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Naturphänomen in KollbrunnDas neue Gesicht der Tüfels Chilen

Die markante Felsnase bei der Tüfels Chilen wächst langsam nach. Der Ort hat nach dem Felssturz vor bald vier Jahren nichts von seiner Schönheit verloren.

Im Sommer verbirgt sich die Tüfels Chilen teilweise hinter Blättern. Der Felsvorsprung ist jedoch gut zu sehen.
Im Sommer verbirgt sich die Tüfels Chilen teilweise hinter Blättern. Der Felsvorsprung ist jedoch gut zu sehen.
Foto: Marc Dahinden, September 2020

In der Nähe von Kollbrunn formt eine Quelle seit Jahren eine faszinierende Landschaft: Unter einem Baumstrunk gurgelt Wasser ans Tageslicht und fällt dann nach wenigen Metern über einen Felsvorsprung in die Tiefe. Die Wassertropfen benetzen danach mit Moos bewachsenes Gestein und rinnen den Hang hinunter. Dabei lagert sich Quelltuff ab, und es entsteht ein treppenförmiges Gebilde, das wie eine Art Podest wirkt.

Vor bald vier Jahren hat sich die Landschaft markant verändert. Der oberste Felsvorsprung der Tüfels Chilen krachte im kalten Januar 2017 plötzlich in die Tiefe. Vermutlich war Wasser im Innern des Gesteins eingefroren und hatte es aufgesprengt. Dem beliebten Ausflugsziel fehlte fortan sozusagen die Nase. Eine kahle Abbruchstelle prägte das Bild.

Kurz nach dem Felssturz war die Abbruchstelle noch kahl. Der weggebrochene Felsbrocken liegt seither am Boden.
Kurz nach dem Felssturz war die Abbruchstelle noch kahl. Der weggebrochene Felsbrocken liegt seither am Boden.
Foto: Marc Dahinden, Januar 2017

Inzwischen sieht der Ort schon wieder ganz anders aus. Bald entstanden neue Gesteinsformen. Tropfendes Moos verdeckt die Abbruchstelle wieder. Grund dafür ist das kalkhaltige Wasser, das aus mehreren Quellen fliesst und Sedimente ablagert, eben den Quelltuff.

Die Abbruchstelle ist kaum noch zu sehen. Sie ist bereits mit Moos überwachsen.
Die Abbruchstelle ist kaum noch zu sehen. Sie ist bereits mit Moos überwachsen.
Foto: Marc Dahinden, September 2020

Das Gebiet ändert sich ständig. Kürzlich hat Revierförster Stefan Holenstein eine neue Quelle entdeckt. «Das Wasser sucht sich immer neue Wege», sagt er.

Der Ort mit seinen speziellen Formen gilt weitherum als Kraftort und ist beliebt bei Ausflüglern. Hin und wieder trifft der Förster deshalb etwa Leute an, die dort Yoga machen oder anderweitig Energie tanken wollen. Die Tüfels Chilen ist nebst dem Tibet-Institut das bekannteste Aushängeschild der Gemeinde Zell. Sogar auf einem Kaffeerahmdeckel war das Gebiet schon abgebildet.

«Jemand, der nichts vom Felssturz mitbekommen hat, nimmt ihn wohl
gar nicht mehr wahr.

Hans-Ulrich Menzi, Förster

Regelmässig ist auch der von der Stadt Winterthur angestellte Förster Hans-Ulrich Menzi im Quellgebiet. Denn Winterthur kaufte den Waldabschnitt einst, um dort Tuffstein abzubauen. Sogar für die Winterthurer Stadtkirche sollen die Steine teilweise genutzt worden sein.

Auf der Kuppe liegen frische Tuffstein-Ablagerungen. Bald werden auch sie von Moos überwachsen sein.
Auf der Kuppe liegen frische Tuffstein-Ablagerungen. Bald werden auch sie von Moos überwachsen sein.
Foto: Marc Dahinden, September 2019

Felsabbrüche kämen im Gebiet öfter vor, sagt Menzi. «Als Mensch hat man oft das Gefühl, alles soll so bleiben, wie es ist. Dynamische Entwicklungen gehören in der Natur jedoch dazu.»

Kurz nach einem Abbruch oder einer grösseren Veränderung empfinde man das als eindrücklich. Mit der Zeit relativiere sich das aber. «Jemand, der nichts vom Felssturz mitbekommen hat, nimmt ihn wohl gar nicht mehr wahr.» Der Ort habe seine Attraktivität jedenfalls nicht verloren.

Auch der Wald im Gebiet wandelt sich. Mehrere Eschen sind gesundheitlich angeschlagen. Es könnte daher laut Menzi sein, dass bald aus Sicherheitsgründen Holzschläge nötig werden, damit keine Gefahr für Passanten auf den Wegen entsteht. Ohnehin sei es im Naturschutzgebiet nicht erlaubt, die Wege zu verlassen.

Sagenumwobener Ort

Die Tüfels Chilen lässt Raum für allerlei Spekulationen. Laut schamanischen Wahrnehmungen soll im Felsen rechts des Wasserfalls ein Berggeist leben. Der spezielle Name ist wohl auf eine Grotte zurückzuführen, die sich aufgrund der Ablagerungen gebildet hatte, wie es auf der Internetseite der Gemeinde Zell heisst. Vielleicht erinnerte die Grotte im Innern etwas an eine Kirche?

So hat die Tüfels Chilen vor dem Felssturz ausgesehen.
So hat die Tüfels Chilen vor dem Felssturz ausgesehen.
Foto: Patrick Gutenberg, 2013

Die Tüfels Chilen ist bei Ausflüglern und für Schulreisen wohl aber auch deshalb beliebt, weil der Ort gut erreichbar ist. Vom Bahnhof Kollbrunn führt der Weg über das Bäntal in den Wald hinein. Verbinden lässt sich der Ausflug danach mit einer Wanderung vorbei am Bäntal Giessen durch das Rörlitobel nach Unterschlatt.