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Der «Kanton Bassersdorf» steuert auf den Jahreshöhepunkt zu

Die grösste Fasnacht der Region hat begonnen. Am Sonntag werden Tausende am Umzug erwartet.

Christian Wüthrich
FasnachtsstartDie traditionellen Fasnachtshochburgen zelebrieren jetzt die «fünfte Jahreszeit». In Bassersdorf überreichte Gemeindepräsidentin Doris Meier dem Obernarr Rolf Zemp den Schlüssel der Narrenfreiheit. Am Sonntag findet in der Gemeinde der grösste Umzug der Region statt.
FasnachtsstartDie traditionellen Fasnachtshochburgen zelebrieren jetzt die «fünfte Jahreszeit». In Bassersdorf überreichte Gemeindepräsidentin Doris Meier dem Obernarr Rolf Zemp den Schlüssel der Narrenfreiheit. Am Sonntag findet in der Gemeinde der grösste Umzug der Region statt.
Christian Merz

Die Sache ist ernst: Es geht ums närrische Zeremoniell und die Gewissheit, dass Schüblikon ganz gross ist. Dazu hat sich das närrischste Unterländer Dorf sogar zum eigenen Kanton erklärt und den Kanton Bassersdorf proklamiert. Der Hauptort heisst während der Fasnachtszeit aber Schüblikon. Dies ist keineswegs eine Herabwürdigung, sondern von den Einheimischen stolz so gewählt. Ganz in Anlehnung an den Bassersdorfer Schüblig eben – jene schwarze Brühwurst, die inzwischen zum kulinarischen Erbe der Schweiz gehört. Und das ist jetzt kein Scherz.

Nach der Übergabe des Schlüssels der Narrenfreiheit in der «Textil-Arena», dem Festzelt auf dem Dorfplatz, herrscht nun die Fasnachtszunft für «die schönsten fünf Tage» im Dorf. Das Urteil stammt von Gemeindepräsidentin und Fasnachtsfan Doris Meier. Sie hofft im Vorfeld schon mal, dass alle Nicht-Fasnächtler am Wochenende beide Augen zudrücken mögen, «und wenn sie dann doch mit einem oder beiden Augen blinzeln, mit einem farbenfrohen Umzug entschädigt werden». Es ist dies der unbestrittene Höhepunkt der Basi-Fasnacht. Auch diesen Sonntag werden wieder weit über 10000 Besucher entlang der Hauptachsen im Dorfzentrum erwartet, wenn um 14.30 Uhr gegen 40 Wagen, Guggen und Maskengruppen in einem bunten, lauten und fröhlich feiernden Reigen durch die Strassen ziehen.

Zwischen dem Schmutzigen Donnerstag (gestern) und dem «Gigeliziischtig» am nächsten Dienstag verwandelt sich die unscheinbare Glattaler Gemeinde Bassersdorf mit ihren gegen 12000 Einwohnern nämlich in die mächtigste Fasnachtshochburg weit und breit. Es ist ein Phänomen im ansonsten wenig fasnächtlichen Züribiet. Während in anderen Narrennestern der Region das Fasnachtstreiben einst sogar auf Befehl der Obrigkeit verboten wurde, liessen sich die Bassersdorfer ihre Karnevalsfreude nie ganz austreiben. Auch in den kriegerischsten Zeiten des letzten Jahrhunderts nicht, als genau dies versucht wurde.

«Ideen hat man ausgeheckt – was wohl Politiker jetzt weckt – sie ziehen sich durch unser Blatt – das einen grünen Faden hat.»

Aus der Fasnachtszeitung«De Schwarz» von Bassersdorf, wo die grüne Welle fasnächtlich aufbereitet und kommentiert wird.

Da passt es auch, dass die Schüblikoner getreu ihrer uralten Narrentradition – die Basi-Fasnacht wird von Chronisten schon im Mittelalter erwähnt – als wehrhafte Narrenkrieger verkleidet nach dem Auftakt der fünften Jahreszeit auf einen sogenannten Bubenmarsch gehen. Dieses Jahr führt sie der freitägliche Auszug aus dem heimischen Dorf durch die umliegenden «Rebellengebiete» via Wangen und Hegnau nach Greifensee. Mitmachen dürfen übrigens längst nicht nur «Buben», sondern auch wehrhafte «Weiber» in «geeigneter Bekleidung». Der Dresscode gilt für alle – nämlich alte Hudle, schräge Uniformen oder was der Estrich hergibt. Abmarsch ist um 9 Uhr (heute) auf dem Dorfplatz, wenn man für Organisation und Verpflegung einem der Pajasse «50 Stutz abdrückt», so steht es im öffentlichen «Aufgebot».

Bereits vor der Fasnacht kündigte die Fasnachtszeitung mit dem Titel «De Schwarz» – ebenfalls eine Anspielung auf den Schüblig – den Ausnahmezustand im Dorf an. Heuer fühlt sich das «Schmutzblatt» dazu gedrängt, Farbe zu bekennen. So macht sich die grüne Welle auch hier bemerkbar. In einem Beitrag heisst es: «Ideen hat man ausgeheckt – was wohl Politiker jetzt weckt – sie ziehen sich durch unser Blatt – das einen grünen Faden hat.» Nebst der grossen Politik gibts viel Lokalkolorit, und Possen aus der Umgebung werden frech kommentiert. Der Kreiselknatsch um den Riesenpuck des EHC Kloten mit Klotens albträumendem Stapi «René Huhu» ist prominent vertreten, aber auch dorfbekannte Persönlichkeiten wie der nicht mehr so oft Leserbriefe schreibende «Geissloo-Schreck» oder aber «Dursli» mit seiner Brandruine dürfen natürlich nicht fehlen.

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