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Soldaten zeigten HitlergrussDeutsche Elite-Kompanie soll aufgelöst werden

Die deutsche Verteidigungsministerin greift nach rechtsextremistischen Vorkommnissen beim Eliteverband der Bundeswehr durch.

Mitglieder des Eliteverbands Kommando Spezialkräfte (KSK) bei einer Übung mit einem Helikopter.
Mitglieder des Eliteverbands Kommando Spezialkräfte (KSK) bei einer Übung mit einem Helikopter.
Foto: Reuters

Die deutsche Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) greift nach rechtsextremistischen Vorkommnissen beim Eliteverband Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr durch. Die Truppe soll reformiert und in Teilen aufgelöst werden.

Als «beunruhigend» und «alarmierend» bezeichnet die Ministerin neueste Erkenntnisse, denen zufolge beim KSK 48'000 Schuss Munition und 62 Kilogramm Sprengstoff verschwunden seien. Nun müsse dringend geklärt werden, ob nur über Jahre hinweg schlampig Buch geführt worden war oder ob im grossen Stil Kriegsmaterial entwendet wurde.

Mit grundlegenden Reformen etwa bei der Auswahl und Ausbildung der Soldaten, deren Führung und durch Versetzungen soll der Verband die Chance für einen Neuanfang bekommen. Bis dieser erreicht ist, wird das KSK nicht an internationalen Übungen und Einsätzen teilnehmen.

Toxische Führungskultur

Die 2. Kompanie, die Ausgangspunkt rechter Umtriebe war, wird ersatzlos aufgelöst, sagte Kramp-Karrenbauer. Das KSK habe sich «in Teilen verselbstständigt, auch weil es eine toxische Führungskultur einzelner gab. Daraus folgt, dass das KSK nicht in seiner jetzigen Verfassung bestehen bleiben kann.»

Ende Oktober soll eine erste Bilanz gezogen werden. Bei einem Besuch beim KSK am Standort in Calw in Baden-Württemberg teilte die Ministerin am Montag mit: Es habe nun jeder die Chance, zu entscheiden, ob er «Teil des Problems bleiben oder Teil der Lösung werden» wolle.

Auf Anfrage sagte die Ministerin: «Ich rede deshalb von einer Bewährungschance. Wenn aber die Angehörigen des KSK diesen Schuss jetzt nicht gehört haben, wird sich unausweichlich die Frage nach einer Neuordnung des KSK stellen.» Auslöser für Kramp-Karrenbauers Einschreiten war der Waffenfund auf dem Privatgrundstück eines KSK-Soldaten in Sachsen, der zuvor durch seine rechte Gesinnung aufgefallen war.

Vergleichbar mit Navy Seals

Der 45-jährige Oberstabsfeldwebel Philipp Sch. hatte zwei Kilo Sprengstoff, Tausende Patronen, dazu Schusswaffen und Waffenteile – darunter auch ein Schalldämpfer – bei sich gebunkert. Er gehörte zu einem Kreis von KSK-Soldaten, die bei einer Abschiedsfeier des Chefs der 2. Kompanie 2017 Rechtsrock gehört und den Hitlergruss gezeigt haben sollen. An der Feier nahmen etwa 70 KSK-Angehörige teil. Bei dem Versuch, die Vorgänge aufzuklären, sei man laut Kramp-Karrenbauer auf eine «Mauer des Schweigens» gestossen.

Nur wenige auffällig gewordene Soldaten wurden bisher vom KSK abgezogen. Verfahren zur Entlassung aus der Bundeswehr sind langwierig. Kommandeur Markus Kreitmayr, der seit 2018 den Verband führt und die Probleme deutlich angesprochen hat, soll das KSK durch den Reformprozess begleiten. «Die Mauer des Schweigens bricht», sagte Kramp-Karrenbauer.

Das 1996 gegründete Kommando Spezialkräfte ist vergleichbar dem britischen SAS oder den Navy Seals der USA. KSK-Soldaten kämpften gegen die Taliban in Afghanistan, wo das Kommando 2013 einen Toten zu beklagen hatte, und stellten im früheren Jugoslawien vom UN-Tribunal gesuchte Kriegsverbrecher.