Wetter

Der trockenste Dezember seit Messbeginn

Auf bis zu 1048 Hectopascal ist der Luftdruck in der Nacht auf Mittwoch angestiegen. Das extrem trockene Hochdruckwetter der letzten Wochen hat damit seinen Höhepunkt erreicht.

Oben blau, unten grau (Zürichsee bei Horgen): So präsentiert sich das Wetter in der Region mehr oder weniger seit Ende November.

Oben blau, unten grau (Zürichsee bei Horgen): So präsentiert sich das Wetter in der Region mehr oder weniger seit Ende November. Bild: Sabine Rock

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Der Monat Dezember geht so zu Ende, wie er begonnen hat: Mit ruhigem, trockenem Hochdruckwetter. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch positionierte sich sogar ein besonders kräftiges Hochdruckgebiet mit seinem Zentrum direkt über unseren Köpfen. Das Barometer zeigte in Wädenswil kurz vor Mitternacht einen Luftdruck von 1046,4 Hectopascal an. Im Zürcher Unterland (Station Kloten) und in der Region Winterthur (Station Aadorf-Tänikon) wurden sogar Werte von annähernd 1048 Hectopascal gemessen.

Gemäss Stephan Bader, Klimatologe bei Meteoschweiz, kommt das sehr selten vor. «Wir sind damit nahe dran an den bisherigen Allzeit-Rekorden», sagt er. Diese wurden gemäss den Datenreihen von Meteoschweiz am 3./4. März 1990 sowie im Februar 1959 aufgestellt. Sie liegen nur unwesentlich höher.

Im internationalen Vergleich ist aber selbst mit 1048 Hectopascal kein Pokal zu gewinnen. In Sibirien steigt der Luftdruck in den starken winterlichen Kältehochs teilweise auf über 1080 Hectopascal an. Diese Werte sind allerdings in erster Linie für die Statistiker interessant. Ob nun 1040 oder 1045 Hectopascal: Der Mensch spürt keinen Unterschied. Wenn, dann äussern «wetterfühlige» Personen eher Beschwerden bei herannahenden Schlechtwetterfronten, die von Tiefdruckgebieten ausgehen.

Extreme Trockenheit im Dezember

Im Gegensatz zu Tiefdruckwetter, das durch Regen, Wind und Schnee geprägt ist, herrscht bei Hochdruck in der Atmosphäre nur wenig Bewegung. Die Luftmassen im Hoch sind in der Regel mild und trocken. Das führt im Winter zu einer Zweiteilung: In den Bergen ist es sonnig und warm, im Flachland bildet sich hingegen durch die Auskühlung der Luft am Boden meist Nebel und es bleibt frostig.

Dieses Wetter herrscht in der Region mittlerweile seit Ende November. Der sehr hohe Luftdruck in der Nacht auf Mittwoch markierte also nur den Höhepunkt einer Hochdruck-Phase, die bereits lange andauert.

Eine markante Folge des Hochdruckwetters ist die extreme Trockenheit. Der letzte nennenswerte Regen kam am 19. November vom Himmel. Im Dezember fiel bisher vielerorts kein Tropfen. Nur eine schwache Störung am 19. Dezember brachte punktuell wenig Niederschlag.

Daran wird sich bis Ende Monat auch nichts mehr ändern. «Man kann jetzt schon sagen, dass das einer der trockensten Dezember-Monate aller Zeiten werden wird», sagt Stephan Bader. An den Messstationen in Kloten (0,5 mm) und Aadorf-Tänikon (1,9 mm) wurde noch nie so wenig Regen im Dezember registriert wie in diesem Jahr.

Trockenste Dezember in Kloten (seit 1959)

Jahr Regen (mm)
1975 6,0
2015 8,9
1964 17,1

In Wädenswil liegt der diesjährige Dezember auf Rang zwei (1,8 mm). Nur im Dezember 1963 war es dort noch trockener (1,3 mm).

Trockenste Dezember in Wädenswil (seit 1961)

Jahr Regen (mm)
1975 11,9
1972 20,8
2015 25,8

Einen direkten Zusammenhang mit der Klimaerwärmung habe das trockene und milde Dezemberwetter aber nicht. «Einzelne Ereignisse sollten nicht mit der Klimaerwärmung in Verbindung gebracht werden», sagt Stephan Bader. Aussagekräftiger sei die Entwicklung der Durchschnittstemperaturen in den letzten Jahrzehnten. «Da zeigt sich im Dezember wie im ganzen Winter ein deutlicher Trend zur Erwärmung in unseren Breitengraden».

«Sprunghafter» Winter

Allerdings betont der Klimatologe auch, dass sich speziell der Winter «sprunghaft» verhalte. Das heisst: Auf lange Phasen mit ruhigem Hochdruckwetter können nach wie vor auch kalte, schneereiche Episoden folgen. Das liege daran, dass der Winter bezüglich der möglichen Wetterlagen eine grosse Variabilität aufweise. Oder anders formuliert: Je nach Richtung, aus der die Luftmassen kommen, kann auch der Charakter des Wetters sehr unterschiedlich ausfallen.

Eine solche Veränderung deutet sich gemäss Bader auf das neue Jahr hin an. Um den 2. Januar herum zeigen die Wettermodelle den Wechsel auf eine kältere und vor allem nässere Wetterlage mit Luft aus nordwestlicher Richtung. Sogar Schnee bis in tiefere Lagen ist nach derzeitigem Stand möglich. Wie ausgeprägt und vor allem wie nachhaltig dieser Wechsel ausfallen wird, muss sich aber noch zeigen.

Eine Folge der Trockenheit, die seit Mitte November nicht nur im Grossraum Zürich, sondern im ganzen Alpenraum herrscht: Im Tessin und im Bündnerland brennen die Wälder. Quelle: Keystone (landbote.ch)

Erstellt: 28.12.2016, 14:03 Uhr

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