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Kommentar zu Kontrolle der SchutzkonzepteDer Gewerbeverband hat das Problem nicht verstanden

Der SGV will die Wirtschaft wieder öffnen. Dass er sich gleichzeitig gegen mehr Inspektionen in Unternehmen ausspricht, ist widersprüchlich.

Wie sicher ist es im Restaurant? Mehr Kontrollen würden Vertrauen schaffen, dass die Wirtschaft kein Treiber der Pandemie ist.
Wie sicher ist es im Restaurant? Mehr Kontrollen würden Vertrauen schaffen, dass die Wirtschaft kein Treiber der Pandemie ist.
Foto: Kostas Maros

Der Shutdown wirkt, die Fallzahlen sinken. Da war es zu erwarten, dass auch der Schweizerische Gewerbeverband (SGV) bald fordern würde, die notleidenden Bereiche der Wirtschaft wieder zu öffnen. Vergangene Woche schlug der SGV vor, den Detailhändlern Privatshopping zu ermöglichen: Ein Kunde, eine Kundin hat für eine vereinbarte Zeit das Geschäft für sich allein. Das ist legitim und kreativ.

Kurzsichtig ist dagegen, dass der Verband es gleichzeitig unterlässt, die Unternehmen so sicher wie möglich zu halten. Stattdessen stellt er sich gegen eine Ausweitung der Schutzkonzeptkontrollen, wie es der Bund beabsichtigt. «Für die Betriebe ist es umständlich, kontrolliert zu werden», begründet SGV-Vizedirektor Kurt Gfeller. «Die meisten haben sowieso gute Schutzkonzepte ausgearbeitet und halten sich an die Regeln.» Statt sie zu kontrollieren, sollen die Behörden vertrauen.

Nicht in einem Strafverfahren

Nun wurden bei jedem sechsten kontrollierten Betrieb Mängel im Schutzkonzept festgestellt. Dies zeigt, wie nötig Kontrollen sind. Zudem hält sich der Aufwand für eine Kontrolle für ein Unternehmen in Grenzen. Viel schlimmer wäre es, wenn sie gar nicht erst wieder öffnen dürften.

Der SGV offenbart mit seiner Haltung, dass er das Problem nicht verstanden hat – wie andere Verbände auch. Die Schweiz tappt bei der Frage, wo die Menschen sich anstecken, nach wie vor im Dunkeln. Gfellers Chef Hans-Ulrich Bigler kommentierte dies in der «SonntagsZeitung» so: «Die Ansteckungen am Arbeitsplatz, im Detailhandel und in Restaurants sind vernachlässigbar.»

Bloss befindet sich die Wirtschaft hier nicht in einem Strafverfahren, wo eine mangelnde Beweislage am Schluss zum Freispruch führt. Sondern sie muss umgekehrt den Entscheidungsträgern – also dem Bundesrat – darlegen, warum sie nicht als Treiberin der Pandemie infrage kommt. Ein stichhaltiges Argument wäre, sich bereitwillig kontrollieren zu lassen und dabei tiefe Mängelzahlen vorzuweisen.

76 Kommentare
    KaDess

    Man muss zwischen Gewerbeverband und Bigler unterscheiden. Bigler fährt zunehmend einen Sonderzug und verliert ebenso zunehmend die Unterstützung der Basis.