Dällikon

Der Salat aus dem Wasserbad

Ganz makellos sind noch nicht alle Salatköpfe im Dälliker Treibhaus. Die Gebrüder Meier sind noch am Lernen, wie mit der neuen Hydrokultur-Anbaumethode umzugehen ist.

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Sie stehen in Reih und Glied. Aus den Löchern in der zwölf Meter langen Plastikschiene wachsen frische, grüne Kopfsalate dicht nebeneinander. Etwas weiter hinten grüner und roter Lollo so- wie Eichblatt. «Gemüseanbau ist heut­zutage ein Hightechberuf», sagt Fritz Meier stolz. Und sein Bruder Markus betont: «Der Anbau in einer Hydrokultur ist ökologischer als in der Erde.»

Die Gebrüder Meier in Dällikon sind in der Schweiz die ersten Gemüseanbauer, die es mit der neuartigen Produktionsmethode versuchen. In einem ihrer riesigen Gewächshäuser haben sie im ­September mit dem Bau einer ­Hydrokultur-Anlage begonnen. In einem geschlossenen System zirkuliert Wasser, dem sie nach Bedarf verschiedene Düngungskomponenten beigeben: Eisen, Phosphor, Stickstoff und was Pflanzen noch so brauchen. Nachdem die Nährlösung durch die Plantage gelaufen ist, wird sie wöchentlich in einem Labor analysiert. Je nach enthaltenen Nährstoffen, fügt der Produzent dann neue hinzu.

Wenn es weniger regnet

Die Methode, die in Belgien bereits länger angewendet wird, benötige rund 70 Prozent weniger Wasser als der Anbau in der Erde, sagt Markus Meier. Dieser Vorteil werde in Zukunft wohl immer wichtiger, glaubt er: «Wir gehen davon aus, dass das Wasser auch bei uns knapp wird.» Auch der Einsatz von Pflanzenschutz­mitteln kann gemäss den Ver­spre­chungen des Herstellers um 80 Prozent reduziert werden. «Zurzeit sind wir etwa bei 50 Prozent», sagt Meier.

Die Dälliker befinden sich noch in der Experimentierphase. Sie müssen genauer herausfinden, welche Temperatur, Feuchtigkeit und Zusammensetzung der Nährlösung die besten Resultate hervorbringt. Die genaue Dosierung sei in Hydrokulturen besonders diffizil, erklärt Meier. Während der Boden eine gewisse Menge Wasser und Nährstoffe speichern kann, wirkt sich bei dieser Anbauart jede Veränderung unmittelbar auf die Pflanzen aus. Dies sieht man nun einigen Kopfsalaten der ersten Generation an: Etliche Blät­ter sind braun verfärbt. Sie können nicht verkauft werden. Doch unterdessen habe man dazugelernt, gibt sich Meier zuversichtlich.

Bereits Ausbaupläne

Die Setzlinge, deren Wurzeln in einem kleinen Erdballen stecken, kaufen die Produzenten an. Sie werden hinten in der Anlage in die Löcher gestellt und dann langsam nach vorne geschoben. Damit sich die Salate nicht berühren, kann man die Schienen stetig auseinanderziehen. Zuvorderst sind die pflückreifen Salatköpfe.

Geschmacklich und vom Nährstoffgehalt her würden sich die Salate nicht von anderen Treibhausprodukten unterscheiden, sagt Meier. Auch der Ener­gie­­verbrauch ist etwa gleich hoch. Die grossen Gewächshäuser heizen sich schnell auf, wenn die Sonne ein wenig scheint. Auch an schönen Wintertagen muss deshalb oft gelüftet werden, sobald die Temperatur über 12 Grad steigt. Wegen der grossen Luftmassen in den hohen Hallen kühlen sie sich aber nur langsam wieder ab. Fällt die Temperatur auf unter sechs Grad, muss die Gasheizung eingeschaltet werden. Das sei in diesem Winter aber nur selten nötig gewesen, sagt Meier.

Bereits haben diverse Medien über die neue Produktionsart berichtet. Der Grundtenor in den Onlinekommentaren sei positiv, freut ich Markus Meier. Doch wie die Konsumenten dar­auf reagieren, wird er erst im März erfahren, wenn die ersten Salatköpfe in den Coop-Regalen liegen. Der Grossverteiler wird die Produktionsart mit dem Begriff «Hors-sol» deklarieren. Bei Tomaten und Gurken ist der Anbau ohne Erde auch in der Schweiz bereits weit verbreitet. Man wolle die Kunden nicht mit einem neuen Begriff verwirren, teilt ein Mediensprecher mit.

«Wenn wir Erfolg haben, werden wir die Anlage erweitern», stellt Markus Meier in Aussicht. Doch zuerst müsse man die getätigten Investitionen wieder hereinholen. ()

Erstellt: 09.02.2016, 21:36 Uhr

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