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Gastro-Kolumne AngerichtetDie fabelhafte Welt der Brüder Bernardo

Die Brasserie Rössli am ehemaligen Steigtor überzeugt mit Entenkeule, Lammnierstück und Tartelette au citron.

Redaktorinnen und Redaktoren kundschaften für die Kolumne «Angerichtet» Restaurants in der Region Winterthur aus.
Redaktorinnen und Redaktoren kundschaften für die Kolumne «Angerichtet» Restaurants in der Region Winterthur aus.
Illustration: Ruedi Widmer

Die Brasserie Rössli liegt dort, wo die alte Steig beginnt, einst der Weg nach Zürich, heute eine unscheinbare Strassenecke. In der Winterthurer Gastroszene ist das Rössli eine Institution. Seit Januar wird es von den Brüdern Bernardo geführt. Sie arbeiten schon lange zusammen: Carmine Bernardo als Gastgeber und Bruno Bernardo als Koch.

Die Karte mit klassischer Mittelmeerküche war am Freitag kleiner, weil neben Freunden, dem Hausbesitzer, zwei Paaren und einer Familie auch eine Gesellschaft zu Gast war. In der wertig gebauten, aber ein wenig abgenutzten Gaststube standen zwei Vorspeisen auf der Tafel: ein Zucchetto, gefüllt mit Meeresfrüchten und Couscous auf einer pikanten Tomatensauce (17 Franken) und offene Ravioli mit Steinpilzen (18 Fr.).

«Voilá, le fabuleux confit de canard.»

Carmine Bernardo

Eins ist sicher, Bruno Bernardo kann kochen. Jeder Biss verlangt nach mehr, bis nur Saucenreste verbleiben. In der Wartezeit zwischen den Gängen trinken wir uns durch die offenen Weissweine. Zwei munden ausgezeichnet, der Sans Bois Ni Loi aus Bergerac (6.50 Fr./dl.) und der Quarteto Weiss aus Uesslingen (8 Fr./dl). Ersterer verleitete uns, zum Hauptgang den roten Wein mit demselben Namen zu nehmen (7 Fr./dl). Solider Durchschnitt, fanden wir und bedauerten, nicht den Roten aus Manduria bestellt zu haben, von dem Carmine Bernardo reichlich in die Gläser der Festgesellschaft füllte.

«Voilá, le fabuleux confit de canard», sagte Carmine Bernardo, als er die Entenkeule (32 Fr.) und das Filet d’agneau, sauce aux herbes de Provence (38 Fr.) servierte. Kurzzeitig wurde es still am Tisch, die Keule mit gebratenen Kartoffeln, Petersilie und Knoblauch sowie das Lammnierstück mit Pommes frites verlangten die volle Aufmerksamkeit. Beides schmeckte hervorragend.

Satt und zufrieden waren wir, doch ein Dessert darf nicht fehlen. Der Babà au Rhum mit Ananas und Rahm (13 Franken) hätte uns dann aber fast geschafft – und das nicht wegen des Gebäckes. Die Tartelette au citron meringuée (12 Franken) können wir vorbehaltlos empfehlen. Nur der Boden schien uns ein klein wenig zu weich. Aber vielleicht muss das so sein, in der fabelhaften Welt der Brüder Bernardo.

Brasserie Rössli, Steiggasse 1, 8400 Winterthur, 052 212 35 08, www.brasserie-roessli.ch