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Kolumne TribüneDenkmalpflege, antreten!

Muss Alfred Escher vom Sockel? Wer die Ereignisse von damals mit dem Wissen und der Moral von heute beurteilt, irrt, findet unser Kolumnist.

Afred Escher ermöglichte die Gotthardbahn, die Kreditanstalt und die ETH. Doch auch sein Denkmal wird derzeit durch eine Stadtzürcher Arbeitsgruppe überprüft.
Afred Escher ermöglichte die Gotthardbahn, die Kreditanstalt und die ETH. Doch auch sein Denkmal wird derzeit durch eine Stadtzürcher Arbeitsgruppe überprüft.
Foto: Dominique Meienberg

Wenn die Machthaber anfangen, die Geschichte zu deuten, ist höchste Vorsicht geboten! In Zürich reiben sich die regierenden rot-grünen Kleinbürger derzeit an der Figur von Alfred Escher (1819-1882), der vorgeführt hat, wie visionär und wirkungsmächtig man als Politiker und Unternehmer sein könnte, wenn man es denn wirklich wollte und verstünde.

Escher hat im vorletzten Jahrhundert gelebt und sich ein Denkmal verdient, weil er die Gotthardbahn ermöglichte, die Kreditanstalt und die heutige Swiss Life gründete, die ETH nach Zürich brachte usw. Heute vergeudet die Zürcher Stadtregierung öffentliche Gelder, indem sie historische «Studien» zusammenklittern lässt, die den uralten Fehler der linksgewirkten Geschichtsschreibung begeht: die Ereignisse von damals mit dem Wissen und der Moral von heute zu beurteilen.

Ein politisches PR-Manöver für die Konzernverantwortungs-Initiative?

26 Denkmäler will das selbsternannte Zürcher Geschichtstribunal überprüfen, und der Leiter der Arbeitsgruppe stimmt schon den seiner Auftraggeberin passenden Ton an: «Die Denkmaldiversität in Zürich ist zu klein, vertreten sind fast nur weisse Männer, während Frauen weitgehend fehlen.» Im übrigen kündigt er einen Zeitbedarf von zwei Jahren an. Wieviele akademisch gebildete GenossInnen in diesem Gremium ein warmes Arbeitsplätzchen finden, wird man vielleicht bei einer Budgetberatung erfahren. Warum die schon ziemlich alte Nummer mit der Sklaverei ausgerechnet jetzt unter Einsatz der amtlichen Publizitätsmaschinerie wieder abgespielt wird, ist leicht zu erklären. Frau Mauch leistet damit einen Beitrag zur Kampagne für die Konzernverantwortungs-Initiative.

Alfred Escher hatte zwar mit Sklaverei nichts zu tun. Aber das Thema macht halt so schön Stimmung gegen alles, was die Schweiz zu einem freien und reichen Land – und, ja, auch zu einem Land der erfolgreichen Konzerne – gemacht hat: Vision, Leistungswillen, Ausdauer, Disziplin.

Schon fantasieren linke Gemeinderäte davon, unliebsame Denkmäler von den Sockeln zu holen und in Museen oder Magazinen zu vergraben. Wann steht endlich die Denkmalpflege gegen solche Schnapsideen auf? Sie kümmert sich ja auch sonst um jeden Dachziegel und jeden Türknauf. Wer Schulhäuser in Schwamendingen oder die Tennisanlage Geiselweid unter Schutz stellt, sollte zu diesem Thema nicht schweigen, auch wenn es mutwillig und mit durchsichtigen tagespolitischen Absichten lanciert worden ist.

Der Publizist Karl Lüönd schreibt die wöchentliche Kolumne «Tribüne» im Wechsel mit anderen Gastautoren.

2 Kommentare
    Tony

    Wenn einmal das Geld knapp wird, müssen die Linken doch noch ans Geldverdienen denken...

    Danke, Herr Lüönd, für den tollen Artikel!