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Neuer ParteinameDie CVP beerdigt ihr C

Die CVP will sich künftig «Die Mitte» nennen. Damit müssen nicht nur ihre Mitglieder einverstanden sein, sondern auch die Kantonalparteien. Sonst wird das C in manchen Kantonen weiterleben.

«Sie soll zusammenhalten, was Sinn macht und was zusammengehört»: Parteipräsident Gerhard Pfister präsentiert den neuen Namen der CVP.
«Sie soll zusammenhalten, was Sinn macht und was zusammengehört»: Parteipräsident Gerhard Pfister präsentiert den neuen Namen der CVP.
(Keystone) 

Die Fraktion von CVP, EVP und BDP hat den künftigen Parteinamen vorweggenommen: Sie nennt sich Die Mitte, und so soll künftig auch die CVP heissen. Das sagte Parteipräsident Gerhard Pfister am Freitag vor den Medien. «Die CVP will eine relevante politische Kraft bleiben und sich für neue Wählerinnen und Wähler öffnen.» Wähler, die pragmatische Lösungen statt Sturheit und Stillstand zu schätzen wüssten. Ihnen will die CVP ein politisches Zuhause sein.

Pfister hofft, dass sich die Partei durch den Verzicht auf das C auch jene 20 Prozent der Wählerinnen und Wähler erschliessen kann, die in einer Befragung von Lukas Golder vom Meinungsforschungsinstitut GFS Bern angaben, dass sie der Politik der CVP zwar zustimmten, sie aber wegen des C dennoch nicht wählten.

Mit dem Verzicht auf das C macht sich die CVP aber auch den Weg frei für eine Fusion mit der BDP. Die beiden Parteien führen seit geraumer Zeit Gespräche darüber. Die BDP-Basis ist mehrheitlich damit einverstandenunter der Bedingung, dass das C aus dem Parteinamen verschwindet.

War früher das katholische Milieu die Klammer, welche die Partei zusammenhielt, soll es nun die orange Klammer im Logo sein. «Sie soll zusammenhalten, was Sinn macht und was zusammengehört», sagte Pfister wohl auch mit Blick auf die BDP.

Die vielen Namen der CVP

Mit Die Mitte tilgt die CVP alle Spuren ihrer religiös geprägten Vergangenheit aus ihrem Namen. Sie hat in ihrer Geschichte schon mehrmals den Namen gewechselt. Ihre Vorgängerpartei war die Katholisch-Konservative Partei, die im Kulturkampf des 19. Jahrhunderts eine kirchenfreundliche Haltung einnahm. 1912, als sich die Katholisch-Konservativen schweizweit verbanden, nannten sie sich fortan «Schweizerische Konservative Volkspartei», kurz KVP. Das C fand erst spät Eingang in den Namen, mit der Umbenennung in «Konservativ-Christlichsoziale Volkspartei» (KCV) im Jahr 1957. Es überlebte auch eine weitere Namensänderung im Jahr 1970 in «Christdemokratische Volkspartei» (CVP). Jetzt aber hat es ausgedient. Die Partei will aber ohnehin keinen Namen mehr, den man abkürzen kann.

Die häufigen Namenwechsel zeugen auch vom Wandel und der Suche der Partei. Anders als der SVP und der SP ist es ihr jedoch nie gelungen, über ihr Milieu hinauszuwachsen, wie der Politologe Andreas Ladner von der Universität Lausanne sagt. Das Wirtschaftswachstum der Nachkriegszeit hat den Mittelstand erstarken lassen und so die sozialen Strukturen völlig durcheinandergebracht. Die Parteien mussten sich neu orientieren. Sie versuchten – zum Teil unter neuem Namen – über ihre angestammte Basis hinaus eine breitere Wählerschaft anzusprechen: Die SP konnte die Staatsangestellten für sich gewinnen, insbesondere die Lehrerschaft und die Sozialarbeiter. Die SVP, der auch schon der Niedergang prophezeit wurde, hat vor allem über ihre konservativen Werte wie Heimat mobilisiert.

Die CVP hingegen ist mit ihrem C an ihrem katholischen Milieu hängen gebliebenund in der Folge mit ihm geschrumpft. Ihr Wähleranteil ist von einmal 23,4 Prozent (1963) auf heute 11,4 Prozent gesunken. Gerhard Pfister gab sich am Freitag überzeugt, dass seine Partei an den nächsten Wahlen 2023 wieder «fundamental zulegen» werde.

Politologe Andreas Ladner indessen zweifelt: «Es ist naiv, zu meinen, man müsse dazu nur den Namen ändern», sagt er. Es brauche auch entsprechende Positionen und Orientierungen, welche in der Wählerschaft auf Anklang stiessen. Vor allem in den Stammlanden der CVP, im Wallis, in der Innerschweiz oder im Jura, fürchtet man, dass die Partei mit dem C auch ihre Identität verlieren könnte, und entsprechend kritisch stehen manche Kantonalparteien dem Namenswechsel gegenüber.

Was rät Ladner der CVP? Es sei die Frage, ob ihr durch eine Modernisierung der Aufbruch gelingen könnte, meint er. Ansonsten dürfe man nicht meinen, das man mit ein und derselben Partei über Jahrzehnte den gesellschaftlichen Wandel nachvollziehen könne. «Manchmal verschwindet eine Partei eben auch wieder.»

Kantonalparteien entscheiden selber

Damit die CVP ihren Namen ändern kann, braucht es die Zustimmung der Mitglieder. Sie führt deshalb Ende September ihre erste Urabstimmung überhaupt durch und verschickt an sämtliche Mitglieder Stimmzettel. Ende Oktober sollen sie ausgewertet werden.

Es müssen allerdings nicht nur Mitglieder und Wähler vom neuen Namen überzeugt werden, sondern auch die Kantonalparteien. Pfister will ihnen bis 2025 Zeit einräumen, sich zu entscheiden; eine Partei mit vielen autonomen Akteuren könne ein «Re-Branding» nicht so schnell durchziehen wie ein Unternehmen. Aber auch wenn sich die CVP Schweiz künftig Die Mitte nennt, kann es sein, dass ihr nicht alle Kantonalparteien folgenund das C mancherorts weiterlebt.

21 Kommentare
    Karl Suter

    Jeder Marketingmensch weiss, wie heikel ein Namenswechsel ist, das mussten schon miltinationale Konzerne schmerzhaft erfahren, wenn ein solcher Wechsel komplett in die Hosen ging.

    Das ist zwar bei der CVP nicht zu erarten, trotzdem würde ich es lassen.

    Ich würde sie tatsächlich umbenennen, aber in "CVP-Die Mitte".

    Da schlägt man drei Fliegen mit einer Klappe. Das C verliert seine Bedeutung, der Name bleibt und die Positionierung wird klarer.