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Vier Kantonsräte aufgescheuchtDas Weinland geht gegen mehr Landschaftsschutz in Stellung

Sie vermissen Transparenz und offene Kommunikation: Vier Kantonsräte aus dem Weinland verlangen Antworten vom Regierungsrat, weil mehr Landschaften geschützt werden sollen.

Der Worrenberg im Flaachtal soll neu als Landschaft geschützt werden. Im Weinland fragt man sich, was das für die Grundeigentümer bedeuten wird.
Der Worrenberg im Flaachtal soll neu als Landschaft geschützt werden. Im Weinland fragt man sich, was das für die Grundeigentümer bedeuten wird.
Archivfoto: Melanie Duchene

Ein Winzer möchte den Rebbau aufgeben, weil sich dieser wirtschaftlich nicht mehr lohnt, und stattdessen etwas anderes an seinem Sonnenhang anpflanzen. Doch die Gemeinde untersagt sein Vorhaben, weil der Hang mit den Rebstöcken als schützenswerte Landschaft gilt und im kantonalen Inventar aufgeführt ist. Solche fiktiven Szenarien geistern derzeit durch die Köpfe im Weinland.

Denn der Kanton überarbeitet und erweitert sein Inventar für Landschaftsschutzobjekte. Die Meinungen von Gemeinden und Verbänden holte er dazu zwar ab, die Öffentlichkeit hat bisher aber nicht viel erfahren. Weil es sich um ein laufendes Verfahren handelt, gibt die Baudirektion auch keine Auskunft zu einzelnen Objekten.

Schon mehrfach geschützt

Durch einen Artikel in dieser Zeitung auf die Situation aufmerksam geworden sind vier Kantonsräte aus dem Weinland, die nun in einer Anfrage an den Regierungsrat Antworten fordern. «Wir Weinländer sind stolz auf unsere intakte Landschaft», schreiben Martin Farner (FDP), Konrad Langhart (parteilos), Paul Mayer (SVP) und Markus Späth (SP).

Es sei eine Landschaft, die schon mehrfach geschützt sei durch Heimatschutz, Denkmalschutz, Ortsbildschutz und andere Labels und Inventare. «Dass hier auch Leute leben, die hier ihr Auskommen finden, geht dabei offenbar vergessen», heisst es.

«Die Baudirektion hüllt sich in Schweigen. Das ist nicht akzeptabel.»

Aus der Anfrage an den Regierungsrat

Nun solle das «bereits umfangreiche Schutzinventar im Weinland erheblich vergrössert werden», unter anderem um den Worrenberg in Volken, den die vier Kantonsräte als Beispiel anführen. «Die Baudirektion hüllt sich in Schweigen. Das ist nicht akzeptabel.»

Die Landschaftsschutzinteressen dürften nicht höher gewichtet werden als die existenziellen der Einwohnerinnen und Einwohner, schreiben sie. Wenn es wirtschaftlich nicht mehr möglich sei, Rebbau zu betreiben, müsse es möglich sein, solche Hänge anderweitig zu nutzen.

Grundstücke entwertet

Wie bei anderen Schutzinventaren kommt auch der Landschaftsschutz erst bei konkreten Bauvorhaben oder Umnutzungen zum Zug. «Im besten Fall mit einer Verzögerung der Vorhaben der Grundeigentümer, im schlimmsten mit der Verhinderung», schreiben die vier Weinländer. So würden Grundstücke durch die Aufnahme ins Inventar bereits potenziell entwertet.

Die Kantonsräte wünschen sich den Einbezug der Bevölkerung und vermissen Transparenz und offene Kommunikation. Dem Regierungsrat stellen sie darum acht Fragen. Sie gehen von generell «Wie viel zusätzlichen Schutz braucht die Region?» zu konkreteren: «Welche Gebiete im Weinland sollen aus dem Inventar entlassen werden?» und «Wie viele geschützte Landschaften haben bei Bauvorhaben zu Einschränkungen und Verboten geführt?».

Die vier Kantonsräte teilen mit, dass sie über weitere Schritte entscheiden werden, sobald die Antworten vorlägen.