Nördlich Lägern

Das Unterland vibriert bis Februar

Die Vibrationsfahrzeuge der Nagra sind einige Monate im Unterland unterwegs. Gestern konnten die Medien sie in Aktion sehen

Die Vibrationsfahrzeuge der Nagra brachten gestern den Boden an einem Waldrand in Weiach zum Zittern.

Die Vibrationsfahrzeuge der Nagra brachten gestern den Boden an einem Waldrand in Weiach zum Zittern. Bild: Leo Wyden

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Die beiden Vibrationsfahrzeuge stehen auf einem Weg am Waldrand in der Nähe eines Hofes in Weiach. Zunächst ist nur der Lärm zu hören, der von ihnen ausgeht. Bald lässt sich beobachten, wie sich die Bodenplatten in der Mitte der Fahrzeuge senken und sich die Räder der je 20 Tonnen schweren Fahrzeuge leicht heben. Kurz darauf ist deutlich zu spüren, wie der Boden vibriert. Die Vibrationen senden seismische Wellen in den Boden aus, die von den Gesteinsschichten reflektiert und von Messgeräten im Boden, Geofone genannt, aufgezeichnet werden.

Solche Vibrationen gehören zu den 3D-seismischen Messungen der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) für die Suche nach einem Atommüllager, wie der ZU letzte Woche berichtete. Die Nagra führt diese bis etwa Mitte Februar im Standortgebiet Nördlich Lägern durch. Der Messperimeter ist rund 90 Quadratkilometer gross und umfasst neben einem Dutzend Unterländer Gemeinden Kaiserstuhl und Fisibach im Aargau sowie Hohentengen (D). Gestern lud die Nagra die Medien zu einer Besichtigung der Arbeiten.

Täglich kaputte Kabel

Die Messungen, die zur Erforschung des Gesteinsuntergrunds dienen, führt die Firma DMT aus Essen (D) durch. Über 150 Angestellte sind derzeit im Messgebiet im Einsatz. Darunter sind Geophysiker, Vermessungsingenieure, Mechaniker, Elektriker, Radio- und Fernsehtechniker sowie sechs Gruppen à 4 Personen, welche Kabel verlegen und 40 Angestellte für die Sprengungen. Letztere sind etwa bei einem Zehntel der Messungen nötig – überall dort, wo die grossen Vibrationsfahrzeuge wegen des Geländes nicht eingesetzt werden können. Gesprengt wird in einer Tiefe von acht Metern mit Dynamit.

Die Ergebnisse der Felduntersuchungen kommen in einem Messwagen zusammen, der sich gestern auf einem Hügel mit Blick auf Weiach befand. Zwei Angestellte überprüfen hier, ob die Messdaten brauchbar sind. Es soll möglichst wenig Umgebungslärm wie zum Beispiel von Flugzeugen mitaufgezeichnet werden. Der Messwagen ist gleichzeitig die Befehlszentrale für die Vibrationen.

Die Angestellten von DMT-Truppleiter Andreas Pekruhl müssen immer wieder überprüfen, ob die Geräte in einwandfreiem Zustand sind. Die Kabel sind es oft nicht: «Wir müssen täglich Geofonkabel auswechseln», sagt Pekruhl. Dies, weil Tiere wie Wildschweine, Mäuse, Ratten oder auch Kühe die Kabel mit ihren Zähnen beschädigen. Oft komme dies im Winter vor, weil dann die Nahrung knapp ist. «Durch den Verbiss wird die Isolierung der Kabel beschädigt, wodurch Wasser eindringt», erklärt Pekruhl. Eine Lösung für das Problem habe noch niemand gefunden. «Es wurde mal ein mit Pfeffer beschichtetes Kabel hergestellt.» Dieses habe zwar Kühe ferngehalten, dafür aber andere Tiere angelockt. ()

Erstellt: 24.10.2016, 18:48 Uhr

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