerwiegendes Damoklesschwert. So würden sich die Taten kaum mehr wiederholen.

«Die Berufung hat sich für Sie gelohnt», eröffnete die Vorsitzende das Urteil. Die Gesamtstrafe blieb bei 18 Monaten. Der unbedingte Teil davon beträgt aber nur vier Monate oder 120 Tagessätze zu 70 Franken. Das betrifft die Verkehrsdelikte. Eine Freiheitsstrafe von 14 Monaten für den Pfändungsbetrug wird bedingt ausgefällt, mit einer langen Probezeit von vier Jahren.

Ins Gefängnis muss die Möchtegern-Jetsetterin also nicht. Die Richter bezweifelten aber, ob bei die Coiffeuse wirklich reuig und einsichtig war. Sie suche die Schuld immer noch bei Anderen. Die lange Probezeit, die hohe Strafe bei einem weiteren Vergehen und die 77 Tage, welche die 47-Jährige in Haft habe verbringen müssen, sollten sie aber vor weiteren Taten abschrecken, meinte die Vorsitzende.

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