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Daumen hochDer Stadtpräsident ist jetzt auf Facebook

Michael Künzle (CVP) vermisst den Kontakt mit der Bevölkerung – und erstellt nach jahrelanger Verweigerung einen Account auf Facebook. Schon über 2000 folgen dem Stadtpräsidenten, mehr als seinem kultigen Doppelgänger.

«Der Stadtpräsident soll noch greifbarer sein», fand Michael Künzle – und ging Mitte März online.
«Der Stadtpräsident soll noch greifbarer sein», fand Michael Künzle – und ging Mitte März online.
Foto: Facebook

In normalen Zeiten ist Stadtpräsident Michael Künzle täglich unter Menschen: Workshops, Infoanlässe, Feste, Jubiläen und mehr. «Das waren Gelegenheiten, wo die Bevölkerung Anliegen beim Stadtpräsidenten platzieren konnte», sagt er. «Und ich meinerseits konnte die Befindlichkeit in der Bevölkerung besser abschätzen.»

In Zeiten von Corona fallen all diese Anlässe weg. Darum geht Künzle einen Weg, den ihm wohl wenige zugetraut hätten: Nach jahrelanger standhafter Abstinenz von den sozialen Medien eröffnete er Ende März einen Facebook-Account. «In der Krise braucht es noch mehr Kommunikation als in normalen Zeiten», sagt Künzle. «Ich hatte das Bedürfnis, weitere Kanäle zu eröffnen. Der Stadtpräsident soll noch näher greifbar sein.»

Präsidiales und Privates

Auf seinem Account will Künzle einerseits «präsidiale Botschaften» platzieren. Derzeit etwa, dass man möglichst zuhause bleiben sollte. Doch auch der eine oder andere Einblick in sein Privatleben soll Platz haben. So ist auf einem der ersten Posts ein weisser Hund zu sehen, Familienhündin Enya.

Künzle erhofft sich zudem durch Feedbacks aus der Facebook-Nutzerschaft von einem «Stimmungsbarometer» profitieren zu können. Betreut wird die Seite nicht etwa von Stadt-Mitarbeitenden – eine Social-Media-Stelle wird vom Gemeinderat jeden Herbst wieder aus dem Budget gestrichen – sondern von Künzle selbst. Mit gelegentlicher Hilfe seiner Facebook-erfahreneren Tochter.

Den Doppelgänger bereits überholt

Mit über 2000 Freunden hat der Stadtpräsident in den ersten zwei Wochen bereits mehr Freunde gesammelt, als sein populärer Doppelgänger «Like Mike», der bei knapp 1200 steht. Seit Juni 2013, also fast sieben Jahre lang, hatte diese Kunstfigur die Lücke gefüllt, die Künzles Facebook-Absenz hinterliess. Hinter dem frechen aber nie derben Klamauk steckt der Weinjournalist und Bar-Besitzer Benjamin Herzog. Künzle nahm seine Parodie mit Humor. Für eine Plakatkampagne des Kulturmagazins Coucou, wo Herzog Kolumnen schreibt, traten beide «Mikes» gemeinsam auf.

Der Facebook-erfahrenene «Like Mike» hiess Künzle auf seine ganz eigene Art auf Facebook willkommen. Er verlinkte auf Künzles Seite mit der Warnung: «Auf Facebook treibt sich ein Fake-Profil unseres Stadtpräsidenten Michael Künzle rum. Bleiben Sie deshalb vorsichtshalber zuhause!»