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Schulstandorte im FlaachtalDie drohenden Schulschliessungen – der Elefant im Raum

Zwar waren die geplanten Schliessungen von Schulhäusern an der Schulgemeindeversammlung Flaachtal kein Traktandum. Aber das Thema wirkte mächtig in die Versammlung hinein.

Das Schulhaus Trottenacker in Dorf aus der Luft: Die Schulpflege Flaachtal will die Anlage schliessen.
Das Schulhaus Trottenacker in Dorf aus der Luft: Die Schulpflege Flaachtal will die Anlage schliessen.
Foto: Madeleine Schoder

133 Stimmbürger sind am Mittwochabend an die Schulgemeindeversammlung Flaachtal nach Buch am Irchel gekommen. Um die Bedeutung dieser Zahl zu begreifen, muss man ein Jahr zurückblicken: Damals kamen nur 30 Bürger.

Der Grund für den Aufmarsch vom Mittwoch ist klar: Seit letztem Herbst ist bekannt, dass die Schulpflege drei der fünf Schulstandorte im Flaachtal schliessen will – in Berg am Irchel, Dorf und Volken. Im Gegenzug sollen die Standorte in Buch am Irchel und Flaach für rund sechs Millionen Franken ausgebaut werden. Seither hat sich der Widerstand gegen die Schulschliessungen in der Interessengemeinschaft (IG) «Lass die Schulen im Dorf» formiert.

Trotzdem ist die Zahl von 133 überraschend. Denn die Geschäfte der zweistündigen Gemeindeversammlung hatten gar nichts mit den geplanten Schulschliessungen zu tun. Und doch schimmerten diese an der Versammlung immer wieder durch. Die drohenden Schliessungen waren also der redensartliche Elefant im Raum.

Negativzinsen umgehen

Bei der Jahresrechnung 2019 war vom Rüsseltier noch nichts zu spüren. Keine Fragen, keine Voten, keine Gegenstimmen oder Enthaltungen: Die 133 Anwesenden winkten die Rechnung einstimmig durch. Doch beim zweiten Traktandum, einem Darlehen über 400’000 Franken für den Flaachtaler Feuerwehrzweckverband, tauchte das Tier auf.

Worum ging es? Die Schulgemeinde hat so viel Geld auf ihrem Bankkonto, dass sie Negativzinsen bezahlen muss. Um dies zu umgehen, wolle man den Betrag der Feuerwehr «rüberschieben», die vier neue Fahrzeuge benötige. Aber das sei kein Problem, meinte Schulpfleger Walter Schürch. Denn die Steuerzahler der Schulgemeinde seien ja die gleichen wie jene des Feuerwehrzweckverbandes.

Schule spielt Bank

Gleich zehn Wortmeldungen löste das vermeintlich simple Finanzgeschäft aus. Die Feuerwehr sei doch Sache der Politischen Gemeinden und nicht der Schule, fand jemand. Wieso die Schulgemeinde Bank spiele, wollte ein anderer Stimmbürger wissen. Und dann wurde der Elefant im Raum angesprochen: Ob die Schule überhaupt so viel Geld habe anhäufen dürfen, fragte jemand. «Es ist da etwas in den Köpfen von euch, ihr plant etwas», sagte der Stimmbürger in Anspielung auf die Zusammenlegung der Schulstandorte in Buch und Flaach, was sechs Millionen Franken kosten soll. Für Investitionen, antwortete Schürch, dürfe die Schule Geld äufnen.

«Es ist ein reines Finanzgeschäft.»

Walter Schürch, Mitglied Schulpflege Flaachtal

Gleich mehrere der Wortmeldungen waren von Mitgliedern der IG, die sich gegen die Schulschliessungen wehrt: Die Aufgabe der Schule sei es, für qualitativ hochstehende Bildung für alle Kinder und nicht für neue Feuerwehrautos zu sorgen. «Es ist ein reines Finanzgeschäft», beschwichtigte Schürch.

Kritiker in der Minderheit

Doch die zweite Abstimmung zeigte: Die Mehrheit der Versammlungsteilnehmer war nicht auf der Seite der IG-Schliessungsgegner. Zwar gab es einige Nein-Stimmen und Enthaltungen. Doch 103 der 133 Anwesenden hiessen das Darlehen für die Feuerwehr gut.

Über eine Stunde benötigte die Schulpflege für die Beantwortung der drei Anfragen, die teils mehrere Einzelfragen umfassten. Die Fragen und Antworten sind auf der Website der Schulgemeinde Flaachtal zu finden.

Anfrage vom Gemeindepräsidenten

Die erste Anfrage stellte Patric Eisele, Gemeindepräsident von Dorf, die zweite und dritte stammten von Mitgliedern der IG. Eisele wollte wissen, wie viele Stimmbürger schon an der Vernehmlassung zur neuen Gemeindeordnung der Schule teilnahmen. Mit den bloss 21 Stellungnahmen zeigte sich Eisele nicht zufrieden – nicht ohne Grund: Der Gemeinderat Dorf veröffentlichte kürzlich seine Stellungnahme, in der er bei der Festlegung der Schulstandorte mehr Mitsprache fordert. Da war er wieder, der Elefant im Raum.

In den Antworten zur zweiten Anfrage sagte Schulpräsident Daniel Heuer, dass er aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen nichts zu den Kündigungen von Lehrpersonen sagen könne. Man sei aber auf gutem Weg, alle Stellen wieder zu besetzen. Und was die nur teils erfüllten Qualitätsansprüche betrifft, welche die Fachstelle für Schulbeurteilung auf der Sekundarstufe festgestellt hat, müsse die Schulleitung einen Massnahmenkatalog erarbeiten.

Präsident ermahnt Bürgerin

Dass die IG keine Mehrheit hinter sich hatte, zeigte sich auch bei der dritten Anfrage. Ein IG-Mitglied stellte mehrere Einzelfragen, die Heuer en détail beantwortete. In der etwas langfädigen Replik stellte das Mitglied, eine Stimmbürgerin aus Dorf, weitere Fragen. Heuer beantwortete diese – so weit wie möglich – aus dem Stegreif.

«Ich muss Sie an die Regeln erinnern, gehen Sie zurück an den Platz.»

Daniel Heuer, Präsident der Schulpflege Flaachtal

Dann intervenierte Walter Staub, Gemeindepräsident von Flaach: Die Bürgerin habe ihre Antworten erhalten, aber nun entwickle sich das Ganze zu einer Diskussion. Laut Gesetz muss über eine Debatte zu einer Anfrage abgestimmt werden, was auch geschah. Die Dorfemerin protestierte am Mikrofon. Doch bloss 22 der 133 Personen wollten diskutieren. «Ich muss Sie an die Regeln erinnern, gehen Sie zurück an den Platz», ermahnte Heuer die Bürgerin.

Am Schluss der Gemeindeversammlung deponierte die Frau ihre Beschwerde wegen teilweiser «Nichtbeantwortung meiner Fragen». Sie behalte sich eine offizielle Beschwerde vor – ein verständnisloses Raunen war aus der Versammlung zu vernehmen.